17. Mai. 2022

Kultur

Hier sind die Gäste keine Zuschauer sondern Akteure – das erfahren die Besucher aus aller Welt gleich zu Beginn der Show. Während der ein oder andere auf seinem Platz blass wird und Mitmachnummern fürchtet, genießen andere ein mit den Artisten gedrehtes Introvideo zur Show „Like Berlin“. Dazu präsentieren Sängerin und Band eine Liveversion von Peter Fox´ „Schwarz zu Blau“, in dem der Sänger die nächtliche Stadt besingt. Anschließend wirbelt Konfetti über die Bühne, Darsteller kommen als Kiffer, in Minirock oder Burka und schließlich als Straßenfeger auf die Bühne. Berlin – eine Stadt der Vielfalt. Anschließend zeigt der erste Artist sein Können. Zunächst liefert der Jongleur sich mit dem Schlagzeug ein Battle um die besseren Klänge. Was der eine trommelt, macht der andere mit den aufprallenden Bällen. Anschließend jongliert er auf einem kleinen Podest und wirft und fängt erst drei, später vier, fünf und schließlich sechs Bälle mit Präzision.


Anschließend wird ein großes Bett auf die Bühne gerollt. In diesem liegen zwei Frauen in inniger Umarmung. Über ihnen drehen sich zwei Diskokugeln und verwandeln das Licht der Scheinwerfer in ein Meer aus beweglichen Lichtpunkten. Wie unter einem funkelnden Sternenhimmel sitzen die Besucher und erleben eindrucksvolle Antipodenkunst auf dem sich drehenden Bett. Davor ist die Sängerin zu sehen, die mit Stimme und Präsenz zum Blickfang wird. Abgelöst werden die Frauen von einem Artisten, der mit freiem Oberkörper seine Muskeln spielen lässt und zu einem rasanten Breakdance übergeht. Ein echter Hingucker ist auch ein Auftritt mit dem Cry. Mit seiner roten Hose und dem durch die Luft wehenden Hemd wirbelt der Artist mit seinem überdimensionalen Reifen über die Bühne.


Wer auf die Suche nach der Seele der Stadt gehen möchte, darf auch von der Vergangenheit Anleihen nehmen. Das geschieht mit Anleihen an das Cabaret der 20er Jahre. Im Wintergarten tanzt dabei neben drei hübschen Frauen auch ein bärtiger Mann im engen Kleid. Dann geht es in die Luft. Unter dem Luftring hängt ein Tuch, an dem die Artistin aufsteigt und sich in der Luft dreht. Am Ende des Auftritts springt sie ins Seil und fesselt das Publikum. Dann geht es in der Geschichte voran. Klischees von Amerika und Russland werden gezeigt und ein Lied auf die DDR-Volkspolizei gesungen – mit fließendem Übergang zum Mauerfall, für den ein spontanes Stelldichein zwischen Grenzposten eine humorvolle Erklärung liefert.


Nach der Pause gehen die Blicke wieder nach oben. Dort hängen zwei Seilschlingen, in dem eine Artistin sich zu wummernden Bässen präsentiert. Mal hängt sie nur mit einem Fuß in der Schlinge. Dann zeigt sie einen Spagat zwischen den Seilen. Schließlich springt sie vom einen Seil ins andere und schaukelt immer höher in die Luft. Nicht minder eindrucksvoll ist der nächste Auftritt, bei dem ein Artist beeindruckende Balance auf Bücherstapeln und einem Stuhl zeigt. Erst balanciert er auf der Lehne, dann kippt und springt er mit dem Stuhl. Schließlich geht er auf den wackeligen Bücherstapeln in den Handstand. Der hält den Stuhl auch noch als sein Bühnenpartner einen der vier Stapel mit einem Handgriff zum Einsturz bringt. Ein klassisches Genre wird auch beim Hula-Hoop modern interpretiert. Das Publikum sieht, wie der Artist die Reifen im Handstand um seinen im glitzernden Dress steckenden Körper dreht. Auch ein Sprung durch den Reifen ist Teil der Choreografie. Wie vielfältig Berlin sein kann zeigt sich auch beim Quick Change. Zwischen Burka und Dirndl liegen hier nur Sekundenbruchteile… Karten für die Show und ab Mitte Juni für die ab dem 12. Juli 2017 folgende „Sayonara! Tokyo - Geishas! Tamagotchis! Edelweiss!“ gibt es ab 29,50 Euro telefonisch (030/588433), per Internet und an der Varietékasse in der Potsdamer Straße. (SMC)