20. Apr. 2019

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In den letzten Jahrzehnten ist die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland immer weiter gestiegen. Während Männer im Jahr 1950 im Schnitt 64,6 Jahre und Frauen 68,5 Jahre alt wurden, liegt die Prognose für das Jahr 2020 bei 79,1 Jahre für Männer und 84,1 Jahre für Frauen. Bis zum Jahr 2060 erwartet man einen weiteren Anstieg auf 84,8 Jahre für Männer bzw. 88,8 Jahre für Frauen. Diese zunächst erfreulichen Nachrichten bringen allerdings auch einen massiven Anstieg der Zahl der pflegebedürftigen Personen mit sich. Während Pflege in vergangenen Jahrzehnten oft ein Thema in der Familie war, haben heute immer weniger Kinder und Enkel die Möglichkeit, sich mit hohem Zeitaufwand um die ältere Generation zu kümmern. Statt einer Person arbeiten heute häufig beide. Zudem hat die gestiegene Mobilität Familien über das ganze Land oder die ganze Welt verstreut, sodass ein regelmäßiger persönlicher Einsatz schon logistisch nicht mehr denkbar ist.

Im Zuge dieser Entwicklung hat die Zahl der Pflegedienste und der Altenheimplätze deutlich zugenommen. Gerade bei leichter Pflegebedürftigkeit kann die punktuelle Betreuung und Pflege einiges erleichtern. Zu überschaubaren Kosten und mit Unterstützung der Pflegekasse kommt geschultes Personal ins Haus und kümmert sich um die notwendigen pflegerischen Aufgaben. Das kann Angehörige entlasten und dafür sorgen, dass ein alter Mensch in der vertrauten Umgebung weiterleben kann. Auch von der Kostenseite ist ein Leben in den eigenen vier Wänden die attraktivste Möglichkeit. Sobald ein Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim ansteht, wird es richtig teuer. In vielen Fällen genügen Renten und Pensionen nicht, um die je nach Pflegegrad unterschiedlich hohen Heimkosten zu bezahlen. Im ersten Schritt wird dann das Vermögen der pflegebedürftigen Person herangezogen – anschließend sind zum Beispiel die Kinder unterhaltspflichtig und müssen Teile der Kosten übernehmen. Hohe Kosten und das ungute Gefühl alter Menschen aus der vertrauten Umgebung gerissen zu werden, machen das Leben im Heim genau wie die sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen in den verschiedenen Einrichtungen zu einer Situation, die bei vielen Menschen Unbehagen auslöst. In der letzten Zeit ist vermehrt über die Unterbringung im Ausland diskutiert worden. Anbieter aus Osteuropa aber auch aus Asien erscheinen durch deutlich geringere Kosten für das Personal eine Alternative zu sein. Noch mehr als in Deutschland ist die Qualität der Pflege aber in der Ferne eine Frage des Vertrauens. Und ob man in einer Einrichtung gut aufgehoben ist, in der man die Landessprache nicht versteht? Das ist genau wie die Qualität der medizinischen Versorgung eine der großen Unbekannten.

Eine weitere Alternative ist unter dem Namen „24h Pflege“ in der Diskussion. Dabei geht es um in der Regel ausländische Pflegekräfte, die im Haushalt der pflegebedürftigen Person wohnen und sich um diese kümmern. Schon arbeitsrechtlich wäre eine echte Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch eine Pflegekraft unzulässig. Deshalb wird auch bei diesem Modell eine wöchentliche Arbeitszeit im Rahmen der deutschen Gesetze vereinbart. Durch den Wohnsitz in der gleichen Wohnung besteht jedoch bei Notfällen auch außerhalb dieser Zeiten die Chance auf Hilfe zum Beispiel bei der Benachrichtigung eines Arztes oder bei einem Sturz in der Wohnung. Auf die Vermittlung ausländischer Kräfte haben sich zahlreiche Agenturen spezialisiert. Angehörige können so nicht nur auf einen Personalpool aus den Herkunftsländen zurückgreifen, sondern auch auf eine professionelle Beratung und Begleitung. So kann man Fallstricke vermeiden und über zufällige Kontakte zu einzelnen Personen auch bei längerer Pflege immer wieder neue Personen einstellen. Dabei sind Feinheiten wie die Regelung der An- und Abreise, die Verpflegung in der Familie aber auch die kulturellen und sprachlichen Besonderheiten zu Berücksichtigen. Denn wir so oft gilt auch in der „24h Pflege“, dass sich nur eine für alle Beteiligten erfolgreiche Zusammenarbeit ergibt, wenn beide Seiten auf faire Weise davon profitieren. Die Details sollte man daher im Vorfeld sowohl mit der Vermittlungsagentur als auch mit der ausländischen Pflegekraft abstimmen, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden.

(SMC)