26. Mai. 2022

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Nicht umsonst gilt Falco als schillernde und extrovertierte Persönlichkeit. Deshalb überrascht es kaum, dass schon zu Beginn der Show andere verstorbene Stars wie Elvis Presley um den Falco-Darsteller herumtanzen. Durch das Leben führt Falcos Freund und Manager. Er hat den Aufstieg und Fall des Stars begleitet und kennt Falco noch unter seinem Geburtsnamen Hans Hölzel. Doch wer war Hans Hölzel wirklich? Auch dieser Frage nähert sich die musikalische Show. Falcos Leben auf der Überholspur wird auf der mitten in die Halle gebauten Bühne gezeigt. Damit man auch auf den Rängen etwas sehen kann, gibt es Videowände, auf die nicht nur das Geschehen auf der Bühne, sondern auch eine Vielzahl von Videos und Fotos aus dem Leben des Künstlers übertragen werden. Glücklich, wer auf den Rängen nicht zu weit seitlich sitzt, denn die tiefe Bühne ist von dort nur zum Teil zu erkennen, sodass manche Tanzszene verloren geht. Natürlich steht auch Falco selbst auf der Bühne – der Darsteller ist mit Fliege und dunkler Sonnenbrille gekleidet und erinnert viele auch von Gestik und Mimik an den verstorbenen Superstar.


Zu seinem Künstlernamen inspirierte Hans Hölzel der DDR-Skispringer Falko Weißpflog. Mit Blick auf die internationale Karriere änderte Falco die Schreibweise des Namens. Zu Beginn der Karriere sang Falco auf deutsch und verstörte mit Songs wie „Ganz Wien ist heut auf Heroin“ die Plattenfirmen. Trotzdem fand Falco mit seinem speziellen Gesangsstil ein Publikum und entwickelte sich vom Backgroundsänger zum Star. Zum großen Durchbruch verhalf ihm schließlich eine B-Seite. „Der Kommissar“ schoss auf Nummer 1 der Charts und öffnete Falco viele Türen. Selbst in Guatemala war der „weiße Rapper“ Nummer 1. Doch der große Erfolg sorgte nicht nur für Glück. Falco begann zu trinken, zu zweifeln und wurde unzuverlässig. Das führte immer öfter zu Streit mit seinem Manager und der Plattenfirma. Auf der Bühne wird die innere Zerrissenheit auch durch den Streit zwischen der blonden Jeanny und einer brünetten Rivalin dargestellt. Gibt es diese wirklich? Oder sieht Falco im Alkoholrausch nur Gespenster in seinem Schminkspiegel? Das lässt die Bühnenfassung offen. Die Situation eskaliert immer weiter. Falco sieht sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere und vermutet: „Von jetzt an geht´s bergab!“ Um das zu verhindern macht er sich Gedanken über den Tod.


Nach der Pause geht es weiter. Falco ist auf Promotour. Und auch in der Halle dreht die Stimmung auf. Zu „America“ beginnt das Publikum mitzuklatschen. Auch auf der Bühne wird weiter vom Erfolg erzählt. Falco plant eine Japantour und sogar eine Welttour. Dann bricht die Glamourwelt zusammen. Falco ist mit einer Puppe zu sehen und stürzt in düstere Kindheitserinnerungen. Es geht um die Trennung der Eltern und den Tod. Statt vollen Hallen tritt der von Depressionen gequälte Falco nur noch vor wenig Publikum auf. Ein letztes Highlight wird ein großer Auftritt auf einem Festival auf der Donau-Insel. Trotz Gewitter spielt Falco ein letztes Mal vor rund 100.000 Mensch. Dann zieht er sich zurück in die Dominikanische Republik. Zurück kommt er nach seinem Tod – und wird begraben auf dem Wiener Zentralfriedhof. Am Ende des Abends leuchten Feuerzeuge und Handybildschirme und verwandeln die LANXESS arena zu den Zugaben „Rock me Amadeus“, „Der Kommissar“ und „Europa“ in ein Lichtermeer. Falco hat noch einmal für Faszination gesorgt. (SMC)