19. Mai. 2022

Hören

Erschienen im Random House Audio Verlag zum Preis von 19,95 Euro, ist dieses Psychodrama um Obsession und Abhängigkeit ideal für die Badewanne, wenn es bald wieder stürmt und regnet. Im warmen Wasser hört man wie eine junge Lehrerin versucht ihren Schülern etwas beizubringen und sie für etwas begeistern möchte. Doch am St. Georg´s hat fast jeder Lehrer diese Hoffnung im Verlauf des Lehrerdaseins aufgegeben. Die jungen Menschen beschimpfen die schlanke Schönheit und bei der Hausaufgabenhilfe am Nachmittag hat sie keine ruhige Minute. Ihr Blick schweift durch die Reihen. Da fällt ihr ein Junge auf, der zeichnet. Das ist er. Er wird es sein. Das ist ihr zu diesem Zeitpunkt in keinster Weise bewusst, doch es fasziniert sie, wie er seine Fähigkeiten preisgibt, sie ausbaut und Interesse zeigt. Sie kommen ins Gespräch und kommen zu etwas anderem.

Die Autorin Zoë Heller beschreibt spannend und mit viel Gefühl den Liebes- und Leidensweg einer Frau, die sich verschenken wollte und Fußtritte bekommen hat. Vielleicht soll uns diese Geschichte dazu auffordern, darüber nachzudenken, vielleicht zu verstehen oder sogar Sympathie zu empfinden. Sheba wirkt so stark und so schwach zugleich. So ist auch die Stimme von Suzanne von Borsody. Es macht Spaß die Augen zu schließen, ihr zuzuhören und einzutauchen in die Geschichte.

„Tagebuch einer Verführung“, ISBN 3-86604-334-1, schmückt das CD-Regal. Auf dem Cover erhebt sich ein Frauenkörper. Der Kopf ist zur Seite geneigt. Ein hellleuchtend roter Apfel wird sacht an das Schlüsselbein geführt. Ist das die Protagonistin? Ist das Sheba? So könnte sie zumindest aussehen. So beschreibt sie Barbara in ihrem Notizbuch, das sie während ihrer aufkommenden Freundschaft führt und dann vervollständigt. (SMC)