20. Okt. 2018

Hören

„Teilnehmer?“ Oft wurden die Anrufer gleich zu Gesprächsbeginn in rüdem Ton aufgefordert, sich zu identifizieren. Die Mitarbeiter der Stasi hingegen blieben meinst anonym. Sie hatten die Aufgabe Tipps und Hinweise zu Verdächtigen aufzunehmen und dafür zu sorgen, dass Republikflucht und Zweifel am System der DDR unterblieben. Dafür stand der Stasi die gesamte Macht des Staates zur Verfügung. Diese setzte der Staat auch im reinen Verdachtsfall gegen Beschuldigte ein. Davon zeugen die mitgeschnittenen Verhöre, in denen den Betroffenen immer wieder Lügen und der Verrat an der DDR vorgeworfen wird. Beweise wurden dafür nicht in jedem Fall gebraucht – manchmal reichten schon Verdachtsmomente oder anonyme Hinweise, um eine berufliche Karriere zu zerstören oder Menschen ins Gefängnis zu bringen. Das 53-minütige Hörbuch erinnert an die düsteren Zeiten, in denen es im Osten von Deutschland keine Meinungsfreiheit gab und jeder einzelne der Macht der Stasi und der Staatsführung ausgeliefert war. Die O-Töne aus den Archiven der Stasi sind für das Hörbuch mit Musik verbunden worden. Sie zeichnen ein beklemmendes Bild vom Leben in der DDR. Wer in die Geschichte eintauchen möchte, muss gut zuhören, denn manche der Stimmen sind durch die regionale Mundart schwer verständlich. Dafür ist alles echt – dokumentiert von den Schergen der Stasi. Erschienen ist das Hörbuch (ISBN 978-3-8445-2878-7) im Hörverlag.

(SMC)