04. Aug. 2020

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In den verschiedenen Tracks greift Jan Weiler verschiedene Alltagssituationen auf. Gleich zu Anfang der Lesung klagt er, dass er wegen seines Sohnes stets nach Österreich verreisen muss. Dort will der Junge Germknödel in ihrem natürlichen Lebensraum sehen, frotzelt Jan Weiler und beschreibt die Süßspeise als handele es sich wirklich um in den Alpen frei lebende Tiere. So sinniert er, ob die Jagd mit Schusswaffen der humanere Tod sein könnte oder ob es doch besser ist, die Knödel lebendig in heißes Wasser zu werfen. Auch in den folgenden Stücken gibt es viel zu schmunzeln. Jan Weiler berichtet, wie er mit Sohn und Tochter Studien zum Sozialverhalten des Pubertiers macht und muss eingestehen, dass er bisher kein Ordnungsprinzip entdecken konnte. Nicht nur die Kinder bekommen ihr Fett weg. Im Titel „Mode-Diktat“ lästert Jan Weiler über den Kleidungsstil von Lehrern und argwöhnt, dass Lehrermode zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen kann.


Anschließend bekennt Jan Weiler, dass er sich manchmal in der Familie gemobbt fühlt. Anhand von Beispielen führt er aus, wie er für vermeintliche Schwerhörigkeit kritisiert wird und seine Frau nicht mehr vor den Augen der Tochter küssen soll. Auch Autofahrten machen ihm weniger Spaß, seit die Kinder in der Pubertät sind und sich unter Kopfhörern vor ihm verstecken. Die Zahl der Themen ist umfangreich: Das Weihnachtsfest kommt genauso zur Sprache wie „Moderne Sklaverei“. Auf der zweiten CD geht es nahtlos weiter. Jan Weiler berichtet von einem Wunder, dass er an einem Wurststand in Berlin beobachtet hat. Dort fiel dem Verkäufer eine Münze in die Sauce und kam mit einem anderen Wert wieder heraus. Anschließend geht es um Berufspläne. Der Autor berichtet, dass sein Sohn sich zwar von Kindheitsträumen wie Kioskverkäufer und Autoscooter-Mitarbeiter verabschiedet hat, aber immer noch Computerspieletester werden will. Um das zu finanzieren überlegt er selbst umzuschulen auf Entenretter, Wechseljahrberater oder Gewürzdealer vor der Schule seiner Tochter. In gewohnter Weise macht sich Jan Weiler lustig über die Kinder, die Welt und auch über sich selbst. Dabei gelingt es ihm durch geschickt gesetzte Pointen einen unterhaltsamen und nicht klamaukigen Humor zu wahren. Erschienen ist das Hörbuch (ISBN 978-3-8445-1950-1) zum Preis von 14,99 Euro im Hörverlag. (SMC)