19. Mai. 2022

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Der Abend beginnt mit dem optisch und musikalisch eindrucksvollen Auftritt des Orchesters Il Novecento, Maria Mena und dem jungen Chor Scala, der in diesem Jahr zum ersten Mal dabei ist. Danach begrüßt Moderator Markus Othmer die Besucher in der Geburtsstadt der „Deutschen Night of the Proms“ und lädt ein zum Schunkeln oder Walzertanzen zu Tschaikowskis Blumenwalzer. Besonders die jüngeren Zuschauer fühlen sich angesprochen vom Auftritt der ganz in Schwarz gekleideten Sängerin und Songwriterin Maria Mena, die gefühlvoll und innig drei ihrer erfolgreichen Titel vorträgt. Von ihrem neuen Album Growing Pains ist „I don`t wanna see you with her“ dabei. Maria sagt, dass sie jeden Tag während der Tour ein bisschen mehr Deutsch lernt und betont auch: “Ich freue mich meine Songs, mit diesem großartigen Orchester zu spielen.“ Fernando Varela, ein junger Tenor aus Puerto Rico stammend, tritt danach auf. Er ist der diesjährige Klassiksolist der Night of the Proms. Bereits bei seinem ersten Auftritt an diesem Abend mit Nessun Dorma aus Turandot von Puccini, erhält der stimmgewaltige Sänger, der an seinem Outfit noch arbeiten könnte, einen besonders starken Applaus.


Der Brite John Miles, eine Institution der NOP, tritt an diesem Abend mit zwei Solo Titeln auf. Einer davon ist Wrecking Ball, der Song der amerikanischen Sängerin Miley Cyrus von 2013 in Miles persönlicher Interpretation. Später wird John Miles seine Hymne an die Night of the Proms „Music“ präsentieren, auf die die Zuhörer in keinem Jahr verzichten möchten. Es ist begeisternd und immer wieder glaubwürdig, wenn er singt: „Music was my first love and it will be my last.“ Ob er dabei am Flügel sitzt oder E-Gitarre spielt, er fasziniert die Zuschauer, die ihn mit tausenden von stimmungsvollen Lichtern begleiten.


Nach dem umjubelten Auftritt von Johannes Oerding mit „Alles brennt“, der aus seiner Freude am Auftritt vor so viel Publikum kein Geheimnis macht, folgt eine Hommage an den diesem Jahr verstorbenen Schauspieler Pierre Brice mit der Filmmusik von Winnetou. Riesenapplaus gibt es danach für Andy McCluskey und Paul Humphreys, die 1978 in Liverpool die Band OMD gegründet haben. Bei „Maid of Orleans“, „Walking on the Milky Way“ und „Sailing on the seven seas“ geht das Publikum voll mit und hat viel Freude an dem besonders melodiösen Klang der Musik und an McCluskeys temperamentvoller Bühnenshow.


Nach der Pause beginnt das Programm mit der Ouvertüre 1812 von Tschaikowski. Ganz hervorragend passt dazu die Video-Erklärung zum Russlandfeldzug Napoleons mit grausamen Verlauf. Dieses Drama wurde von Tschaikowski meisterlich vertont, sicher auch ein Fakt, der vielen Besuchern bisher nicht bekannt war. Auch dieser Musikbeitrag wird vom Orchester eindrucksvoll umgesetzt. Beim Auftritt von Johannes Oerding mit „Traurig aber wahr“ und „Heimat“ sucht und findet Oerding guten Kontakt zum Publikum und „spielt“ mit dem Orchester. Gerade bei „Heimat“ sind die Zuhörer ganz bei ihm. Patrick De Smet, langjähriges Mitglied der Electric Band erfreut das Publikum danach mit seiner Art zu spielen und auch er bezieht das Publikum in seinen Auftritt mit ein.


Der absolute Höhepunkt des Abends ist der Auftritt der kalifornischen Band The Beach Boys. Seit Jahrzehnten stehen sie in Europa für die Sehnsucht nach kalifornischem Lebensgefühl, Unbeschwertheit, Sonne, Strand, Surfen und Meer. Aber nicht nur in Europa und den USA, weltweit war die Band höchst erfolgreich und ist es bis heute. Mike Love, Bruce Johnston, Brian Wilson und Alan Jardine sind alt geworden, aber Freude am Auftritt haben sie immer noch. Das Publikum singt und feiert mit bei „Do it again“, „Help me, Rhonda“, „Barbara Ann“ und „Surfin` U.S.A.“ und viele der älteren Konzertbesucher fühlen sich wieder jung zusammen mit den Beach Boys. Jüngere Zuhörer rocken mit und spüren ein wenig vom Lebensgefühl der 1960er und 70er Jahre während des Auftritts. Alle Künstler kommen zum Finale noch einmal auf die Bühne und performen gefeiert vom Publikum „Good Vibrations“.


Nach der Veranstaltung für die der Slogan „Klassik trifft Pop“ wirklich zutrifft, hört man von vielen Besuchern: „Herausragende Künstler, tolle Veranstaltung. Wir kommen wieder im nächsten Jahr.“ Die letzten Termine 2015 sind in Köln am 19.12.2015 und in Oberhausen am 20.12.2015. (SMC)