19. Mai. 2022

Reisen

Rund einmal im Monat startet die abwechslungsreiche Tour am Essener Hauptbahnhof. Firmenausflüge, Touristen aus allen Teilen des Landes aber auch ganz normale Ausflügler aus dem Ruhrgebiet sichern sich die Plätze bei der rund 4,5stüdigen Bustour und erleben zum Preis von 29 Euro eine Lichterfahrt, wie man sie sonst aus Paris oder London kennt. Gästeführer Christoph Wilmer begrüßt die Mitreisenden und sorgt mit umfangreichem Fachwissen und flotten Sprüchen für gute Unterhaltung. Schon während der Busfahrt erfährt man, wie nah Vergangenheit und Gegenwart im Ruhrgebiet zusammengehören. Wo heute die Tankstelle steht, gab es vor einigen Jahrzehnten die Zeche Anna. Und da, wo nun der Möbelladen steht, stand vor kurzer Zeit eine große Chemiefabrik. Wilmer glänzt durch fachübergreifendes Wissen und sorgt dafür, dass die Reise wie im Fluge vergeht und fast nebenbei sowohl historisches als auch aktuelles Wissen vermittelt wird.

Erste Station ist das Schiffshebewerk Henrichenburg. Die inzwischen stillgelegte Anlage sorgte einst dafür, dass Schiffe das Gefälle zwischen den deutschen Seehäfen und der Stahlstadt Dortmund überwinden konnten und war klassischen Schleusen weit überlegen. Heute gehört das gut erhaltene Bauwerk zu einem Museum und ist auch nachts ein Anziehungspunkt. Zweite Station ist das Industriegebiet Erin in Castrop-Rauxel. Das ehemalige Zechengelände wurde umgestaltet und sieht nun fast so aus wie die Landschaft in Irland. Weitläufige Wiesen, ein Wasserlauf und steinige Hügel sorgen für ein Erscheinungsbild, das mehr an einen Stadtpark als an einen Gewerbepark erinnert. Und auch hier steht das Licht im Mittelpunkt und sorgt für die optische Wirkung.

Dritte Station ist die Akademie Mont-Cenis in Herne. Mit großem Aufwand hat das Land NRW dort vor wenigen Jahren eine Fortbildungsakademie gebaut. Das besondere ist das architektonische Konzept. Alle Gebäude stehen in einer gigantischen mit Glas verkleideten Halle, sodass Ein- und Ausblick gesichert sind. Betrachtet man die Halle aus dem Flugzeug fällt zudem eine kreisförmig angeordnete Lichtinstallation ins Auge.

Perfektioniert wird das Spiel mit dem Licht auf der Halde Rungenberg in Gelsenkirchen. Eine große Treppe führt aus einer klassischen Arbeitersiedlung auf die Halde, deren Spitze abgetragen und durch zwei große Scheinwerfer ersetzt wurde. Gerade bei Nebel oder Regen bildet das Licht eine neue Spitze für den künstlichen Berg. Und auch der Ausblick lässt sich sehen. Von der Halde kann man weit über das Ruhrgebiet blicken und tausende von Lichtern, Gebäuden und Eindrücken wahrnehmen. Da ist es für den Reiseführer gar nicht so einfach seine Gäste mit einem kleinen Gipfelschnaps wieder in den Bus zu locken. Doch schon sind vier Stunden vergangen, in denen die Reisegruppe das Ruhrgebiet als ganz besondere Kulturlandschaft kennen gelernt hat. Das Ruhrgebiet als einzigartige Kultur-Landschaft macht neugierig.

Foto: (c) Duisburg Marketing GmbH (SMC)