11. Aug. 2022

Reisen

… nimmt Bergführer Robert Span es bei seinen Kletterkursen ganz genau, wenn es um die Sicherheit geht. Der 57jährige ist einer von 15 Bergführern vom Bergführerbüro Neustift und auch selbst begeisterter Kletterer. Die Passion liegt in der Familie – schon Roberts Vater war Bergführer. Anfängern zeigt er auf einem der Klettersteige, worauf es beim sicheren Bergerlebnis ankommt. Wir fahren mit der Seilbahn zur Bergstation. Der schmale und steil abfallende Weg zum Klettersteig es in sich. Und auch wenn Robert frotzelt „Kletterer sind faul; Wanderer sind fleißig.“ merkt man ihm doch an, dass er für eine gute Kletterroute zu allen Strapazen bereit ist. Auf dem Weg und beim Anlegen der Klettersteig-Ausrüstung erklärt er die Theorie. Dann geht es los. Der erste Karabiner wird am im Felsen verankerten Stahlseil eingehakt. So gesichert kann man sich auch auf schmales Terrain wagen und kurz darauf an den ersten Aufstieg. Robert geht voran und unterstützt mit Rat und Tat. Auf dem Rückweg – nach einem Flying Fox und einem zusätzlichen Abseilen ordnet der Bergführer das Erlebte ein: „C – auf einer Skala von A bis E.“ Wer vom Schnupperklettern begeistert ist, kann also wiederkommen und auch an anderen Stellen „das Besondere erleben“.

Zu Wasserfällen und Almwiesen

Längst hat das Stubaital in der Nähe von Innsbruck sich vom Wintersportziel zu einer Ganzjahresdestination entwickelt. In den Sommermonaten erwartet ein vielseitiges Angebot Wanderer und Bergfreunde. Wer in einem der angeschlossenen Betriebe übernachtet bekommt eine Stubai Super Card, in der nicht nur die Anfahrt ab Innsbruck Hauptbahnhof, sondern auch die Busse im Tal, die Bergbahnen und einige andere Extras enthalten sind. Empfehlenswert ist zum Beispiel die Wanderung von der Bushaltestelle Grawa Alm zum nahegelegenen Wasserfall. Das Wasser des Sulzenaubachs stürzt aus einer Höhe von 180 Metern über 85 Meter breite Felsstufen. Den breitesten Wasserfall der Ostalpen kann man sich von einer hölzernen Aussichtsplattform an seinem Fuß mit gemütlichen Liegen anschauen, oder man macht – wenn man trittsicher ist - eine Wanderung über den alten Almsteig durch den Wald den Berg hinauf. Von zwei kleinen Plattformen kann man den gewaltigen Wasserfall bestaunen. Die eine ist auf der Höhe eines turbulenten Tosbeckens. Die zweite liegt über der Abbruchkante. Ebenfalls sehr lohnend ist es, den Weg weiter nach oben zu gehen, und den Talkessel mit der Sulzenau Alm zu erreichen. Die Almwiesen liegen in einem malerischen Tal, das geprägt vom Bach, drei Wasserfällen und den steilen Felswänden an seinen Seiten ist. Über 200 Meter fällt das Wasser beim Sulzenaufall in die Tiefe und sorgt für Gischtschwaden. Das Glitzern des Baches, die grünen Wiesen mit den darin frei herumtollenden Ziegen und das Bergpanorama machen diesen Ort besonders zauberhaft.

Unterwegs auf dem Wilde-Wasser-Weg

Eine weniger anstrengende Alternative ist der Wilde-Wasser-Weg, der ebenfalls an der Grawa Alm beginnt. Er führt zum Fuß des Wasserfalls und dann entlang des kleinen aber wildromantischen Flusses Ruetz. Die Landschaft ist durch Lawinenabgänge und Murbrüche prägt, was man zum Beispiel an talwärts gedrückten Birken erkennt. Die aus den Bergen ins Flussbett getragenen Steine und die landschaftliche Schönheit des Tales machen den gut begehbaren und mit Infotafeln ausgestatteten Weg bis zur Tschangelair Alm zu einem interessanten Spaziergang. Besonders reizvoll wird der Weg im unteren Teil – im sogenannten Ruetz Katarakt. Hier hat sich der Fluss tief in die Felsen eingegraben und rauscht durch die Schlucht ins Tal. Eine Aussichtsplattform über dem Fluss bietet ungewohnte und reizvolle Perspektiven.

Wandergenuss in den Tiroler Alpen

Auch an vielen anderen Stellen im Stubaital gibt es interessante Wanderwege. Für Familien lohnt sich beispielsweise eine Fahrt mit der Bergbahn „Schlick 2000“. Neben der Bergstation beginnt der Scheibenweg. Nachdem man das obere Ende erwandert hat, kann man eine Holzscheibe über eine neben dem Weg gebaute Bahn ins Tal rollen lassen. Verschiedene Erlebnisstationen am Wegesrand sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Wer nach dem Scheibenweg noch Kraft hat, kann die Entdeckung der Bergwelt mit dem Baumhausweg fortsetzen. Verschiedene liebevoll gestaltete Baumhäuser – jeweils mit einer eigenen Geschichte vom Zwergen-Spielplatz über die Schatzkammer bis hin zur Musikkammer – lassen sich entdecken und sind interessanter als jeder Spielplatz. Kinder, die alle Baumhäuser erwandert haben, bekommen vom Tourismusverband eine kleine Überraschung. Eine andere Wanderung führt von der Bergstation der Serlesbahnen zum Kloster Maria Waldrast. Ein kleiner Touristenzug bringt Wanderer auf Wunsch mehrmals am Tag wieder zurück zum Ausgangspunkt. Wer noch mehr entdecken möchte, kann nicht weit von den gut besuchten Wanderwegen kleine Pfade mitten in der Natur entdecken und den Wald ganz individuell erwandern. Der Weg ins Tal ist für die meisten Besucher der Serlesblitz. Diese Rodelbahn führt auf einer abwechslungsreichen Strecke durch den Wald wieder ins Tal. Sie ist nicht nur für Kinder ein Vergnügen – sodass man zum Ende des Tages gerade am Wochenende mit langen Wartezeiten rechnen muss. Wer früher wieder ins Tal fährt, kann diese vermeiden.

Den Geheimnissen des Stubai-Gletschers auf der Spur

Ganz am Ende des Stubaitals liegt der Gletscher. Auch die Bahn ins ewige Eis kann man mit der Stubai Super Card kostenfrei nutzen. Ganz oben an der Bergstation weht ein frischer Wind, sodass man sich für einen Besuch auf der Aussichtsplattform warm anziehen sollte. Den Gletscher auf knapp 3.000 Meter Höhe kann man in der Nähe der Bergstation der Eisgratbahn entdecken. Ein 200 Meter langer Rundweg führt 30 Meter unter der Skipiste durch eine im Gletschereis liegende Grotte. Auf dem Rundweg durch das Eis kann man sich nicht nur vom Glitzern des ewigen Eises verzaubern lassen, sondern auch viele Informationen über die Entstehung von Gletschern bekommen. So erfährt man, wie sich Sommer- und Wintereis unterscheiden und auch, wie Gletscher entstehen und wann sie abschmelzen.

Der Traum vom Fliegen wird wahr …

Wer schon immer einmal mit traumhaften Aussichten auf die Bergwelt in der Luft gleiten wollte, wird bei der „Alpen Paragliding Center Parafly“ in Neustift fündig. Bei gutem Flugwetter kann man hier einen Tandemflug machen und die 800 Meter Höhenunterschied zwischen der Berg- und Talstation der Elfer-Lifte am Gleitschirm zurücklegen. Gleitschirm-Flieger Dominik Riegler (42) verspricht eine „Airtime“ von 10-15 Minuten und schafft es bei guter Thermik dann rund 20 Minuten in der Luft zu bleiben. Völlig geräuschlos, nur mit Rauschen des Windes, gleitet man durch die Luft. Besonders mutige Gäste können während des Fluges einige enge Kurven, die an eine Achterbahnfahrt erinnern, erleben. Der Tandem-Pilot schwärmt von einer weiteren Möglichkeit, die sein Sport ihm bietet. Bei Hike&Fly wandert man in die Berge und fliegt mit dem Gleitschirm ins Tal. Doch anders als für den Tandem-Sprung brauchen Touristen dafür eine eigene Gleitschirm-Ausbildung.

Abenteuer auf der Ruetz

Statt in die Luft kann man in Neustift auch auf´s Wasser gehen. Die Firma „Source to Sea“-Rafting hat ihre Basis in einer Scheune ganz in der Nähe. Ausgestattet mit Schwimmwesten, Schutzhelm und einem Paddel bringen die Gäste nach einer kurzen Einführung zum gemeinsamen Paddeln ihr Schlauchboot ans Ufer der Ruetz. Inhaberin Anne ist mit dabei und führt als Kapitänin das Boot. Sie kennt den Fluss, auf dem sie als erste das Rafting anbietet, wir ihre Westentasche und kann deshalb mit den richtigen Kommandos dafür sorgen, dass Boot und Besatzung gut durch die Stromschnellen vorbei an großen Steinen kommen. Doch vor dem Rafting steht der Sprung ins kalte Wasser. Nach einer kurzweiligen Fahrt bleiben noch einige Minuten, um sich im Wasser der Ruetz abzukühlen.

Genuss und Entspannung

Auch gastronomisch hat das Stubaital eine Menge zu bieten. Das Angebot reicht von kleinen Hütten in den Bergen, in denen kühle Getränke und kleine Mahlzeiten serviert werden, bis zu gehobener Gastronomie. Der Alpengasthof Koppeneck zum Beispiel bietet von der Terrasse einen schönen Blick ins Tal und auf das Bergpanorama. Und auch die Köche in den Hotels begeistern mit kreativer Kochkunst. Das zentral in Fulpmes gelegene 4-Sterne-Hotel Stubaierhof zum Beispiel bietet im Rahmen der Halbpension am Abend eine gute Mischung aus Buffet und A-la-Carte-Gerichten an. Da die meisten Seilbahnen auch im Sommer relativ früh schließen, kann man den Abend am besten in einem Restaurant ausklingen lassen. Bei der Hotelauswahl sollte man im Blick behalten, ob man die Stubai Super Card dazu bekommt. Mit dieser spart man nicht nur die Kosten für Busse und Seilbahnen, sondern kann einmal pro Woche auch mit der Sommerrodelbahn fahren und sich im Schwimmbad StuBay erholen. Das Außenbecken mit Blick in die Natur und die schnellen und vielseitigen Wasserrutschen gehören zu den Vorzügen des Schwimmbads.

Das Stubaital ist eine Reise wert.

Auch in den Sommermonaten hat das Stubaital eine Menge zu bieten. Im Bergsommer und vor der Kulisse der sieben hohen Berggipfel rund um das Tal kann man die Natur entdecken, Abenteuer erleben und sich verwöhnen lassen. Oasen der Ruhe sorgen für Entspannung, Aussichtspunkte für spektakuläre Blicke in die Berge und die Stubaier Küche nicht nur mit Speck, Käse und Alpenkräutern, sorgt für Genussmomente.

(SMC)