11. Dez. 2018

Reisen

Mit einem quietschenden Geräusch setzt sich die Erlebnis-Draisine langsam in Bewegung. Das Gefährt ist auf der Strecke der historischen Kanonenbahn unterwegs. Bis 1992 verkehrten hier regelmäßig Züge, dann kehrte Ruhe ein. Doch inzwischen ist wieder Leben eingekehrt. Touristen haben die Möglichkeit mit Muskelkraft durch Tunnel und über Viadukte zu fahren und die Draisine dabei wie ein massives Fahrrad in Schwung zu bringen. Die Tour beginnt am Bahnhof in Lengenfeld unterm Stein. Nur wenige Minuten hinter dem Bahnhof, in dem man die Draisine übernimmt, fährt man über das erste Viadukt. Die Brücke ist 244 Meter lang und überspannt den Ort Lengenfeld in rund 24 Meter Höhe. Während der Fahrt kann man die Ortschaft mit ihren Fachwerkhäusern und die Landschaft deshalb aus der Vogelperspektive betrachten. Dann geht die Fahrt weiter. Das Gewicht der Draisine und der Mitreisenden macht sich schnell bemerkbar und ermüdet die Aktivurlauber. Wer nur hin und wieder mit dem Rad unterwegs ist, sollte daher reichlich Pausen bei der Draisinen-Tour einplanen. Die macht trotz der Anstrengung eine Menge Spaß und kann je nach Kondition viele Kilometer weit gehen. Zwischendurch passiert man Tunnel, in denen die sparsame Beleuchtung der Draisine der einzige Lichtschein ist. Entscheidet man sich für die Umkehr, sind Armmuskeln gefragt. Mit vereinten Kräften muss die schwere Draisine aus den Schienen gehoben und gedreht werden. Das kostet Kraft – und wird mit dem größtenteils bergab führenden Rückweg belohnt, auf dem die Fahrt deutlich schneller ist und der Fahrtwind die erschöpften Gäste abkühlt. Ab Herbst 2018 soll ein Radweg parallel zu den Schienen fertig sein, sodass man die technischen Denkmäler entlang der Strecke auch auf zwei Rädern erleben kann.

Während die Erlebnis-Draisine nur bei schönem Wetter Spaß macht, gibt es im Zentrum von Eisenach eine Allwetter-Attraktion. In der ehemaligen Halle der Wartburg Brauerei Eisenach ist die Kletterhalle „Alte Brauerei“ entstanden. In der beheizten Halle kann man das ganze Jahr auf rund 350 m² Kletterabenteuer erleben. Bevor es in die Höhe geht, ist eine Sicherheitsunterweisung durch einen der Trainer obligatorisch. Bei wird nicht nur geschaut, ob die Klettergurte richtig angelegt sind, sondern auch das Sicherungssystem erklärt. Die beiden Karabinerhaken sind technisch so miteinander verbunden, dass immer einer der Haken mit der Sicherung verbunden sein muss. Das gibt Kindern und Erwachsenen zusätzliche Sicherheit bei ihrem Kletterabenteuer. Der Parcours besteht aus zwei Ebenen. Alle Kletterer beginnen auf der unteren und können dort zwei verschiedene Wege mit unterschiedlichen Kletterelementen ausprobieren. Wer dort gut klar kommt, wagt den Aufstieg nach oben. Während der Anfang ganz leicht wirkt, werden die Hindernisse in der Höhe zunehmend schwerer. Nicht weit von der Halle liegt mit der Wartburg die eigentliche Sehenswürdigkeit der Stadt. Sie wird von Touristen aus aller Welt besucht – oft in Erinnerung an Martin Luther, der in der Burg die Bibel in die deutsche Sprache übersetzte.

Eine Verbindung von Kultur und aktivem Naturerlebnis fällt in der Region ganz leicht. Neben Wanderungen und Radtouren auf gut ausgeschilderten Wegen bietet sich auch eine Wasserwanderung auf der Werra an. Wenn der Wasserstand im Sommer niedriger ist, sollte man den Ratschlägen der Vermieter folgen und sich für einen passenden Abschnitt des Flusses entscheiden. Dann geht es los. Mit der Strömung des teils sanft vor sich hinplätschernden und dann wieder schneller werdenden Flusses geht es voran. An den Ufern sind Bäume, Felder und kleine Ortschaften zu sehen. Wasser- und Raubvögel begleiten die Kanutour.  Wer mag kann zwischendurch einkehren – zum Beispiel im Gasthof Probstei Zella in Frankenroda. Kurz vor diesem liegen malerische Seitenarme, durch die man das Kanu treiben lassen kann.  Der Hainich ist das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. In diesem „Urwald mitten in Deutschland“ gibt es einen alten Buchenwald, eine Population seltener Wildkatzen und Rückzugsräume für seltene Tiere und Pflanzen. Ein Ausgangspunkt, um die Region zu entdecken, ist die Jugendherberge Urwald-Life-Camp. Vor 12 Jahren entstand die Jugendherberge am Westrand des Hainichs auf dem Gelände einer ehemaligen Grenzschutzkaserne. Urlauber können zelten oder eines der einfach ausgestatteten Zimmer buchen und am Abend am Lagerfeuer bei Stockbrot in Jugenderinnerungen schwelgen.

(ck)