21. Mai. 2026

Reisen

Mit 300 Sonnentagen im Jahr ist Südtirol nicht nur ein beliebtes Urlaubsziel, sondern auch eine Region, in der Äpfel und Wein gedeihen. Während die Landeshauptstadt Bozen und die Kurstadt Meran international bekannt und manchmal schon zu gut besucht sind, hat die ländliche Region Lana ihren ursprünglichen Charme weitestgehend erhalten und ist damit ein attraktives Reiseziel für Wanderer, Radfahrer und Genießer, die sich in entspannter Atmosphäre und vor der malerischen Bergkulisse verwöhnen lassen.

Die Saison beginnt in Lana im Frühling, wenn die grünen Apfelplantagen sich in ein Meer aus weiß-rosa Apfelblüten verwandeln. Alexander Höller ist einer der ausgebildeten Apfelsommeliers in der Region. Er führt nicht nur durch die blühenden Apfelplantagen, sondern erklärt auch, dass man Äpfel genau wie Wein verkosten und mit allen Sinnen genießen kann. Wer dem Enkel von Blasius Höller, dem Erfinder der Frostbewässerung, zuhört, sieht, hört, riecht und fühlt Äpfel künftig auf eine andere Weise und erfährt nebenbei eine Menge über das beliebte Kernobst, das als Botschafter Südtirols in die halbe Welt verkauft wird. Je nach Lage eignen sich unterschiedliche Sorten – 3.600 Bäume pro Hektar, von denen jeder einzelne von den Apfelbauern mindestens siebenmal abgeerntet wird. Da die Äpfel ihre Farbe durch den Temperaturunterschied von Tag und Nacht bekommen, ist Südtirol für den Anbau besonders gut geeignet.

Was man aus den Äpfeln machen kann und welche Menschen dahinterstecken, erfährt man in Lana beim Blütenhöfefest. Zu diesem öffnen elf traditionelle Höfe in den Ortschaften Lana, Völlan und Tscherms ihre Tore. Besucher können typische Hofprodukte verkosten, ein Kulturprogramm mit Live-Musik erleben und in lockerer Atmosphäre mit den Einheimischen ins Gespräch kommen. Am Föhrnerhof serviert Winzerin Irmgard Windegger Weine und Traubensaft und dazu zum Beispiel handgemachte Tortellini mit Spargel sowie Topfen-Marillen-Strudel. Dazu gibt es Führungen durch die Obstwiesen und Weinreben. Der benachbarte Callhof, ein Bio-Obstbauernhof, setzt auf Apfelverkostung mit Apfelsommelier und Jungbauer Stefan Gögele. Verbunden sind die Höfe mit kostenfrei nutzbaren Shuttle-Bussen, sodass man auch zum oberhalb gelegenen Bauernmuseum Völlan fahren kann, in dem das bäuerliche Leben der vorindustriellen Zeit dargestellt wird. Dazu gehört nicht nur eine Ausstellung mit alten bäuerlichen Geräten und eine Räucherküche, sondern auch Brotbacken und ein gut sortierter Bauernmarkt vor der Tür des Museums.

Franz Graf von Pfeil hat aus dem Kränzelhof in Tscherms in den letzten zwanzig Jahren ein besonderes Ausflugsziel gemacht. Was einst ein mittelalterlicher Ansitz mit Weinbergen war, beherbergt heute zwei Restaurants, eine Vinothek und ein in sieben Erlebniswelten aufgeteilter Skulpturengarten. Sinnliche Begegnungen verspricht Pfeil seinen Besuchern und meint dabei sowohl den Wein, der bei einer „vinosophischen“ Führung verkostet werden kann als auch die Gärten, in denen zurzeit eine Sonderausstellung zum Thema „Frau“ gezeigt wird. Beides soll die Sinne anregen – sei es im aus Eiben gepflanzten Labyrinth, auf dem sich auf dem Weg rund um den „Schneckenberg“ bis zu einem Liebestempel oder in der kleinen mit Kunst und Tannenzapfen ausgestalteten Grotte. Ein beliebter Ort ist auch das „grüne Zimmer“, ein von Hainbuchen eingefasster Raum, in dem man von einer hölzernen Bank nur das Grün der Bäume und das Blau des Himmels sieht.

Die Landschaft steht auch im Mittelpunkt, wenn man sich für eine Wanderung entlang der historischen Waalwege entscheidet. Die Waale, kleine Wasserkanäle, wurden im 13. Jahrhundert angelegt, um die Weinberge und Apfelwiesen zu bewässern. Parallel verlaufende, schmale Wege dienten einst der Pflege der Kanäle und sind heute beliebte Wanderwege, die in der Regel ohne größere Anstiege auskommen und eindrucksvoll in die Südtiroler Kulturlandschaft integriert sind. Einer davon ist der Marlinger Waalweg – von Oberbrunn in Richtung Castel Lebenberg. Der Weg verläuft über gut zehn Kilometer am offenen Waal entlang, an Lana, Tscherms und Marling vorbei bis nach Töll. Wer hier spazieren geht kommt vorbei an Oberbauernhöfen, an den Weiden von Eseln, Schafen und Ziegen und freut sich über freilaufende Hühner, die gackernd am Wegesrand verschwinden. Kleine Gastronomien und Hofläden laden zur Einkehr ein – Bänke am Wegesrand und schattige Wegabschnitte machen die Wanderung zu einem entspannten Vergnügen.

Ein beliebter Zwischenstopp ist Schloss Lebenberg aus dem 13. Jahrhundert. Das Wahrzeichen des Ortes Tscherms thront auf einem Moränenhügel oberhalb des Ortes und gilt als eines der schönsten Schlösser in der Region Lana. Die weitläufige Burganlage ist bis heute bewohnt und kann besichtigt werden. Eine spätgotische Burgkapelle mit Fresken aus dem 14. Jahrhundert ist genauso Teil der Anlage wie ein Spiegelsaal im Rokokostil, der Rittersaal und Bauernzimmer mit gotischen Bauernmöbeln. Doch oft lohnt sich auch der Blick auf die kleinen Dinge am Wegesrand. Entlang der Waalwege wachsen das ganze Jahr über verschiedene Kräuter, die Teil der Südtiroler Küche sind. Kräuter-Expertin Hildegard Kreiter kennt sich mit diesen aus und erklärt bei ihren Kräuter-Wanderungen und -Workshops wie man die Pflanzen erkennt und im Sinne von Genuss und Gesundheit einsetzt. Ein Brotaufstrich mit frischen Blüten? Ein Tee, der die Aromen aus der Natur mit in den Alltag nimmt. Hildegard Kreiter kennt sich aus und vermittelt ihr Wissen auf sympathische Weise.

Ein besonderes Ausflugziel ist das Vigiljoch. Der Hausberg von Lana ist mit einer Seilbahn aus dem Ortszentrum erreichbar und ideal für Wanderer und Biker. Mit der Bahn geht es in wenigen Minuten – und bei Bedarf mit Fahrrad – auf 1.486 m. Rund um die Bergstation sind Wander- und Radwege ausgeschildert, sodass man die alpin-mediterrane Natur erleben kann. Wer noch höher hinaus will, nimmt den Einzelsessellift durch die duftenden Lärchenwälder bis auf 1.814 m oder macht sich zu Fuß auf den Weg nach oben. Auf dem Berg ist es auch an Sommertagen erfrischend kühl, sodass man im milden Klima wandern und anschließend im Tal die Sonne genießen kann.

Ein schöner Platz ist zum Beispiel die Sonnenterasse des Hotels Waldhof in Völlan. Das 4-Sterne-S-Hotel in Familienbesitz liegt gleich gegenüber der Mayenburg aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die für ein malerisches Panorama sorgt, sei es aus dem beheizten Infinity-Pool, von der Terrasse oder aus vielen der Zimmer des Hotels. Die Burg mit ihrem 23 Meter hohen Bergfried und den drei Meter dicken Mauern war bis 1647 Gerichtssitz. Das Hotel gliedert sich in den traditionellen Altbau und einen modernen Neubau mit großzügigen Zimmern mit Balkonen, die das Tal überblicken. Da das Hotel im Luftkurort Völlan oberhalb von Lana liegt, bucht man es mit ¾-Pension, sodass ein Frühstück mit regionalen Produkten, der Snack am Mittag und das reichhaltige Abendessen gleich im Übernachtungspreis enthalten sind. Das Hotel bietet rund um die Pools viel Platz auf der Liegewiese und sogar einen kleinen Wald für Spaziergänge an.

Wer sich anders entscheidet, findet im Etschtal eine kleine aber feine Auswahl an gastronomischen Betrieben. Im Zentrum von Lana liegt zum Beispiel das Restaurant Stadele. Chefkoch Matthias Wenin setzt auf eine einfache und doch ausgereifte Küche, bei der auch Kräuter aus dem heimischen Garten zum Einsatz kommen. Die schmecken zum Beispiel auf dem Wildkräuter-Frühlingssalat, nach dem Kartoffel-Bärlauch-Gnocchi mit Spargel und Garnele und als Hauptgang ein Kalbsrückensteak mit Gartenspinat gereicht wird, vor eine Schokoladenschnitte mit Himbeeren und Rhabarber das Menü abrundet. Stilvolles Geschirr und ein entspanntes Ambiente machen das Restaurant auch bei Einheimischen zu einer gefragten Adresse. In eine ganz andere Richtung geht das gastronomische Angebot bei Otto Mattivi im Nachbarort Burgstall. Inspiriert von einer Reise nach Argentinien hat der Südtiroler dort vor 40 Jahren das Hidalgo Grill-Restaurant und als „Restaurant im Restaurant“ das Aomi Wagyu Restaurant eröffnet. Während es im Grill-Restaurant in erster Linie mediterrane Speisen und Fleischspezialitäten vom Grill gibt, ist das Aomi ein Spezialitätenrestaurant mit originalem Kobe und Wagyu Fleisch. Seit zehn Jahren wird auch Südtiroler Wagyu-Fleisch serviert – in einem japanisch angehauchten Ambiente mit Bonsai-Bäumen und japanischem Garten. „Japanische Aromen mit mediterraner Tradition“ verspricht der Inhaber – und hat damit besonders Genussmenschen im Blick. Die können das besondere Fleisch als Antipasti zum Beispiel als „Schinken“, Salami, Paté oder Carpaccio genießen. Das Südtiroler Rind schmeckt sowohl als Roastbeef als auch als dry aged Filet mit gegrilltem Gemüse und japanischer Sesampaste.

Südtirol ist eine Region, die ein Panorama mit zum Sommeranfang noch von Schnee bedeckten Bergen mit einer sanften Kulturlandschaft mit Apfelwiesen und Weinbergen und einer reichen Geschichte mit historischen Ansitzen und Burgen verbindet. Exklusive und doch in familiärer Atmosphäre geführte Unterkünfte und eine vielseitige Gastronomie, die traditionelle Südtiroler Küche und mediterrane Einflüsse vereint, machen die norditalienische Region Lana zu einem attraktiven Reiseziel für Genussmenschen, aber auch für Wanderer und Radfahrer. Direktflüge mit Skyalps verbinden Städten wie Düsseldorf und Hamburg in weniger als zwei Stunden mit Bozen. Von Süddeutschland aus ist die Region gut mit der Bahn erreichbar.

(SMC)