13. Dez. 2018

Reisen

Wéris - Eine sagenumwobene Zeitreise in die Steinzeit

Eingebettet zwischen sanften Hügeln aus Wäldern und Feldern liegt Wéris. Bei einem Spaziergang durch das Dorf entdeckt man alte Fachwerkhäuser, charmante Steinhäuser aus dem 18. Jahrhundert und im Zentrum eine romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert. Bekannt ist Wéris aber nicht nur dafür, offiziell eines der schönsten Dörfer der Wallonie zu sein, sondern vor allem für seine Megalithanlage und die damit zusammenhängenden Sagen. Gästeführerin Viviane D’hondt erklärt, dass es sich mit 8 km Länge und 300 m Breite um die wichtigste und am besten erhaltene Anlage Belgiens handelt. Bei einer Wanderung zwischen Wäldern, weidenden Kühen und Schafen können Gäste zwei Dolmen und sieben Menhire in ungewöhnlicher Anordnung bestaunen. Erbaut wurden die mehrere tonnenschweren Steinmonumente um 3000 vor unserer Zeit. Welche Bedeutung hatten diese für die Menschen? Die Frage ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Während es sich bei den Dolmen um Gemeinschaftsgräber mit Kultstättencharakter handelte, könnten die Menhire als Grenzsteine oder heilige Versammlungsstätte gedient haben. Einige Wanderer schwören auf die positiven Energien, die von den Monumenten ausgehen sollen, und ziehen mit Wünschelruten los. Wer Hintergründe über die Megalithanlage und ihre Baumeister erfahren möchte, wird im Museum Maison des Mégalithes fündig.

Durbuy - die kleinste Stadt der Welt

Wenige Kilometer von Wéris enfernt, liegt die kleine Stadt Durbuy in einem idyllischen Tal. Durbuy erhielt 1331 die Stadtrechte und konnte aufgrund ihrer geografischen Lage nicht wachsen. Durch diesen Umstand blieb ihr mittelalterlicher Charme bis heute erhalten. Das Marketing wirbt damit, mit 500 Einwohnern die kleinste Stadt der Welt zu sein und lockt jedes Jahr etwa 1,5 Millionen Gäste nach Durbuy. Wieviel Zeit sich die Besucher für einen Rundgang durch die mit Kopfstein gepflasterten Straßen nehmen ist unterschiedlich. Mit ihren malerischen Gässchen, dem charmanten Schloss am Fluss und einer Vielzahl von gastronomischen Genüssen lädt Durbuy auf alle Fälle zum Verweilen an. Anschauen sollte man sich auch die am Stadtrand gelegenen Felsformationen. In ihrem Faltenmuster wird die Erdgeschichte der Region auf eindrucksvolle Weise sichtbar. Nicht umsonst sind die kleine Stadt und ihre Umgebung ein beliebter Anziehungspunkt für Wanderfreudige und Naturliebhaber.

Grotte von Han – Pracht in der Tiefe der Erde

Jedes Kind in Belgien kennt sie. Die Grotte von Han bietet mit ihrem unterirdisch verlaufenden Fluss, hohen Kuppelsälen und dem Formenreichtum der Tropfsteine vielfältige Erlebnisse für ihre Besucher. Nicht immer sind es die größten oder buntesten Tropfsteine, die besonders beeindrucken. Manchmal sind es auch die kleinen Sachen. Wo vorher noch Dunkelheit war, kann der Lichtkegel einer Taschenlampe Wunderwerke der Natur offenbaren. Bei einer Gästeführung kann man so auch unzählige, winzig kleine, schneeweiß glitzernde Kalksteinkristalle entdecken. Das ganze Jahr über hat die Grotte eine konstante Temperatur von 13 Grad. Seit diesem Sommer wird in der Grotte eine fantastisch spektakuläre Ton- und Lichtschau des Event-Designer Luc Petit gezeigt. Die Lichtschau ist in die Führung durch die Tropfsteinhöhle integriert. Die Besucher reisen dabei zum Ursprung der Welt - vom Urknall bis zum Universum, ohne die Erforschung der Unterwasser-, Pflanzen- und Tierwelt zu vergessen.

Wildtierpark – von Bären, Wölfen, Uhu und Co.

Auf dem Massiv über den Tropfsteinhöhlen erstreckt sich ein 250 Hektar großes Reservat, in dem Besucher zu Fuß oder in Safari-Bussen den großen Säugetieren und Raubvögeln Europas begegnen können. Von Rothirschen, Wölfen, Bären über Uhus und Eulen bis zu Geiern leben etwa zwanzig Tierarten in Halbfreiheit. Ein Großteil der Tiere hat eine traurige Vergangenheit etwa durch Zusammenstöße mit Autos oder Windrädern hinter sich. Aber auch bedrohte Tierarten wie dem Tarpan-Pferd oder den Auerochsen wird viel Aufmerksamkeit geschenkt. Sie sind Teil des Wiedereinführungsprogrammes.

Nach einem Tag in der Grotte und im Wildpark ist ein Besuch des naheliegenden Restaurants „l’Ôthentique“ in Han-sur-Lesse besonders empfehlenswert. Im alten Bauernhaus, das komplett renoviert wurde, werden Gerichte aus frischen Produkten der Region und regional gebrautes Bier angeboten. Eine günstige Übernachtungsmöglichkeit mit großen Schlafensälen im Charme einer Jugendherberge bietet der familiengeführte Bio-Bauernhof „ferme Arc en ciel“ in Wellin.

(kk)