Auch die Bretagne hat mit dem industriellen Strukturwandel zu kämpfen und versucht das Beste aus diesem zu machen. So wurde auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse der Radweg „Voie Verte“ eingerichtet. Über diesen gelangt man vorbei an Feldern, Wiesen und stillgelegten kleinen Bahnhöfen nach Dinan. Die Stadt liegt oberhalb eines malerischen Flusstals der Rance und ist von beeindruckenden Stadtmauern umgeben. Die Altstadt liegt dabei rund 75 Meter oberhalb des Flusses, was die Mauern noch eindrucksvoller erscheinen lässt. Kleine Hotels und Restaurants sowohl am Fluss als auch innerhalb der Stadtmauern wecken die Lust an der französischen Lebensart. Die in vielen Restaurants sowohl mittags als auch am Abend angebotenen Menüs gibt es in jeder Preislage. Selbst für große Familien sind die Restaurantbesuche deshalb erschwinglich und zugleich ein schöner Abschluss eines Tages auf dem Fahrrad. Wer möchte, kann die verschiedenen neu eingerichteten und relativ gut ausgeschilderten Radwege für eine mehrtägige Tour nutzen. Gerade außerhalb der Hauptsaison sind die Begegnungen mit anderen Gästen und Bretonen selten, sodass man sich ganz auf die Landschaft und die Natur konzentrieren kann. Natur pur kann man auch bei einer Radtour oder Wanderung von Titéniac nach Rennes erleben. Der gut befahrbare Radweg schlängelt sich an einem Kanal entlang. Die zum Teil bewaldeten Ufer, die typisch bretonischen Häuser und nicht zuletzt die Tier- und Pflanzenwelt sorgen für Urlaubsstimmung. Immer wieder laden Bänke dazu ein in der Natur zu verweilen. Schleusen und wunderschön gestaltete Gärten sorgen dafür, dass die Fahrt auch nach Stunden noch interessant ist. Entlang des Kanals entdeckt man immer wieder kleine Hotels und Restaurants wie das La Guinguette in Titéniac, das ein 3-Gang-Menü zur Mittagszeit für familienfreundliche 9,90 Euro anbietet. Das Restaurant gehört zum örtlichen Brit Hotel, einer gerade im Westen Frankreichs verbreiteten Hotelkette mit mehr als 80 Häusern.
Wer sich nach einem Tag auf dem Rad oder einem umfangreichen Stadtbummel in Rennes eine luxuriöse Auszeit gönnen möchte, der übernachtet im Hotel „LeCoq Gadby“. Das 4-Sterne-Hotel am Rande der Stadt ist das einzige bretonische Hotel, das das europäische Ökolabel für sein nachhaltiges Wirtschaften erhalten hat. Das in der vierten Generation familiengeführte Hotel bietet 14 Appartements von 28 bis 60m². Es gewinnt 60% der benötigten Energie durch thermische Sonnenkollektoren, nutzt eine Wärmepumpe und kann dank ausgeklügelter Dämmung und Lüftung auf eine Klimaanlage verzichten. Abends serviert Küchenchef Marc Tizon hervorragende französische Gerichte. Hotel-Besitzerin Madame Bregeon legt Wert auf Nachhaltigkeit und Qualität. Um ihren Gästen etwas Besonderes zu bieten, ließ sie aus Äpfeln von im Bereich des Hotels wachsenden Bäumen eine eigene Kosmetiklinie entwickeln. Diese wird im SPA-Bereich des Hotels genauso angeboten wie als Souvenir für anspruchsvolle Kunden aus aller Welt.
Entspannen kann man in der Bretagne auch auf dem Wasser. Verschiedene Anbieter verleihen zum Beispiel im Hafen des historischen Städtchens Redon Hausboote. Je nach Anbieter kann man diese selbst steuern oder wird von einem ortskundigen Kapitän begleitet. Mit dem Hausboot kann man die Oust, den Kanal zwischen Brest und Nantes, erkunden. Während man mit dem Boot fast lautlos durch Kanäle und Seen gleitet, sieht man Enten und Schwäne vorbei schwimmen und passiert Schlösser und andere historische Gemäuer. Je nach Reiseroute kann man auf den Hausbooten einen ganzen Urlaub verbringen. Ausgestattet mit mehreren Kabinen, einer kompletten Küche und einer großen Sonnenterrasse sind die Hausboote für Freizeitkapitäne der perfekte Ausgangspunkt für eine Bretagnereise. Bei der Auswahl des Bootsanbieters sollte man nach Möglichkeit Boote wählen, die man bei schönem Wetter von außen steuern kann. Auch lohnt sich ein Blick darauf, welche Nebenkosten zum eigentlichen Mietpreis hinzu kommen.
Blumen, Kamillen, und zahlreiche andere Kräuter wachsen auf den Feldern rund um La Gacilly. In diesem Ort gründete Yves Rocher auf dem Dachboden des elterlichen Hauses sein heute weltbekanntes Kosmetikunternehmen. Heute erreicht das Unternehmen mit weltweit 14.800 Mitarbeitern einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro. Am Stammsitz des Unternehmens hat Ives Rocher nicht nur sein Végétarium errichtet sondern in diesem Jahr auch ein neues 4-Sterne-Hotel. Das mit alten Büchern und Kameras dekorierte Hotel ist mit jedem Komfort ausgestattet und trotzdem umweltbewusst. So sorgt ein Fenster zwischen Zimmer und Badezimmer dafür, dass an sonnigen Tagen keine separate Beleuchtung eingeschaltet werden muss. Balkone bzw. kleine Terrassen an den meisten der 29 Zimmer und ein herrlicher Blick ins Tal erfreuen nicht nur beim Sonnenuntergang die Gäste. Nach dem Sonnenuntergang gibt es auch in den in Holz und Pastellfarben gestalteten Zimmern noch einiges zu entdecken. Die meisten Zimmer sind mit moderner Kunst ausgestattet und zeigen eindrucksvoll, dass Nachhaltigkeit und Luxus sich nicht ausschließen müssen.
Kulturelle Festivitäten sind heute wieder Anziehungspunkt für jung und alt. Gruppen musikbegeisterter Bretonen finden sich regelmäßig zusammen, um gemeinsam zu tanzen, zu singen und zu feiern und bieten Touristen damit quasi nebenbei eindrucksvolle Fotomotive. Noch schöner als die Aktivitäten nur zu beobachten ist es jedoch, dass interessierte Gäste integriert werden und auf dem Marktplatz mitmachen können, wenn bei Trommeln, Hörnern und Gesang zum Beispiel St. Yves, dem Schutzpatron der Bretonen, gedacht wird. Gruppen wie „Kerlenn Pondi“ um den 24jährigen Bandleader Romain Sponnagel treffen sich regelmäßig um zu proben und in historischen Kostümen bei Festivals und Stadtfesten zu tanzen und zu musizieren.
Tradition und Moderne verbinden sich auch in Josselin. Direkt am Fluss wurde dort eine imposante Zitadelle mit acht Türmen und einem Donjon von 90 Meter Höhe erreichtet. Richelieu ließ diesen und vier der Türme 1629 niederreißen. Doch auch die verbliebenen Türme mit ihren spitzen Dächern sorgen dafür, dass Josselin auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Besichtigen kann man den Innenhof der Anlage und einige Räume mit historischen Möbeln, Portraits und mehr als 600 Puppen und Spielzeugen. Nachts wird das Schloss von starken Scheinwerfern beleuchtet und seine drei majestätischen Türme an der Wasserseite spiegeln sich im Fluss. Perfekte Sicht auf das Schloss von Jesselin bieten einige Zimmer des Hotel Restaurant du Chateau.
In der Nähe von Josselin kann man in Lizio die bewegten Skulpturen des Künstlers Robert Coudray entdecken. Seit vielen Jahren gestaltet der eigenwillige Charakterkopf aus Schrott und Abfällen bewegte Skulpturen und regt seine Besucher so zum Nachdenken an. Viele der Modelle sind mit kleinen Motoren versehen und erwachen auf Knopfdruck zum Leben. Große Exponate wie scheinbar fliegende Fahrräder wechseln sich ab mit kleinen Installationen. Schon früh hat der in der Region bekannte Künstler erkannt, dass Recycling und der bewusste Umgang mit den Schätzen der Natur wichtig ist. Sein Skulpturenpark ist zugleich Lehrwerkstatt, Museum und Atelier des selbsternannten Schrott-Poeten. Ohne öffentliche Unterstützung ist es ihm gelungen Lizio zu einem Anziehungspunkt für Schulklassen und Touristen aus aller Welt zu machen. Keinesfalls verpassen sollte man den Besuch einer traditionellen Créperie. Die französische Spezialität gibt es nicht nur in zahlreichen süßen Varianten, sondern auch herzhaft belegt.
Informationen über die Bretagne gibt es beim französischen Fremdenverkehrsamt in Deutschland oder in französischer Sprache beim regionalen Tourismusbüro unter +33/299361515. Hilfreich sowohl bei der Vorbereitung einer Bretagnereise als auch vor Ort sind aktuelle Reiseführer. Kompakte Informationen über die Region bietet der Marco Polo Reiseatlas Bretagne (ISBN 978-3-8297-0378-9, 9,95 Euro). Weitaus umfangreicher informiert der Reiseführer Bretagne aus dem Michael Müller Verlag (ISBN 978-3-8995-3275-3, 22,90 Euro). Beide Reiseführer bieten aktuelle Karten, Hintergrundinformationen zur Region und Hinweise auf Sehenswürdigkeiten. (SMC)







