17. Aug. 2026

Reisen

Früher waren hochalpine Lagen nur absoluten Bergprofis vorbehalten. Doch dank der Baukunst der österreichischen Ingenieure hat sich das auch im Pitztal geändert. 1983 wurde der Gletscherexpress eröffnet. Die Standseilbahn bringt die Gäste in acht Minuten durch einen Tunnel auf eine Höhe von 2.840 Metern – und das seit vier Jahren mit einer rundum erneuerten Bahn. Oben angekommen begrüßt Bergführer Michael Walser seine Gäste zur vier Kilometer langen Gletscherwanderung zum Mittelbergferner. Der höchste Gletscher des Landes ist von der Station der Bergbahn schon gut zu sehen, liegt aber inzwischen rund 200 Höhenmeter unterhalb. „Im unteren Bereich verliert der Gletscher Jahr für Jahr 2,5–3 Meter an Eis“, erklärt der Bergführer. Noch hat der Gletscher an seiner dicksten Stelle eine Mächtigkeit von rund 150 Metern Eis, doch fordert der Klimawandel hier unübersehbar seinen Preis. Gut ausgestattet mit Wanderschuhen und -stöcken geht es zum Rand des Gletschers.

Die ersten Schritte auf dem Eis

Der erste Schritt auf das Eis kostet Überwindung, doch merkt man schnell, dass die überraschend raue Oberfläche die Schritte trägt. Mit jedem Schritt auf das Eis brechen die kleinen Oberflächenstrukturen mit einem hörbaren Knacken. Doch schnell hat man sich daran gewöhnt und bestaunt die außergewöhnliche Landschaft. An manchen Stellen fließt Tauwasser in der Sonne glitzernd über den Gletscher, an anderen sind metertiefe Spalten oder ganze Höhlen entstanden, die man besser umgeht. Auf dem Gletscher liegende Steine haben kleine Bereiche des Eises vor der Sonne geschützt und unter sich Säulen aus Eis vor dem Schmelzen geschützt. Diese Gletschertische sind besonders beliebte Fotomotive. Kleine Steine – und auch der im Winter fallende Schnee schützen das Eis vor der Sonne, „Sonnencreme für den Gletscher“ nennt Bergführer Michael Walser das. Nebenbei informiert er über den Gletscher und die Region. So zeigt er nicht nur den Wanderweg zur Braunschweiger Hütte, die einst nah am Gleitscher lag und heute von der andren Gletscherseite über einen weiten Wanderweg erreicht werden kann. Auch erklärt er, wie die Wegzeiten auf den Wanderweg-Schildern berechnet werden – nach einer Formel aus Entfernung und Höhenmetern. Der Rückweg vom Gletscher führt über einen steilen Wanderweg. Kurz vor der Bergstation kann man zur "Kapelle des weißen Lichts" abbiegen. Die Kapelle wurde von dem Tiroler Künstler Rudi Wach 1998 aus weißem, leuchtendem Carrara-Marmor geschaffen. Dieser bildet einen Kontrast zum rötlich schimmernden Gestein der Umgebung.

Die höchste und modernste Seilbahn Österreichs

Anschließend geht es mit der Wildspitzbahn weiter auf den Hinteren Brunnenkogel. Von dort, in einer Höhe von 3.440 m, hat man einen eindrucksvollen Ausblick auf das Bergpanorama. Von der Aussichtsplattform gleich neben der Bergstation ist nicht nur die namensgebende Wildspitze, sondern in der Ferne auch der Gipfel der Zugspitze zu sehen. Eine kleine Wanderung führt zum Gletscherkino. Hölzerne Bänke stehen hier vor einem Rahmen, durch den man die alpine Natur- und Gletscherlandschaft sehen kann. Mit der Bergstation verbunden ist das „Café 3.440“. Es ist das höchstgelegene Kaffeehaus Österreichs und ein beliebtes Ausflugsziel. Sowohl aus dem Innenraum als auch von der Terrasse hat man einen erstklassigen Ausblick auf die Tiroler Gletscherwelt. Angeboten werden regionale Speisen und ein kleines Kuchenbuffet.

Zirben auf dem Hochzeiger

Mit der Hochzeiger Bergbahn fährt man von Jerzen auf den Hochzeiger, rund um den es rund hundert Kilometer Wanderwege gibt. Auf Höhe der Tanzalm wechselt man von der Hochzeiger Gondelbahn in die nur bei schönem Wetter fahrende Sesselbahn Hochzeiger 2.5 zum Gipfel. Gleich neben der Bergstation liegt auf 2560 Metern der von einem Gipfelkreuz geschmückte Gipfel des Berges. Er ist in wenigen Minuten auch für nicht schwindelfreie Bergstürmer zu erreichen. Vom Gipfel hat man einen schönen 360°-Blick in die Berglandschaft und auch auf den rund drei Kilometer langen Weg für die Gratwanderung in Richtung Sechszeiger. Der Weg, parallel gibt es auch ein Teilstück des „Steinbock Trails“, einer 11.5 km langen Downhill-Strecke für Biker, führt relativ eben durch die Berglandschaft. Nur die letzten Meter zur Seilbahn sind mit einem Aufstieg verbunden. Von dort fährt ein Sessellift wieder auf die Höhe der Tanzalm. Dort kann man, bedient von den charmant-rustikalen Wirtsleuten auf der mit Sonnenschirmen ausgestatteten Terrasse regionale Spezialitäten genießen. Die werden für eine Alm eindrucksvoll präsentiert und zählen mehr zur gehobenen Gastronomie als zu einer einfachen Bergsteigerverpflegung.  

Zirben-Erlebnis für alle Altersklassen

Eine Besonderheit in der Bergwelt ist der Jahrhunderte alte Zirbenbestand. Ein ein Kilometer langer Erlebniswanderweg mit mehr als 18 Stationen informiert über die „Königin der Alpen“, die man an den fünf am Trieb zusammenhängenden Nadeln erkennen kann. Bei Kindern besonders beliebt ist der 12 Meter hohe Zirbenzapfen-Erlebnisturm in Form eines Zirbenzapfens mit seiner 16 Meter langen Röhrenrutsche. Aber auch der Zirbenkugel-Kletterbaum an der Mittelstation kommt gut an. Im ZirbenPark gibt es verschiedene ZirbenKugelbahnen, die auch jüngeren Kindern Spaß machen, die für den kleinen Kletterpark am ZeigerRestaurant noch zu klein sind. Auch für Erwachsene hat die Zirbe einiges zu bieten. Sie ist im Restaurant nicht nur Teil der regulären Speisekarte, zum Beispiel als Zirbensuppe, Zirbencappuccino, Zirbensenf oder Zirbenmarinade, sondern eignet sich auch, um einen aufgegossenen Zirbenlikör herzustellen.

Zirben geben Likör ihr Aroma und sind Namensgeber der Mountaincarts

Dazu verwendet der Küchenchef vier bis fünf kleingeschnittene Zirbenzapfen, 150 g weißen Kandis und einen Liter Korn als Basisspirituose. Dann heißt es rund 14 Tage Geduld haben und das Glas regelmäßig drehen, damit sich der Zucker vollständig auflöst. Lässt man die Zapfen länger im Glas, würde sich neben den Aromen auch das Harz lösen. Beim Zirben Kulinarik Workshop entsteht nicht nur ein Likör, sondern auch eine Zirbensuppe mit frischen Pilzen, die man gleich vor Ort verkosten kann. Für Jugendliche und Erwachsene gibt es die Zirbencarts. Die Mountaincarts kann man zwischen der Bergstation der Gondel und ihrer Talstation fahren. Auf der rund vier Kilometern langen Strecke bekommt man reichlich Schwung, kann um die Kurven driften und die Landschaft aus einer ganz anderen Perspektive genießen. So ist das Pitztal ein Geheimtipp, bei dem doch alle auf ihre Kosten kommen.

(SMC)