25. Sep. 2022

Reisen

Erst vor wenigen Wochen wurde er offiziell eröffnet: Der Tiroler Burgenweg. Er führt durch die beeindruckende Bergwelt Tirols, durch die schöne Natur- und Kulturlandschaft und vorbei an fünf Burgen aus dem Mittelalter. In einer Woche lässt sich der neu angelegte Weg erwandern – und die interessantesten Sehenswürdigkeiten am Wegesrand entdecken. Wer sich auf den Weg macht, braucht ein Smartphone, denn statt überall eine Beschilderung aufzuhängen hat man sich für eine kostenfreie App entschieden, die nicht nur Informationen liefert, sondern als persönliches Navigationsgerät auch dafür sorgt, dass man nicht vom Weg abkommt.

Thomas Pichler ist eigentlich Meteorologe – doch zugleich ist der begeisterte Wanderer Initiator und Koordinator des Burgenwegs. Er hat die Streckenabschnitte im Auftrag des Tourismusverbands TirolWest erwandert und eine abwechslungsreiche Wegführung gewählt. „Der Weg ist wie eine Perlenkette – die Burgen sind die Diamanten“, erklärt er das Konzept, denn bei den Wanderungen geht es nicht nur um die fünf Burgen bzw. Burgruinen, sondern auch um die reizvolle Landschaft, die Natur und die Kultur der Menschen.

Start und Ziel des Burgenwegs ist Schloss Landeck. Das 1250 von den Grafen von Tirol gebaute Schloss ist das Wahrzeichen der Bezirkshauptstadt und kultureller Mittelpunkt der Region. In den gut erhaltenen Mauern befinden sich ein Heimatmuseum zur Geschichte des Tiroler Oberlandes und eine kunsthistorische Ausstellung. Unterhalb des Schlosses liegt die Gerber Brücke, die 1702 Schauplatz des Tiroler Freiheitskampfes war. Von der Kulturstadt Landeck führt die erste Etappe nach Schloss Biedenegg und wieder zurück zum Ausgangspunkt. Die Wege auf den verschiedenen Etappen sind ganz unterschiedlich – von kinderwagentauglichen Forstwegen und kleinen Straßen bis hin zu steilen Anstiegen über Schotter und Wanderwege, bei denen man die Wanderschuhe nicht vergessen sollte.

Auf der zweiten Etappe von Landeck über Tobadill nach Pians sind zum Beispiel mehr als 400 Höhenmeter zu bewältigen. Die App weist den Weg und sorgt durch ein Hörspiel von einem Minnesänger und seinem sprechenden Frettchen für kurzweilige Unterhaltung. Texte, Fotos und Videos geben interessante Informationen zu Sehenswürdigkeiten am Wegesrand. Eine davon ist das Ensemble aus dem in Privatbesitz befindlichen Schloss Wiesberg und der Trisannabrücke. Die Eisenbahnbrücke wurde 1884 in nur 12 Monaten erbaut und war damals eine der längsten Stahlbrücken der Welt. Die dritte Etappe führt von Pians über Grins und Stanz und die Burgruine Schofenstein nach Zams. Der Weg führt über sonnenverwöhnte Terrassenhänge und bietet einen schönen Blick auf den Naturpark Kaunergrat mit seinen Bergspitzen. Grins, ein schon in der Römerzeit besiedeltes rätoromanisches Dorf, ist bekannt für seine Schwefelheilquelle. Von dort führt der Weg durch das höchstgelegene Obstanbaugebiet Europas. Am Wegesrand wachsen Äpfel, Birnen und viele andere Früchte. Die sonnenreiche Region bringt dank warmer Südwinde und kalter Nächte besonders gute Früchte hervor, die Stanz genutzt hat, um zum Brennereidorf zu werden.

Bei 160 Haushalten gibt es in der Ortschaft mehr als 50 unabhängige Schnaps-Brennereien. Eine davon, die Giggus Brennerei, gehört Stefan Nothdurfter und seiner Familie. Die Brennerei wurde
im 17. Jahrhundert in Lehm- und Steinbauweise erbaut. Sie wurde schon oft für ihre Produkte prämiert, zu denen auch die nur in dieser Region wachsende Rarität Spänling-Wildpflaume gehört. Rund 50 verschiedene Geschmacksrichtungen entstehen in der Gegend – und können zum Beispiel mit dem humorvollen Stefan Nothdurfter verkostet werden. Alternativ zum Schnaps entstehen aus vielen Früchten auch Säfte und Marmeladen. Bei Stanz liegt die Burgruine Schrofenstein. Ein schmaler Steig führt bis zur Burg, wo eine hölzerne Brücke über den Abgrund bis zum Burgtor führt. Da die Burg in Privatbesitz ist, kann man sie nur von außen besichtigen und sich dann wieder auf den Weg in Richtung Zams machen.

Zams hat eine Menge zu bieten. Neben dem Hausberg der Stadt, der von der Venetbahn erschlossen wird, gelten die alten Bauernhäuser und die Kirche mit ihrem einzelnstehenden Turm als sehenswert. Noch interessanter ist der Zammer Lochputz. In die natürliche Lötzklamm wurden Stege, Steige, Stollen und Aussichtsplattformen gebaut, sodass man diese betreten und sich von der Kraft des Wassers verzaubern lassen kann. 1.000 bis 2.000 Liter Wasser rauschen in normalen Zeiten durch die Klamm – und treiben zudem eines der ältesten Wasserkraftwerke des Landes Tirol an, das im Jahr 1924 eingerichtet wurde. In der Klamm erwartet die Besucher nicht nur ein 30 Meter hoher Wasserfall und eine imposante Wasserfontäne, an der bei Sonnenschein Regenbogen zu sehen sind, sondern auch eine mystische Geschichte. So soll die Klamm Schauplatz eines Liebesdramas gewesen sein, bei dem ein alter Schmied einem jungen Hirten die Hand einer Wassernymphe verweigerte. Wer ganz genau hinschaut, kann nicht nur die verfallene Schmiede, sondern im Felsen auch die Gesichter der Nymphe und des in einen Stier verwandelten Hirten entdecken. In Zams kann man zum Beispiel im 4-Sterne-Hotel Jägerhof übernachten. Das Hotel verfügt über 62 Zimmer und zeichnet sich nicht nur durch sein außergewöhnlich vielfältiges Frühstücksbuffet aus, sondern auch durch den
eigenen Wanderführer, der den Gästen gemeinsame Touren anbietet, aber auch Tipps für Wanderungen in Eigenregie gibt.

Die vierte Etappe führt von Zams über Kronburg bis nach Schönwies. Kronburg ist nicht nur Standort der Ruine Kronburg, die malerisch auf einem Bergrücken liegt, sondern auch ein Wallfahrtsort. Eine kleine Kirche, ein Kloster und ein von den Ordensschwestern betriebenes Restaurant machen Kronburg zu einem interessanten Ziel. Die erste Kapelle wurde an diesem Ort nach der wundersamen Heilung eines Dreijährigen eingerichtet. Als der Strom der Pilger zunahm, wurde die Kapelle 1717 zur Wallfahrtskirche erweitert. Die weiß-gold gefasste, reich geschmückte Kanzel, ein großes Kruzifix links im Kirchenschiff und ein Replikat des Gnadenbilds von Lucas Cranach auf dem Hochaltar gehören zu den Highlights der Kirche „Maria Hilf“. Nicht weit entfernt liegt im Wald die Kronburg-Schlucht, die interessante Einblicke in die Natur und geologische Entwicklung der Gegend bietet. Die letzte Etappe führt von Schönwies über Kronburg wieder zurück nach Landeck.

Wer die Schönheit der Natur entdecken und in die Geschichte der Tiroler Burgen einsteigen möchte, ist in der Wanderregion genau richtig. Kultur, Natur und Kulinarik liegen am Wegesrand und sorgen dafür, dass man eine abwechslungsreiche Zeit in Österreich verbringt. Die App mit kurzweiligen Informationen und einer Karte, die beim unbeabsichtigten Verlassen des Weges automatisch warnt, hilft dabei, den Blick in die Landschaft und die Wanderung zu genießen.

(SMC)