14. Nov. 2018

Reisen

Mit einer Höhe von 1455 Metern über dem Meeresspiegel ist der Große Arber der höchste Berg in Niederbayern. Der „König des Bayerischen Waldes“ kann erwandert oder ganz bequem mit der Seilbahn erreicht werden. Die bietet neben ganz normalen Kabinen auch eine Kuschelgondel für Hochzeitspaare. Oben auf dem Berg angekommen, fallen als erstes die großen Radarkuppeln ins Auge. Dazwischen hat die Natur sich breit gemacht. In der baumfreien Gipfelregion leben seltene Vögel, zwischen Felsbrocken wachsen besondere Pflanzen. Für Besucher sind Sonnenaufgang und -untergang eine besonders stimmungsvolle Zeit. Der Panoramablick über die Waldgebiete sucht seinesgleichen. Um nicht durch die Dunkelheit zu wandern empfiehlt sich eine Übernachtung im rustikalen aber gut geführten Arber-Schutzhaus. Von dort sind es nur wenige Minuten bin zum Gipfelkreuz, sodass man abends zu den letzten Gästen auf dem Berg gehört und vor dem Frühstück die Sonne begrüßen kann.

Wer gerne wandert, kann in der Region an einem Tag über acht Tausender entdecken. Wer lieber spazieren geht, ist am Großen Arbersee genau richtig. 45 Vogelarten sind dort zu Hause, wo bei schönem Wetter Gäste und Einheimische Kaffee und Kuchen bestellen, mit dem Tretboot fahren oder beim Rundweg um den See die Natur genießen. Rund um den alten Gletschersee ist ein interessanter Rundweg entstanden, bei dem man Natur erleben kann. Jeden Donnerstag wird eine geführte Tour angeboten, bei der man noch mehr über den Eiszeitsee erfährt. Früher war der Arber-See ein trüber, schwarzer Moorsee, sodass sich manch düstere Sage um das 15,6 Meter tiefe Gewässer rankt. Am Wegesrand liegen von Bibern gefällte Bäume. Schwingrasen liegt wie grüne Inseln im hinteren Teil des Sees. Wanderfalken ziehen Kreise hoch über den Köpfen der Ausflügler.

Einst war das Salz die Grundlage für Wohlstand. Im Museum Goldener Steig in Waldkirchen kann man entdecken, wie der Transport des Salzes von Tirol über Passau nach Böhmen funktionierte. Salzsäumer führten ihre mit zwei 75 kg-Fässern schwer beladenen Tiere damals durch Hohlwege und brachten auch den Städten am Wegesrand Wohlstand. Heute gehören die einstigen Handelsrouten zum Wanderweg Goldsteig. Die Wirtschaft im Bayerischen Wald hat sich über die Jahrhunderte immer wieder gewandelt. „Bei Glas kommt man an Theresienthal nicht vorbei“, weiß Silvia Süß. Die Museumsleitern führt durch die 1836 gegründete Glashütte, deren Standort sich aufgrund des für die Produktion nötigen, reichen Waldvorkommen ergab. Die exklusiven Gläser fanden ihren Weg mit Stroh gepolstert auf dem Rücken von Trägern bis an den Zarenhof und auf die Tafeln des französischen Adels. Bis heute werden in Zwiesel in der Kristallglasmanufaktur Theresienthal Jahr für Jahr fast 20.000 Gläser in Handarbeit hergestellt. Geschäftsführer Max Freiherr von Schnurbein und seine Mitarbeiter setzen auf exklusive Handarbeit. Am Ofen werden Gläser mit dem Mund geblasen und geformt. Später wird geschliffen, graviert und veredelt. Heute werden die Öfen mit Gas beheizt, sodass die Bäume der Umgebung nicht mehr verfeuert werden. Für den Rohstoff Wald interessiert sich dafür Eva Kempinger. Im Waldkurort Lackenhäuser bietet sie ihren Gästen gemeinsam mit ihrer Freundin Christine Weinberger-Loss eine Sinneswanderung. Beim „Waldbaden“ lädt sie dazu ein, langsam zu gehen. Sie bittet die Gäste ihre Augen in den Farben des Waldes zu baden, ganz bewusst in die Ferne zu schauen und den Blick schweifen zu lassen. Der Spaziergang mit Eva Kampinger verzichtet auf Gespräche und klingelnde Handys. Die Beschäftigung mit den Sinnen und das Erleben der Natur stehen im Mittelpunkt. An einer Station bekommen die Gäste die Augen verbunden und sollen durch Riechen und Schmecken entdecken. Wer mag kann später aus selbst gesuchtem Naturmaterial ein Waldmandala aus dem Bauch heraus gestalten. Gemeinsam werden die Werke bestaunt und in ihrer Besonderheit gewürdigt.

Die Anreise auf das grüne Dach Europas ist in der Sommersaison gut mit der Bahn möglich. Diese fährt in den Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein und mit eingeschränktem Fahrplan von Frühjahr bis Herbst mit der Ilztalbahn von Freyung über Waldkirchen nach Passau. Die waldreichen Strecken sind malerisch und sehenswert. Einen Bahnhof hat auch das Nationalparkzentrum Falkenstein. Das biozertifizierte Gasthaus „Haus zur Wildnis“ ist ein guter Ausgangspunkt für einen Rundgang zu den verschiedenen Tiergehegen, in denen Luchse, Wölfe und andere früher in der Region heimische Tiere leben. Da diese nicht zur Schau gestellt werden, braucht man etwas Glück, um sie in den weitläufigen Gehegen zu entdecken. Noch seltener ist eine andere Rarität des Bayerischen Waldes. Bei einer geführten Wanderung stößt man an einem anderen Ort auf einen seltenen Pilz. Der duftende Feuerschwamm wächst nur in rund 400 Jahre alten Tannen, die seit Jahrzehnten auf dem Waldboden liegen und im Halbschatten zerfallen. Wer ihn entdeckt wird mit einem seltenen Geruch irgendwo zwischen Rose und Meerrettich belohnt, der von seiner Vielfalt an ein individuelles Parfum erinnert.

Genauso besonders wie die Natur sind die Menschen im Bayerischen Wald. Gregor Wolf schwärmt begeistert von den Wölfen im Nationalpark. Johannes Huber, Inhaber des Modehauses Garhammer, hat es mit seiner Familie geschafft, im beschaulichen Waldkirchen einen Betrieb mit rund 500 Mitarbeitern aufzubauen und ins Finale beim „World Retail Award“ zu kommen. Bernhard Sitter vom Landhotel Gut Riedelsbach in Neureichenau hat sich zum Biersommelier ausbilden lassen. Wenn er nicht gerade auf seinem Retro-Motorrad durch den Bayerischen Wald fährt, im Fernsehen zu sehen ist oder neue Ideen rund um das Bier entwickelt, erklärt Sitter seinen Gästen die Faszination beim Bier-Kulinarium. Mit Bier gemachte Speisen und dazu abgestimmte Biere sorgen für einen feucht-fröhlichen und genussvollen Abend. Der beginnt mit einem Biercocktail, geht über pochiertes, gebackenes Ei mit Bier-Infusion, und endet nach mehreren Gängen mit gebackenen Bierpralinen. Dazu gibt es Pilz, Weizen, Bergbock und schließlich gestacheltes Honigbier. Das wird mit einem heißen Metallstab am Tisch zum Schäumen gebracht und lässt selbst am Stammtisch die Gespräche für einen Moment der Faszination verstummen.

(SMC)