21. Aug. 2019

Reisen

Das Herz von Breslau ist ohne Zweifel der Marktplatz. Rund um den mit 3,7 Hektar zweitgrößten Markt in Polen liegen Häuser, die an die reiche Handelsgeschichte der Stadt erinnern. Heute haben Banken, Cafés und Restaurants ihren Sitz in den Gebäuden. Insgesamt gibt es in der Stadt 53 Hotels und ganze 947 Restaurants, Bars und Clubs. Längst ist die moderne Metropole mit tausendjähriger Geschichte auch ein lebendiges Kulturzentrum. Dazu tragen nicht nur die 137.000 Studenten unter den 630.000 Einwohnern bei, sondern auch Touristen aus aller Welt.


Die ersten Breslauer Zwerge wurden in den 80er Jahren von der Oppositionsbewegung „Orange Alternative“ an die Wände gemalt. Mit humorvollen Aktionen sollte die kommunistische Führung der Lächerlichkeit preisgeben werden. „Polizisten jagen Zwerge“ hieß es immer wieder in den internationalen Medien. Falsche Feiertage wurden von den Zwergen organisiert. 2001 kehrte der erste Zwerg in Form einer kleinen Bronzeskulptur zurück ins Stadtbild. Heute bevölkern gut 450 Zwerge die Straßen der Hauptstadt Niederschlesiens. Feinschmecker, Musikant und Tourist sind genauso darunter wie Broker, Häftling und Sisyphus. Als dann 2003/2004 ein neues Wahrzeichen für die Stadt gesucht wurde, war die Wahl einfach. Stadtführerin Monika Trznadel kennt die Zwerge und ihre Geschichte genau. Sie führt ihre Gäste bei der deutschsprachigen Stadtführung zu den großen und kleinen Sehenswürdigkeiten der Stadt.


„Das polnische Venedig“ wird diese genannt, denn sie besteht aus 12 Inseln. Hundert Kirchen gehören genauso zum Stadtbild wie mehr als hundert Brücken. Breslau ist eine der ältesten und schönsten Städte Polens. Das sieht man nicht nur am spätgotischen Rathaus, vor dem eine originalgetreue Kopie des im Krieg zerstörten Prangers steht, sondern auch an vielen anderen Stellen. In der Universität kann man die Aula Leopoldina, eine Perle des Breslauer Barocks, besichtigen. Auf der Dominsel steht die Johannes dem Täufer gewidmete Domkirche. Die Straße zum Dom wird in der Nacht von mehr als hundert Gaslaternen erleuchtet, die bei Einbruch der Dunkelheit von einem Nachtwächter entzündet werden. Sehenswert sind auch die Häuser Hänsel und Gretel und die Gasse Jatki, in der im 12. Jahrhundert Fleisch verkauft wurde. Heute erinnern Skulpturen der Schlachttiere an die Geschichte. Im Boden sichtbare Holztüren führen in die einst eisgekühlten Lagerkeller. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts war Breslau von zwei Stadtmauern geschützt. Napoleon ließ diese damals abreißen und gab der Stadt so neue Entwicklungsmöglichkeiten. Heute umgibt eine Promenade am Stadtgraben das historische Zentrum.
 

Breslau bietet nicht nur Geschichte. Im Viertel der vier Tempel stehen drei Kirchen und eine Synagoge auf engstem Raum. Die vier Gemeinden haben sich für eine enge Zusammenarbeit entschieden und ihr gemeinsames Stadtviertel zu einem interkulturellen Zentrum gemacht. Wer in 48 oder 72 Stunden eine Menge erleben möchte, kauft eine Touristcard. Die Karten berechtigen zur Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln und bieten kostenfreien Eintritt bei einer Auswahl aus 29 Attraktionen. Beim Kauf ist die Karte mit einer gewissen Zahl von Punkten aufgeladen – jede Attraktion bucht einige davon ab. Sehenswert für Familien ist zum Beispiel das Eisenbahnmodell Kolejkowo. Auf 260 m² zeigt die Miniaturwelt das Leben in Niederschlesien im Maßstab 1:25. 15 Züge mit 60 Waggons fahren über 510 Meter Gleise. 242 Gebäude, 3.437 Figuren lassen Kinderaugen leuchten. Das prachtvollste Gebäude ist der Bahnhof Swiebodzin – die Modellbauer brauchten allein für diesen 2.062 Stunden. Wer ganz genau hinschaut, entdeckt in der Modellwelt Zwerge, einen Indianer und Superman.


Nur ein paar Minuten entfernt liegt eine Ausstellung exotischer Tiere. Rund 200 Tiere hält das „Zoo Team“ in seinen Räumen. Besucher können eine Menge über die Tiere erfahren und diese auf den Arm nehmen. Eine Schlange? Eine Vogelspinne? Oder doch lieber einen Igel? Kinder und Erwachsene können die Tiere auf den Arm nehmen, sie berühren und Selfies machen. Weniger Auswahl hat man bei Papugarnia. Auf zwei Etagen begibt man sich in die Welt der Papageien. Die neugierigen Vögel lassen sich gerne füttern – und finden auch Gefallen an Knöpfen, Schmuck und Kleidungsstücken.


Die Wroclaw Tourist Card ist auch im multimedialen Wissenszentrum „Hydropolis“ gültig. Ein Stück außerhalb der Stadt warten mehr als 70 Installationen in einem historischen Trinkwasserspeicher auf wissensdurstige Besucher. Das multimediale Wissenszentrum rund um das Thema Wasser zeigt Tiefseefische, Tauchgondeln und viele andere Exponate. Profitieren kann man von der Karte auch bei einigen Restaurants. Auf Hotelübernachtungen bietet die Karte bei manchen Hotels einen Rabatt zwischen 10 und 25 Prozent. Manche Anbieter wie die CityBoats oder das Schiff Tara sind nur zu bestimmten Jahreszeiten unterwegs – ohne dass das auf der Website oder in den Unterlagen zur Karte kenntlich gemacht ist. Selbst an den Haltestellen der Boote fehlt ein Hinweis, wann diese unterwegs sind. Trotzdem ist die Karte eine gute Wahl für alle, die viel von Breslau in kurzer Zeit sehen möchten.

(kk)