14. Nov. 2018

Reisen

Einst war Füssing ein verschlafener Weiler ganz im Süden von Bayern. Als Bohrtrupps 1938 auf die Suche nach Erdöl gingen, stießen sie zwar nicht auf schwarzes Gold, dafür aber auf eine heiße Quelle mit schwefelhaltigem Thermalwasser. Gut zehn Jahre nach der Bohrung wurden erste provisorische Badebecken errichtet. Heute sind die sprudelnden Quellen in rund tausend Meter Tiefe der Grund, warum Bad Füssing 1,6 Millionen Besucher und 2,4 Millionen Übernachtungen pro Jahr zählt. Kurdirektor Rudolf Weinberger verweist auf die „legendäre Heilwirkung“ des Thermalwassers.

Das Thema Gesundheit steht im Mittelpunkt der meisten Angebote in Bad Füssing. Wer aktiv etwas für die Gesundheit tun möchte, kann dafür eines von aktuell rund 2.500 Leihfahrrädern nutzen und die Umgebung des Kurortes erkunden. Allein auf den offiziellen Karten stehen 24 Tourenvorschläge rund um Bad Füssing. Fast alle sind mit gelben Symbolen wie Kirschen, Fröschen oder Schnecken ausgeschildert, sodass sich auch nicht ortskundige Gäste leicht zurechtfinden. Eine besonders schöne Strecke nennt sich „Fisch“. Sie führt über 49,5 km vom Ortszentrum bis ins österreichische Schärding und auf der anderen Inn-Seite wieder zurück. Je nach Sportlichkeit lohnt sich für diese Strecke eines der rund hundert E-Bikes der Bad Füssinger Fahrradverleiher – mit entsprechender Reichweite oder Ersatzakku im Gepäck. Dann geht es los. Der Weg führt über die nahegelegene Innbrücke nach Österreich. Außer den verlassenen Grenzstationen merkt man bei der Querung kaum einen Unterschied zwischen Bayern und Oberösterreich. Nach einem kurzen aber steilen Anstieg in Obernberg ist die Strecke, die sich auf oberösterreichischer Seite „Innradweg R3“ nennt, größtenteils flach. Sie führt über Rad- und Feldwege und manchmal auch über ruhige Nebenstraßen. Schöne Blicke auf den unterhalb gelegenen Fluss mit seinen Altgewässern erfreuen Naturfreunde, während die malerischen Marktplätze mit den bunten Häusern schöne Fotomotive abgeben und Restaurants und Cafés zur Einkehr einladen. Der Rückweg auf bayerischer Seite innaufwärts ist oben auf dem Deich besonders schön.

Wer das schwefelhaltige Thermalwasser ausprobieren möchte, von dem pro Stunde 100.000 Liter aus den Quellen sprudeln, hat in Bad Füssing eine große Auswahl. Neben drei großen, öffentlichen Thermen gibt es mehr als zwanzig Hotels mit eigenem Thermalwasser-Anschluss. Gemeinsam kommen die Anbieter auf rund 12.000 m² Wasserfläche und sind damit die größte Thermenlandschaft in Europa. Die erste große Therme ist die „Therme Eins“. Sie bietet ihren Gästen zwölf unterschiedlich temperierte Becken. Eindrucksvoll sind zum Beispiel das „Champagner-Sprudelbad“ und das malerisch angelegte Grottenbad. Direkt mit der Therme verbunden ist der Saunahof im Ambiente eines 300 Jahre alten Bauernhofs. Acht originelle Saunen sind um einen zentralen Platz angelegt. Dazu gehört neben einer Kräuter- und einer Heubodensauna auch die „Rottaler Hexensauna“.

Interessant ist auch ein Besuch in der Europa-Therme. In dieser ist das Wasser 27 bis 40 Grad warm. Besonders beliebt ist neben einem Unterwassermusikbecken auch ein Massagebecken mit einer Düsenstraße. Im 30-Sekunden-Takt können die Besucher der Therme die verschiedenen Stationen aufsuchen und sich vom Wasserdruck massieren lassen. Während Strömungskanäle in anderen Bädern oft viel zu kurz sind, ist der in der Europa-Therme ganze 120 Meter lang – und kreisförmig. Wer mag kann also ohne Unterbrechung mit der Strömung gehen oder schwimmen. Dritte im Bunde der großen Thermen ist das Johannesbad.

Im Schnitt reisen Bad Füssinger Übernachtungsgäste 488 km an den Kur- und Urlaubsort, der aktuell auf Platz 11 der Übernachtungsstatistik der Deutschen Zentrale für Tourismus liegt. Gut eine Woche bleiben die Gäste im Durchschnitt und genießen das milde Reizklima und die in dieser Gegend vielen Tage ohne Regen. Damit die Gäste sich in Bad Füssing wohlfühlen, wird einiges geboten. So gibt es im Jahr rund 2.200 Kulturveranstaltungen wie Theateraufführungen oder Konzerte. Zum gepflegten Ortsbild gehören 15 Hektar öffentliche Parks und Grünanlagen. Schmuckbeete werden zweimal im Jahr mit 300.000 Blumenzwiebeln bepflanzt und verwandeln sich in ein Blumenmeer. 48 Restaurants, 19 Cafés und fünf Tanzlokale sorgen für ein vielseitiges kulinarisches Angebot. Überzeugen kann zum Beispiel das Restaurant im Spa- und Wellnesshotel Holzapfel. Das mit Pilzen dekorierte Rindercarpaccio zergeht auf der Zunge. Steak und Gemüsebeilage sind auf den Punkt zubereitet. Dazu begeistert der freundliche und kompetente Service, der den Gästen die Wünsche an den Augen abzulesen scheint. Gäste des Hotels – bestehend aus dem Traditionshaus mit direktem Zugang zur „Therme Eins“ und einem modernen Neubau auf der anderen Straßenseite genießen in den gleichen Räumen auch das Frühstücksbuffet. Da Bad Füssing keinen eigenen Bahnhof hat, bietet das Hotel wie manche andere Unterkunft einen Abholservice vom 6 km entfernten Bahnhof Pocking oder auch aus dem 30 km entfernten Passau an.

Bad Füssing ist ein attraktives Reiseziel, an dem nicht nur ältere Gäste aktiv etwas gegen die Gesundheitsprobleme unserer Zeit tun können – und dabei entspannte und abwechslungsreiche Tage verbringen.

(SMC)