16. Okt. 2018

Reisen

Das Abenteuer beginnt bereits am Bahnhof Haffkrug. Zwei Männer mustern die Reisenden mit interessierten Blicken. Freundlich begrüßen sie die Teilnehmer des Ferienlagers für Erwachsene. „Hallo, ich bin Jemand“, stellt sich der erste vor. An seinem Gürtel baumelt ein Messer. Sein tätowierter Kompagnon nennt sich „Niemand“ und gehört zum ehrenamtlichen Team rund um Camp-Leiterin Maike Engel alias Häuptling. Die beiden bringen die mit der Bahn anreisenden Gäste vom Bahnhof zum rund fünf Kilometer entfernten Camp. 27 Gäste haben sich im September 2018 zu einem dreitägigen Kurzurlaub im Jugendferienheim Tannenhöhe im schleswig-holsteinischen Süsel eingefunden. „Willkommen im Ferienlager für Erwachsene“ heißt es über dem Eingang, den man mit Spannung und Vorfreude durchquert.

„Digital Detox“ wird im Camp großgeschrieben. Damit alle Gäste sich auf sich selbst und die Erlebnisse konzentrieren können und die Verpflichtungen des Alltags hinter sich lassen, sind Computer, Smartphones und ähnliche Geräte im Camp nicht erwünscht. Wer mag, kann diese gleich am Eingang in einem versiegelten Umschlag abgeben. Auch der eigene Name und der Beruf werden schon in den ersten Minuten abgestreift. „Du kannst Dir einen Camp-Namen aussuchen“, erklärt Teamerin Olga den neu eingetroffenen Gästen. Die meisten wählen positive Namen wie Sternchen oder Blümchen. Andere möchten im Camp Tollpatsch oder Hexe genannt werden und auch Mc Gyver und Janna-Banana stehen auf der Teilnehmerliste. Was zunächst befremdlich klingt, erleichtert den Teilnehmern ihren Alltag hinter sich zu lassen und die Zeit im Camp zu genießen wie einst in Kindertagen. Hier spricht nicht Vertriebsleiterin Anke Meier mit Produktionsleiter Peter Berger. Denn „Jobtalk“ ist im Camp verboten – und das für ganze drei Tage. In dieser Zeit sollen die Verpflichtungen des Alltags keine Rolle spielen, sondern nur das Hier und Jetzt.

Untergebracht sind die Teilnehmer in zweistöckigen Zeltdachhäusern irgendwo zwischen Jugendherberge und Zeltlager. Die Häuser bestehen aus zwei großen Räumen mit Betten und einer Kammer mit einem Einzelbett, in dem bei Jugendgruppen mutmaßlich der Betreuer schläft. Beim „Camp Breakout“ bekommen die Teilnehmer einen Platz in einem der Häuser zugewiesen, streng getrennt nach Männern und Frauen. Um alles Weitere von der mitgebrachten Bettwäsche über die Verteilung der Plätze bis hin zur Organisation der Zeiten im kleinen Badezimmer liegt alles in den Händen der Gäste. Mangels Handywecker gibt es pro Haus einen gemeinsamen Wecker. Der klingelt früh, denn am Morgen geht es für Frühaufsteher schon um 07:30 Uhr mit einem Bad im nahegelegenen See los. Doch vor dem Aufstehen kommt der erste Abend im Camp. Nachdem Häuptling Maike ihre Gäste begrüßt, einen Rundgang durch das Camp gemacht hat und anschließend im Haupthaus das durchaus schmackhafte Abendessen serviert wurde, bleibt Zeit für Gespräche, Spiele und für Musik und Gesang am Lagerfeuer. Schnell werden Freundschaften geschlossen und Themen wiederentdeckt, die im Alltag oft zu kurz kommen. Bier und Wein aus dem Campkiosk lockern die Stimmung, während die Flammen des Lagerfeuers eine schöne Kulisse für das Ferienlager zaubern.

Am Samstag und Sonntag bleibt viel Zeit, um das Leben im Camp zu genießen. Teamerin Glow bringt einer kleinen Gruppe der Gäste bei, auf der Ukulele zu spielen. Es beginnt mit wenigen Akkorden und endet zumindest bei den begabteren dabei, dass diese einige Lieder anhand der Notenbücher nachspielen können. Glow singt dazu und beweist viel Geduld mit ihren Musikschülern. Während die noch Akkorde zupfen, haben Olga und Lenta einen Do-it-yourself-Bereich aufgebaut. In diesem kann man Armbänder flechten, Steine bemalen und so seine Kreativität ausleben. Fast den ganzen Tag sind die Holzbänke im DIY-Zelt gut gefüllt, denn unter der fröhlichen Anleitung der beiden Frauen macht das Basteln Einsteigern und Fortgeschrittenen gleichermaßen Spaß. Unter fachkundiger Anleitung werden Schlüsselanhänger gelötet, Postkarten für Freunde entworfen oder mit mit Sinnsprüchen versehen und an sich selbst geschickt. Ein besonderes Highlight wartet am Nachmittag. Olga nimmt ihre Schützlinge mit zum malerischen See. Dort sollen sie ein Aquarell malen. Olga gibt Tipps, lässt die Kursteilnehmer ihre Blätter erst mit Wasser einstreichen und dann nach und nach die Farben aufbringen. Das Malen gelingt – und macht sogar ausgewiesenen Kunstbanausen Spaß. Auch wer Sport mag, kommt nicht zu kurz. Neben dem Bad im herbstlich-frischen See gibt es die Möglichkeit in der Gruppe Volleyball zu spielen oder gemeinsam mit Jemand und Niemand Bogenschießen zu lernen. Die beiden kümmern sich nicht nur um die Sicherheit, sondern geben auch Tipps wie man den Pfeil möglichst mittig in der Zielscheibe versenkt. Doch wie in den Ferienlagern der Kindheit bleibt auch Zeit zur Entspannung.

Dafür stehen vor dem Haupthaus Liegestühle und andere Sitzgelegenheiten. Wer mag kann in der Sonne dösen oder ein Buch lesen. Ferienlager sind für manche der Gäste mit positiven Jugenderinnerungen verbunden. Um in alten Zeiten zu schwelgen haben sie sich „Bravo“ und „Mädchen“ mitgebracht – und wie man hört auch kleine Mengen Alkohol in die Unterkunft geschmuggelt. Da alle Teilnehmer mindestens 21 Jahre alt sind, kann Häuptling Maike das entspannt sehen. Im offiziellen Bereich gibt es alkoholfreie Getränke und eine Station mit vietnamesischem Kaffee.  Der gehört wie die drei Mahlzeiten am Tag zur Vollpension. Neben dem Frühstück gibt es zur Mittagszeit ein kaltes Buffet und am Abend das warme Abendessen. Dabei verlässt sich das Camp auf die gute Küche des Jugendferienheims. Während der erste Abend vegetarisch ist, wird am zweiten Abend gegrillt. Der Rost biegt sich unter Fisch und Fleisch und Gemüse, sodass jeder auf seine Kosten kommt bevor am Abend die Flammen des Lagerfeuers die Nacht erhellen.

Der Sonntag im Camp verläuft bis zur Mittagszeit ähnlich mit Schwimmen, Sport und DIY. Wer mag spielt zwischendurch Tischtennis, leiht sich im Haupthaus ein Gesellschaftsspiel oder greift zu Bällen und Schwimmtieren. Der Nachmittag steht im Zeichen der Camp-Olympiade. Für diese werden die Teilnehmer in Gruppen eingeteilt, die um Punkte wetteifern. Wer trifft die meisten Körbe beim Basketball? Wessen Pfeile landen im Ziel? Und wie viele Wasserflaschen lassen sich bei einer rasanten Seilbahnfahrt umwerfen? Doch nicht nur sportliche Fähigkeiten bringen Punkte. Bei anderen Spielen muss ein Mitspieler, der durch eine Augenbinde nichts sehen kann, fehlerfrei über einen Parcours dirigiert werden. An einer anderen Station gilt es Früchte zu erschmecken und Gegenstände zu fühlen. Das große Finale ist ein Tauziehen – bei dem sich manche so ins Zeug legen, dass das Seil sie zu Boden reißt. Doch das kann der guten Stimmung nicht schaden. Gewinner und Verlierer der Olympiade haben gemeinsam Spaß und freuen sich schon auf das abendliche Lagerfeuer. Aus dem Alltag ausbrechen, neue Leute kennenlernen und eine Zeit ohne Smartphone und Verpflichtungen genießen, das gelingt sehr gut im „Camp Breakout“. Karten für die Camps im Sommer 2019 kosten pro Person inkl. Vollpension 299 Euro.

(christek)