Was passiert, wenn man modernes Design, urbane Hotspots und den Luxus von Entschleunigung auf dem Wasser miteinander verbindet? Die Antwort liegt auf dem Rhein – genauer gesagt auf der A-ROSA Sena. Als größtes Schiff auf Europas Flüssen setzt sie seit ihrer Jungfernfahrt im Jahr 2022 neue Maßstäbe. Wir haben eine einwöchige Reise nach Holland und Belgien gemacht.
Der Auftakt: Sommerwetter und ein Hauch von Abenteuer
Die Nachrichten verkünden es seit Tagen: Historisch niedrige Pegelstände auf dem Rhein und die anhaltende Hitzewelle sorgen dafür, dass Flexibilität gefragt ist. Wenige Tage vor Reisebeginn informiert A-ROSA seine Gäste, dass kostenfreie Transferbusse vom Kölner Hauptbahnhof ins rund 220 Kilometer entfernte Utrecht starten, wo die A-ROSA Sena mit ihrem Tiefgang von 2,10 Metern am Kai Rooseveltlaan bereitliegt. Wie geplant nach Köln kommen kann das Schiff bei diesem Pegelstand nicht. Am Kölner Hauptbahnhof herrscht pünktlich zum Check-in um 14:00 Uhr reges Treiben. Eine gut gelaunte Mitarbeiterin koordinieren den Abtransport, zählen Gäste per Strichliste und teilen Busnummern für die früheste Abfahrt 45 Minuten später zu. Gut vier Stunden später erreicht die Gruppe das Schiff.
Ab 2027 wechselt der Heimathafen der A-ROSA Sena nach Duisburg. Das bringt nicht nur den Vorteil mit sich, dass früh anreisende Gäste eine spannende Region im Wandel entdecken können, sondern erhöht auch die Planbarkeit und Wahrscheinlichkeit, dass Reisen selbst in trockenen Sommern am geplanten Ort starten können.
Ein erster Eindruck: Großzügig, modern und schwebend leise
Dass sich auf diesem Schiff rund 280 Passagiere auf vier Decks plus Sonnendeck verteilen, merkt man zu keinem Zeitpunkt. Die A-ROSA Sena ist so großzügig und modern geschnitten, dass ein Gefühl von Weite entsteht. Dass das Schiff irgendwann in der Nacht abgelegt und Kurs auf Rotterdam genommen hat, bemerkt kaum jemand. Die Fahrt ist so sanft und vibrationsfrei, dass man beinahe zweimal hinschauen muss, um die Bewegung wahrzunehmen. Alle 121 Kabinen verfügen über einen privaten Balkon mit Tisch und zwei Stühlen. Neben den großzügigen Familienkabinen und Balkonsuiten bieten auch die Standardkabinen mit 21 Quadratmetern reichlich Platz. Sie überzeugen mit durchdachten Details wie USB(-C)-Anschlüssen am Bett und einer stilvollen Inszenierung: Statt einer echten Rose zur Begrüßung findet man hier eine künstlerisch konservierte Rose vor einem kleinen Spiegel.
Im Restaurant setzt A-ROSA am ersten Abend auf freie Platzwahl. Im weitläufigen Restaurantbereich wählt man seinen Tisch und bedient sich an den reichhaltigen Buffets. Das Herzstück bildet die offene Küche im Zentrum, in der Köche die Hauptgerichte frisch zubereiten. Die Getränke werden am Tisch serviert – während die App zwar beim digitalen Tagesprogramm hilft, das digitale Bestellen per Smartphone jedoch noch unerwartet deutliche Startschwierigkeiten zeigt.
Rotterdam, Delft und Den Haag: Urbaner Puls und Historie
Am nächsten Tag macht das Schiff in Rotterdam fest – zentral in der Innenstadt und in unmittelbarer Sichtweite zur ikonischen Erasmusbrücke. Die niederländische Metropole vereint den rauen Charme einer Arbeiterstadt mit einem pulsierenden Zentrum für moderne Kunst und Architektur. Wer die berühmten Kubus-Häuser und die Markthalle schon kennt, bricht am Nachmittag zum Ausflug nach Delft und Den Haag auf. In Delft führt ein Spaziergang durch die verwinkelten Gassen entlang der malerischen Grachten direkt zum monumentalen Rathaus am Marktplatz. Als politischer Regierungssitz der Niederlande beeindruckt Den Haag anschließend mit dem Friedenspalast, in dem der Internationale Gerichtshof tagt, sowie einer modernen Innenstadt, die zum Verweilen einlädt. Wieder zurück an Bord lohnt sich nach dem Abendessen ein abendlicher Spaziergang an den nahegelegenen Hafenbecken Rotterdams, wo historische Schiffe und liebevoll restaurierte Hausboote liegen.
Amsterdam: Zwischen Grachtenzauber und Mühlen-Romantik
Die niederländische Hauptstadt zieht Reisende magisch an. Um den Herausforderungen des Overtourism zu begegnen, weichen Kreuzfahrtschiffe in den letzten Jahren oft aus. Umso größer ist das Glück auf unserer Sommertour: Die A-ROSA Sena ergattert einen Liegeplatz, von dem aus das Stadtzentrum in nur 15 Fußminuten erreichbar ist. Ob individuelle Grachtentour oder ein Ausflug ins Umland – Amsterdam zeigt sich von seiner Schokoladenseite. Ein echtes Highlight ist der Ausflug nach Zaanse Schans und Edam. Im Freilichtmuseum von Zaanse Schans reihen sich zehn historische Windmühlen. Zudem kann man traditionellen Handwerksbetrieben über die Schulter schauen: In der Käserei erlebt man die Ursprünge der Milchverarbeitung, in der Zinngießerei wird Metall geformt, und in der Holzschuhmacherei erfährt man bei einer Führung, dass gelbe Holzschuhe einst die Arbeitsschuhe und rote die Tanzschuhe der Bevölkerung waren. Weiter geht es ins geschichtsträchtige Edam, dessen alter Getreidehandel-Wohlstand sich in den prächtigen Backsteinhäusern mit gemütlichen Holzbänken vor den Haustüren widerspiegelt.
Antwerpen: Diamanten, Schokolade und mittelalterliche Gänge
Weiter führt die Reise nach Belgien in die alte Handelsmetropole Antwerpen, wo das Schiff erneut zentral anlegt. Nur wenige Schritte trennen die Gäste vom historischen Rathaus und der prächtigen Liebfrauenkathedrale. Antwerpen ist eine Stadt der Kontraste und Genüsse. Bei Chocolate Nation wird der Weg der Kakaobohne von der Ernte bis zum Kunstwerk aus Schokolade erklärt – inklusive zehn großer Gefäße mit flüssiger Schokolade zum hemmungslosen Probieren. Das Museum aan de Stroom bietet spannende Ausstellungen und eine fantastische Aussichtsterrasse im obersten Stockwerk. Als echter Geheimtipp erweisen sich „Die Ruien“, bei denen man ausgestattet mit Gummistiefeln und digitalen Videoguides die mystischen, mittelalterlichen unterirdischen Abwassergänge der Stadt bei angenehm kühlen Temperaturen erkundet.
Ein echtes Paradies für Familien
Flusskreuzfahrten gelten oft als klassische Reiseform für ältere Generationen – doch die A-ROSA Sena beweist das pure Gegenteil. Rund 40 Kinder und Jugendliche befanden sich auf unserer Reise an Bord. Für Familien gibt es nicht nur größere Familienkabinen, sondern auch einen eigenen, gut ausgestatteten Kids Club sowie pädagogisch geschultes Personal, das sich um den Nachwuchs kümmert. Während Eltern den tieferen Pool auf dem Sonnendeck nutzen, planschen die Kleinen im direkt danebenliegenden Flachwasserpool. Perfekt ergänzt wird dies durch eine Schwimmschule an Bord, bei der Kinder in individuellen Kursen bei manchen Sommerreisen das Schwimmen lernen können.
Sport, Spa und unentdeckte Perlen: Dordrecht und Utrecht
Der niedrige Rheinpegel erfordert im Verlauf der Reise kreative Routenanpassungen: Statt Nijmegen und Düsseldorf steuert das Schiff Alternativen an. Dordrecht, die uralte Handelsstadt am stark befahrenen Drei-Flüsse-Eck, wird von großen Schiffen selten angereist, bietet jedoch über 1.500 Denkmäler. Direkt am Anleger thront das historische Stadttor Groothoofdspoort. Nach einem Rundgang zur imposanten Grote Kerk lohnt ein Ausflug ins nahegelegene Gouda, wo neben dem historischen Waagegebäude vor allem die zahllosen Käsefachgeschäfte locken. Den Abschluss der Reise bildet Utrecht, die viertgrößte Stadt der Niederlande. An den Ufern der Oudegracht sind alte Lagerräume längst zu angesagten Szene-Gastronomien geworden. Der Utrechter Dom ragt als höchster Kirchturm des Landes in den Himmel, während der Kreuzgang des Klosters absolute Ruhe ausstrahlt.
Entertainment und Entspannung an Bord
Wenn die Abenddämmerung einsetzt, verwandelt sich die Lounge in den gesellschaftlichen Mittelpunkt des Schiffes. Auf unserer Reise begeistert Musical-Darstellerin Marion Wilmer mit unvergesslichen Melodien aus Phantom der Oper oder Grease und teilt charmante Anekdoten aus ihrem Künstlerleben. An anderen Abenden informieren Kapitän und Offiziere bei spannenden Talks über nautische Hintergründe oder die aktuellen Wasserstände. Wer es ruhiger mag, zieht sich in den Wellnessbereich auf dem Unterdeck zurück, wo finnische Sauna, Whirlpool, Fitnessraum und wohltuende Massageanwendungen auf Gäste warten. Sportbegeisterte nutzen die zentralen Liegeplätze für einen morgendlichen Jogging-Ausflug oder greifen auf eines der elf bordeigenen E-Bikes zurück.
(SMC)










