14. Jul. 2024

Reisen

Wenn in Deutschland langsam der Sommer beginnt, fängt auf der Südhalbkugel der Winter an. Bevor die Temperaturen zu kalt, die Nächte zu lang und das Meer an der Küste von Eis bedeckt ist, kann man bei einer Expeditionskreuzfahrt Komfort und Abenteuer verbinden und die Antarktis entdecken.

Zwischen Abenteuer und Kreuzfahrt

Kapitän Terje Willassen steuert die nach einem norwegischen Entdecker benannte „Roald Amundsen“ für die Reederei „HX“ (früher Hurtigruten Expeditions) zur antarktischen Halbinsel und wieder zurück. Während der elftägigen Reise haben die Gäste die Möglichkeit, die Antarktis mit dem Zodiac-Schlauchboot, bei Landgängen und sogar bei einer Zeltübernachtung zu entdecken. Vorträge von Lektoren und ein Wissenschaftsprogramm sorgen für informative und unterhaltsame Stunden an Bord.

Drake-Lake oder Drake-Shake?

Die Hafenstadt Ushuaia ist Ausgangspunkt der Reise. Die südlichste Stadt Argentiniens bewirbt ihre Lage als „Das Ende der Welt“. Seen, Berge und die bunten Häuser der Einheimischen prägen das Bild der Landschaft. Im Nationalpark kann man bei Wanderungen, Kanu-Fahrten und die Landschaft genießen. Am Rand der Stadt sind in einem ehemaligen Gefängnis mehrere Museen untergebracht. Bekannt ist die Stadt als Ausgangspunkt für Antarktisexpeditionen. Von Ushuaia führt die Reise über rund 1.000 Kilometer durch eine nach Francis Drake benannte Meeres-Passage. Das Seegebiet, in dem die Ozeane Atlantik und Pazifik aufeinanderstoßen, ist für starken Wind, Meeresströmungen und hohe Wellen bekannt, sodass man vor der Reise nicht weiß, ob das Schiff durchgeschüttelt wird (Drake Shake) oder wie ein See (Drake-Lake) sein wird. Bei unserer Reise erleben wir beides. Am ersten Tag bringen sechs bis sieben Meter hohe Wellen das Schiff in Bewegung – danach ist das Meer fast spiegelglatt.

Die Antarktis entdecken

Je näher wir der Antarktis kommen, umso mehr Eisberge treiben im Wasser rund um die MS Roald Amundsen. Schon der erste, im offenen Meer treibende Eisberg fasziniert, doch die Vielzahl der in unterschiedlichen Farben schimmernden Eisberge begeistert immer wieder auf´s Neue. Zwischen den Eisbergen sind die Blasfontänen von Buckelwalen zu sehen. Über dem Schiff gleitet ein Albatros durch die Luft. Und auch die Küste ist sehenswert. Aus dem Wasser erstrecken sich dunkle Bergmassive in den Himmel. Vereinzelt sind auch Gletscher zu sehen. Spuren von Menschen gibt es kaum – nur wenige aktive oder stillgelegte Forschungsstationen und einige Überbleibsel aus der Zeit der Walfänger und Robbenjäger sind in der weitgehend unberührten Natur zu sehen. Beim ersten Landgang am „Damoy Point“ besichtigen wir eine britische Schutzhütte, die 1973 gebaut wurde. Einfache Stockbetten, Werkzeuge und Vorräte stehen bis heute in dem Gebäude, das wie ein kleines Museum besichtigt werden kann. Doch auch die Natur ist interessant. Bei einem Rundgang durch den Schnee sehen wir Eselspinguine. Am nächsten Tag kommen wir in „Orne Harbor“ an. Hier führt ein schmaler Weg in Serpentinen über rund hundert Höhenmeter zum Bergkamm, auf dem Zügelpinguine auf den noch schneefreien Felsen sitzen. Sehenswert ist auch die Spert-Insel mit ihren Felsformationen und engen Kanälen, die man nur mit dem Zodiac befahren kann. Auf der Vulkaninsel Deception zeigt sich die Antarktis wieder von einer anderen Seite. Die MS Roald Amundsen fährt in die mit Wasser gefüllte Caldera des Vulkans. Neuschnee hat die schwarzen Felsen an diesem Tag in ein fast surreal wirkendes Schwarz-Weiß-Panorama verwandelt.

Eine aktive Expedition…

Eine Expeditionskreuzfahrt ist mehr als eine Panoramafahrt. Fast täglich bietet das Expeditionsteam den Gästen Landgänge in kleinen Gruppen und Fahrten mit den Zodiacs an. So kann man die Antarktis mit allen Sinnen entdecken. Sportliche Gäste können sich für einen Kajak-Ausflug anmelden und so mit eigener Muskelkraft durch das eisige Wasser paddeln. Ein besonderes Abenteuer ist die ebenfalls optionale Nacht in der Antarktis. Wer diese bucht, fährt nach dem Abendessen an Bord wieder zurück zur Landungsstelle. Dort warten Schlitten mit Zelten, Isomatten und Schlafsäcken. Nachdem das Zelt aufgebaut ist, kann man noch einen Spaziergang in der Schneelandschaft und es sich dann im Zelt gemütlich machen. Das Flattern der Zeltplane im Wind, das Geräusch des auf die Zelte rieselnden Schnees und das Grollen der in der Ferne kalbenden Gletscher macht diese Nacht zu einem besonderen Erlebnis. Wer ein Bad im eiskalten Südpolarmeer auf der Bucket List stehen hat, kann am Strand von „Deception Island“ zwischen Seebären und Pinguinen ins Wasser gehen.

… mit allem Komfort

Neben Natur und Abenteuer bietet eine Expeditionskreuzfahrt mit HX (früher Hurtigruten Expeditions) auch einiges an Komfort. Die Kabinen sind geräumig und gut ausgestattet. Kulinarisch werden die Gäste im „Aune“-Restaurant morgens und mittags am Buffet und abends mit einem mehrgängigen Menü verwöhnt. Eine Alternative mit Snacks wie Burgern, Dumplings und Waffeln ist das Restaurant „Fredheim“. Speziell für Suiten-Gäste oder gegen Aufpreis ist auch das Spezialitätenrestaurant „Lindstrøm“ geöffnet. Die große Panorama-Lounge mit Bar ist ein beliebter Aufenthaltsort. Mit zwei Whirlpools, einem Infinity-Pool, Sauna, Fitnessraum und Wellness-Bereich bietet das Schiff alle Annehmlichkeiten, die man bei einer Kreuzfahrt erwarten kann.

Eine eindrucksvolle Reise

Nach fünf Tagen in der Antarktis mit vielen eindrucksvollen Erlebnissen, macht sich das Schiff auf den Rückweg nach Ushuaia. Die Tage auf dem Meer geben den Gästen die Gelegenheit, bei den Vorträgen des Expeditionsteams noch mehr über die Natur und die Tierwelt der Antarktis zu erfahren und sich über die Fragilität des Ökosystems zu informieren. Von Ushuaia aus geht es mit dem Flugzeug zurück nach Buenos Aires, wo man optional noch ein paar Tage bleiben und die sommerlichen Temperaturen genießen kann, bevor es über den Atlantik zurück nach Deutschland geht.

(SMC)