18. Jun. 2021

Reisen

Mitte 30. Krauses, braunes Haar und ein markantes Gesicht. Er ist etwa sechs Mal im Jahr auf Duisburger Gewässern unterwegs. Der Mann im weißen Hemd lenkt die „Eureka IV“ vorbei an der Kulisse aus alten Fabrikhallen, grünen Wiesen, die das Ufer säumen und gepflasterten Promenaden, auf der sich bei „Ruhrort in Flammen“ die Duisburger tummeln.

250 Gäste sitzen gemütlich im Bauch des niederländischen Schiffes und stimmen sich auf den Abend ein. Davon bekommt Kapitän Kai nicht viel mit. Leise dringt Musik von unten auf die Brücke herauf. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt dem Wasser und der Schaltfläche. Als Kind wurde er von den Wellen in den Schlaf gewiegt. Kai, Kind einer Schiffersfamilie, lebt in den Niederlanden, wo der Rhein mündet, auf dem das Schiff seine Rundfahrt durch Duisburg-Laar, Homberg, Wanheim und Hüttenheim fortsetzt. „Ein einziges Mal bin ich in Duisburg gewesen“, erklärt er mit seinem niederländischen Akzent, „es sieht alles ganz anders aus als vom Wasser. Es verbirgt sich viel hinter den Ufern des Rheins.“

Dafür kann man von Land aus nicht sehen, was sich unter der Brücke der Solidarität verbirgt. Als die „Eureka IV“ wenige Sekunden unter der großen roten Stahlparabel ist, deutet ein Mädchen auf drei Röhren. Grün, rot, gelb. Drei Farben, die die drei Männer, die gemeinsam das Schiff steuern unbeachtet hinter sich lassen. Kapitän Kai, sein Matrose und der Steuermann bereiten sich in Gedanken schon auf den Schiffskorso vor, der sich um 22.30 Uhr in Bewegung setzen soll. Über Sprechfunk verständigen sich zwanzig Kapitäne untereinander. Auch für sie ist diese Fahrt etwas besonderes, denn sonst dienen die Wasserfahrzeuge für Kaffeefahrten und Feiern. Gefeiert wird auf der „Eureka“ auch. Die Duisburger Hafenrundfahrtgesellschaft, kurz DHG, hat zum 13. Ruhrorter Hafenfest zwei Schiffe der niederländischen Reederei Eureka gechartert.

Dann kurz nach 23 Uhr ein Knall. „Oh´s“ und „Ah´s“ sind vom Schiffsdeck zu hören. Ein prächtiges Feuerwerk entfacht sich am Duisburger Nachthimmel. Menschen stehen am Geländer der Schifferbörse und sehen die gigantischen Farbsprenkel über den vielen Fahrgastschiffen. Im Steuerhaus gießt sich derweil Kapitän Kai Sting fettarme „Meelk“ in den Kaffee und blickt auf die Lichter auf dem Pult vor ihm. Währenddessen blicken 500 strahlender Augen gespannt zum Himmel. „Vom Schiff aus ist Feuerwerk besonders schön“ lobt Waltraud Meier aus Marl. Ihre Bekannte Ursula stimmt zu: „An der Reling habe ich freien Blick zum Himmel. Und beim Tanzen im Schiff geht es lustig zu“. Als nach fünf Stunden eine abwechslungsreiche Schifffahrt am Schwanentor zu ende geht, sind sich viele sicher, dass es nicht ihre letzte Fahrt mit den Schiffen der DHG war. Wer eine Fahrt über Ruhr und Rhein miterleben möchte, bekommt die Karten bei der DHG. Auch im Spätsommer sollte man eine warme Jacke einpacken, um auf das offene Schiffsdeck zu gehen und die Welt von Wasser aus zu erleben. (SMC)