17. Jul. 2026

Reisen

Diese wertvollen Schätze verbergen sich bis heute in den Schlammteichen des stillgelegten Erzbergwerks Rammelsberg unweit von Goslar. Sie sind die glänzenden Zeugen einer über tausendjährigen Bergbautradition, die der Region im Mittelalter immensen Wohlstand einbrachte. Dieser Reichtum zog einst Kaiser an, ließ eine prachtvolle Pfalz entstehen und sichert der Stadt heute ihren Titel als UNESCO-Weltkulturerbe.

Mit der Grubenbahn in den Berg

Ein heller Glockenschlag hallt durch die Luft und kündigt die Abfahrt an. Der markante gelbe Zug, der einst die Bergleute unter Tage brachte, chauffiert heute stündlich Besucher in das Herz des Berges. Die Fahrt ist eine ruckelige Angelegenheit und ein kleiner, authentischer Vorgeschmack auf die harte Arbeit der damaligen Zeit. Drinnen übernimmt ein Grubenführer das Kommando und leitet die Gruppe durch das verzweigte Stollensystem. Vorbei an historischen Aufzügen, die einst tonnenschwere Kohlewagen nach oben hievten, geht es direkt in die jüngere Geschichte des Bergwerks. Während jahrhundertelang nur Muskel- und Wasserkraft zählten, hielten in den 1950er- und 60er- Jahren moderne Maschinen, Druckluft und Sprengstoff Einzug. Für eine lautstarke Überraschung sorgt das Erwachen einiger dieser alten Apparate, während kunstvolle Lichtinstallationen die Wucht früherer Sprengungen simulieren. Nach einer Stunde geht es zurück ans Tageslicht. Wer möchte, kann dieses Abenteuer übrigens auch als exklusive Tour abseits der regulären Zeiten buchen.

Wasser war die Energiequelle

Bevor die Moderne einzog, war Wasser der unangefochtene Motor des Bergbaus. Im 19. Jahrhundert revolutionierte Oberbergmeister Johann Christoph Roeder die Anlage mit einem genialen System aus unterirdischen Wasserläufen, tiefen Schächten und riesigen Antriebsrädern. Die Tour startet in der historischen Waschkaue, dem einstigen Umkleideraum der Kumpel. Die Decke ist behängt mit Hunderten von originalen Seilzügen, an denen die Bergleute ihre Kleidung hochzogen. Da im Inneren des Berges das ganze Jahr über frische 12 Grad herrschen, gehört zum bereitgestellten Helm eine warme Jacke ins Gepäck. Der gut einstündige Spaziergang liefert tiefe Einblicke und jede Menge spannende Anekdoten über das Leben unter Tage.

Das älteste erhaltene Industriebauwerk Deutschlands

Ein weiteres Highlight am Rammelsberg stammt aus der Zeit um 1500: Es ist der Maltermeisterturm, das älteste noch stehende Industriebauwerk der Bundesrepublik. Ursprünglich als reiner Wachturm erbaut, zog Mitte des 18. Jahrhunderts der namensgebende Maltermeister hier ein. Er war für das im Bergbau dringend benötigte Holz verantwortlich, das damals in der Maßeinheit „Malter“ gemessen wurde. Heute ist der Turm ein beliebter Hotspot für Genießer, denn das direkt danebengelegene Ausflugsrestaurant lockt mit einer spektakulären Panoramaterrasse und einem fantastischen Weitblick über den Harz. Auch in Goslars Altstadt selbst begegnet man der Bergbaugeschichte auf Schritt und Tritt. Besonders charmant zeigt sich das am Marktplatz. Das von der alten Bergbaugesellschaft gestiftete Glockenspiel erweckt zu festen Uhrzeiten mit seinen Figuren die historische und moderne Arbeitswelt unter Tage zum Leben.

Jahrhunderte Stadtgeschichte werden lebendig

Direkt gegenüber zieht das historische Rathaus die Blicke auf sich. Erbaut zwischen 1295 und 1326, zählt es zu den ältesten erhaltenen Rathäusern im deutschsprachigen Raum. Das absolute Prunkstück im Inneren ist der Huldigungssaal aus dem 16. Jahrhundert. Der ehemalige Ratssaal ist komplett bis hinauf zur Decke mit spätgotischen Tafelgemälden verkleidet und demonstriert eindrucksvoll den einstigen Reichtum der Kaiserstadt. Während dieser sensible Raum heute geschützt hinter Glas und via moderner Multimediashow bestaunt werden kann, stehen viele andere Räume für Entdecker offen. Ein skurriles Detail sorgt für wohligen Grusel: Unter dem Rathaus befindet sich ein historischer Beinkeller, der dem geschichtsträchtigen Gemäuer einen ganz besonderen, morbid-faszinierenden Charme verleiht.

Unterwegs in der Stadt

Um die vielen Geheimnisse Goslars zu lüften, empfiehlt sich eine der vielseitigen Stadtführungen, die sich ebenfalls exklusiv buchen lassen. Beim Schlendern durch die Postkarten-Idylle der Fachwerkgassen passiert man geschichtsträchtige Orte wie den Stammsitz der Unternehmerfamilie Siemens und erreicht schließlich die imposante Kaiserpfalz am Rande der Altstadt. Für alle, die es noch unterhaltsamer mögen, sind die Kostümführungen ein Muss. Bei der Tour zum Thema Hexenverfolgung taucht man tief ein in die Mythen und die düstere Realität der Jahre 1530 bis 1644, als auch in Goslar Menschen der Zauberei bezichtigt wurden. Goslar beweist eindrucksvoll, dass es weit mehr ist als ein staubiges Geschichtsbuch. Die Kombination aus Weltkulturerbe, lebendiger Historie und spannenden Zukunftsaussichten rund um die Rohstoffforschung macht die Stadt zu einem interessanten Ziel für den nächsten Kurzurlaub.

(SMC)