11. Aug. 2022

Reisen

Am Ufer des Bodensees, zwischen den Mündungen der Flüsse Argen und Schussen, erstreckt sich die malerische Kleinstadt Langenargen. Vor 1.249 Jahren wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt und hat sich von einem Fischerdorf zu einem lebenswerten Ort für Touristen und Einheimische entwickelt. Wahrzeichen der schwäbischen Stadt ist das im maurischen Stil errichtete Schloss Montfort. Mit einer schönen Promenade, einer Vielzahl von Restaurants und Cafés und einem vielseitigen Kulturleben hat die Stadt eine Menge zu bieten. Trotzdem kann man sich in Langenargen auch vortrefflich erholen: Vom auch bei Einheimischen beliebten Bad im Bodensee über Wassersport bis hin zu Wanderungen durch die Natur gibt es viele Möglichkeiten.

„Städtle“ nennen die Einwohner das direkt am See gelegene Ortszentrum liebevoll. Und in der Tat findet man dort fast alles, was man in einer modernen Stadt erwartet. Im Städle steht nicht nur die katholische Kirche St. Martin, die einst von den Grafen Montfort errichtet wurde, sondern auch das Schloss. Sein Turm ist ein beliebter Aussichtspunkt. 147 Stufen sind es bis zum Ende der hölzernen Treppe – dann hat man einen Panoramablick in alle Himmelsrichtungen. Im Süden schaut man über den Bodensee bis zum 14 km entfernten Schweizer Ufer – und bei klarem Wetter bis zu den beeindruckenden Bergketten im Hinterland. Im Osten sieht man die vom Flughafen Friedrichshafen aufsteigenden Zeppeline. Im Norden schweift der Blick über Apfel- und Hopfenplantagen und über die zu Langenargen gehörenden Stadtteile Oberdorf und Bierkeller. Im Osten überblickt man den langgestreckt am Ufer liegenden Ort und die zum Großteil frei zugänglichen Kiesstrände.

Der Bodensee ist belebt, aber nicht überlaufen. Am Ufer findet sich fast überall Platz für ein Handtuch, eine Decke oder auf einer der vielen Bänke. So kann man an heißen Tagen das etwas kühlere Seeklima genießen. Wer gerne badet, kommt in Langenargen ebenso auf seine Kosten wie SUP-ler, Schnorchler oder Kite-Surfer. Und natürlich können auch kleine Boote, die man führerscheinfrei fahren kann, gemietet werden. Der See hat eine so gute Wasserqualität, dass aus ihm das Trinkwasser für vier Millionen Menschen gewonnen wird. Durch das klare Wasser ist der Fischbestand im See stark zurückgegangen, sodass im Hafen von Langenargen aktuell nur noch zwei Berufsfischer ansässig sind, die ihre Netze regelmäßig im See auswerfen. Dafür sind die Yachthäfen gut gefüllt – von der kleinen Jolle bis zur exklusiven Yacht. Der Bodensee vor Langenargen ist ein beliebtes Segelrevier, denn hier ist der See am breitesten und bietet viel Platz für Segler, Motorboote und Ausflugsschiffe.

Mensch und Natur finden ihren Platz in Langenargen. Im Schlosspark spenden große Mammutbäume und Blutbuchen Schatten. Nicht weit vom Seeufer reift die Apfelernte. Und am Wegesrand der von der Sonne verwöhnten Gegend wachsen wilde Brombeeren und andere Köstlichkeiten. Nicht nur die Natur meint es gut mit Langenargen. Bürger und Gäste freuen sich über ein breites Kulturangebot. An sonnigen Tagen steht ein Flügel auf der Promenade und kann von jedermann gespielt werden. Bei den Schlosskonzerten im Saal von Schloss Montfort erwartet die Besucher alljährlich ein abwechslungsreiches Programm vom Klavierabend über Kammermusik bis hin zu Jazzmusik. Das Uferfest findet immer am letzten Wochenende im Monat Juli statt und lockt tausende Besucher nach Langenargen. Nur wenige hundert Meter entfernt kann die Natur sich ungestört entwickeln. „Was hier gezwitschert wird ist unglaublich“, freut sich Alexander Trauthwein, der bei der Stadt für das Thema Tourismus verantwortlich ist. Rund 280 verschiedene Vogelarten wurden im letzten Jahr in Langenargen gezählt – darunter manche Arten, die früher weiter in den Süden flogen und heute einfach am Bodensee überwintern. Viele davon leben im Naturschutzgebiet Eriskircher Ried, das man von Langenargen gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen kann. Auch an den Ufern des Flusses Argen, gibt es Refugien für Mensch und Tier. An beiden Seiten des Flusses gibt es schöne Fußwege. Brücken wie eine im Auftrag des württembergischen Königs Wilhelm II. errichtete Kabelhängebrücke aus dem Jahr 1896/97, an deren Bau einer der späteren Architekten der Golden Gate Brücke mitwirkte, geben die Möglichkeit den Fluss zu queren und Rundwege in verschiedenen Längen zu machen. Der im Mündungsbereich flache Fluss lädt auch zu einem Sonnenband auf seinen Kiesbänken oder einem erfrischenden Bad ein.

Wer in Langenargen übernachten möchte, kann sich zwischen den lebhafteren Unterkünften im Städtle und den Ferienwohnungen in den ruhigeren Stadtteilen entscheiden. Auch gastronomisch gibt es ein vielfältiges Angebot von der Dönerbude bis zum Sternerestaurant und der Konditorkunst. Gut und in schöner Atmosphäre isst man zum Beispiel auf der Terrasse des Hotel Engel. Das Hotel liegt in der Nähe des Schlosses an der Promenade und bringt den köstlichen Schwabenteller auf den Tisch. Der besteht aus Maultaschen, Käsespätzle, Kartoffelsalat und Fleisch und ermöglicht einen Einblick in die regionale Küche. Zentral im Städtle liegt auch das Hotel Krone. Im Schatten großer Bäume genießt man hier ein kühles Bier oder Köstlichkeiten aus der Küche. Deutlich ruhiger speist man im idyllisch gestalteten Gasthof Adler in Oberdorf. Der Zwiebelrostbraten ist ein Gedicht. Die Tische stehen auf einem idyllisch gestalteten Platz vor einem ehemaligen Bauernhaus. Mit dem Auto ist man in wenigen Minuten zurück im Städtle – oder man macht einen Spaziergang an den Apfelplantagen entlang. Eindrucksvolle Kuchenkreationen entstehen in der Konditorkunst. Eine junge Meisterin ihres Faches beweist, dass süße Kuchen und Torten ihren Reiz nie verloren haben.

Nicht nur an regnerischen Tagen lohnt sich ein Besuch im Kunstmuseum der Stadt. Es wird von einem Verein – und von ehrenamtlichem Engagement – getragen und zeigt zurzeit eine Sonderausstellung zum Thema „Faszination Wasser“ unter anderem mit Bildern des Malers Fritz Steisslinger, der sich auch mit dem Bodensee künstlerisch beschäftigt hat. Langenargen war schon früher beliebt bei Künstlern. Bis heute heißt ein etwas außerhalb gelegener Strandabschnitt Malerecke, da diese sich dort gerne ihrer Kunst widmeten. Auch heute leben einige anerkannte Künstler in der Stadt – einzelne Werke sind im Kunstmuseum zu sehen. Einen Einblick in die Geschichte bieten nicht nur die historischen Gemälde und an verschiedenen Orten im Stadtbild aufgestellte Skulpturen, sondern auch das Fischereimuseum. Es informiert über die Geschichte des Fischfangs am Bodensee.

Ein Aufenthalt in Langenargen bietet viele Möglichkeiten: Wer gerne wandert oder mit dem Rad fährt, findet eine Reihe flacher und gut ausgeschilderter Wege. Wer regionale Köstlichkeiten probieren möchte, hat nicht nur in der Gastronomie Möglichkeiten, sondern kann sich auch bei Hofläden und Verkaufsautomaten mit Produkten aus der Region versorgen. Viele Bauern stellen ihre Produkte und eine kleine Kasse des Vertrauens an den Straßenrand, sodass man dort ganz unkompliziert einkaufen kann. Kulturell reicht das Angebot vom Kindertheater über hochkarätige Konzerte bis zum Volksfest mit sehenswertem Feuerwerk. Für alle mit dabei ist die Panoramasicht auf die Berge, das glitzernde Wasser des Bodensees und die Möglichkeit, ein erfrischendes Bad im See zu nehmen. Nicht umsonst wusste schon Annette Droste-Hülshoff: „Langenargen ist nur mit den schönsten Ansichten bei Genua und Neapel vergleichbar.“

(SMC)