20. Apr. 2019

Reisen

Schon beim Spaziergang durch einen Stadtpark bekommt Dr. Markus Strauß leuchtende Augen. Der Geograf und Autor ist begeistert von der Idee, essbare Wildpflanzen wieder in die Alltagskultur zu integrieren. Deshalb stehen Pflanzen auf seinem Speiseplan, an denen andere vorübergehen oder sie gar als „Unkraut“ bezeichnen würden. Brennnesseln sind für ihn genauso wertvolle Lebensmittel wie Löwenzahn und Gänseblümchen. Damit liegt Dr. Markus Strauß im Trend hin zu mehr Natur und einer gesünderen, nachhaltigen Lebensweise.  

Aktive Mitstreiter hat er in der nördlichen Oberpfalz gefunden. Im Juni 2018 wurde in Waldeck der erste Essbare Wildpflanzenpark eröffnet. 4.000 Parks dieser Art wünscht sich Dr. Markus Strauß für ganz Deutschland als Orte des Lernens, der Natur und der Lebensqualität.  Dass der erste Park den Weg vom Konzept in die Wirklichkeit gefunden hat, ebnet nun den Weg für weitere Parks. In Waldeck erstreckt sich der Park über 13 Teilflächen in der bestehenden Natur- und Kulturlandschaft. Ganz bewusst wurden die unterschiedlichen Teilflächen von der Magerwiese bis hin zum Basalt-Felsen mit zusätzlichen Pflanzen aufgewertet. Ein rund fünf Kilometer langer Erlebniswanderweg wurde ausgeschildert. Dieser beginnt am Sportplatz außerhalb des Dorfes und führt durch die Natur und auf den Schlossberg mit der im spanischen Erbfolgekrieg und durch eine Feuersbrust zerstörten Festung. Die auf einem erloschenen Vulkan schlummernde Burg ist dank umfangreicher Restaurierungsarbeiten ein attraktives Ausflugsziel mit weitem Blick über die Landschaft.

Ein guter Ausgangspunkt für die Entdeckung der Natur rund um Waldeck ist das Hotel Hollerhöfe. Elisabeth Zintl und ihr Mann Leonhard haben den Familienbetrieb im Herzen des L-förmig erbauten Waldecks in den letzten Jahren mit viel Liebe zum Detail ausgebaut und weiterentwickelt.  So gehören auch einige der früheren Dorfhäuser inzwischen zu den Hollerhöfen und sind zu modern ausgestatteten Gästezimmern geworden. Zahlreiche Sitzgelegenheiten, eine schöne Dekoration und der persönliche Service machen den Besuch in Waldeck zu einem entspannten Vergnügen. Für Hotelgäste bietet das Restaurant eine kleine, aber abwechslungsreiche und schmackhafte Menükarte.

Das Dorf Waldeck ist ein guter Ausgangspunkt für Spaziergänge und Wanderungen. Ein zwei Kilometer langer Spaziergang führt über kleine, kaum befahrene Straßen in den Nachbarort Köglitz. Am Ende des Dorfes steht die neu errichtete Theresienkapelle mit ihrer besonderen Akustik. In eine andere Richtung führt der Marterl-Weg. Der mit inspirierenden Infotafeln bestückte Weg verbindet 15 Stationen. Jede einzelne ist mit Informationen zu ihrem Standort, aber auch mit positiven Botschaften gekennzeichnet. Vorbei an kleinen Wasserläufen, duftenden Wiesen und Waldstücken können Wanderer so ihre eigenen Ge(h)danken entdecken. Ein besonders schönes Wegstück führt den Berg hinauf durch das Aschaholz und dann nach einem kurzen Weg durch die Ortschaft Zwergau wieder in den Wald und durch einen bewachsenen Hohlweg.

Kräuter, Wildfrüchte und Nüsse gehören zu den gesunden, schmackhaften Wildpflanzen. Mit diesen kennt sich Dr. Markus Strauß wie kaum ein anderer aus. Unter Kräutern, Stauden, Sträuchern und Bäumen gibt es gleichermaßen essbare Wildpflanzen. Diese bieten ein „sinnliches Erlebnis“ und haben laut Dr. Strauß „große Zukunftspotentiale“. Wie man dieses nutzt erklärt er in Theorie und Praxis. Im Stadtpark werden tütenweise grüne Pflanzen geerntet – und wandern später als Zutaten für einen gesunden Smoothie mit Äpfeln, Bananen und Ingwer in den Mixer. „Essbare Wildpflanzen haben im Durchschnitt 5-10-mal mehr Nährstoffe als gezüchtete Pflanzen“, erklärt der Experte und verweist zur Sicherheit auf die wackelige Datengrundlage. Andere Vorteile der wilden Lebensmittel sind unumstritten. Was in freier Natur wächst, kommt ohne Dünger und Agrarchemie aus. Es hat keine Transportwege und macht keinen Müll. Was mit Wildpflanzen alles möglich ist, hat Dr. Markus Strauß in zahlreichen Büchern vorgestellt. Lindenblüten aromatisieren Getränke, Maronen werden geröstet schmackhaft, Bucheckern schmecken in kleinen Mengen schon an der Fundstelle im Wald. Sein Wissen teilt Dr. Strauß auch bei einem Zertifikatslehrgang zum „Fachberater für Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen“, der von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) angeboten wird.

Um in der Oberpfalz mobil zu sein, empfiehlt sich die Anreise mit dem Auto. Dann steht auch einem Besuch in der Stadt Weiden nichts im Wege. Die Altstadt des geschäftigen Oberzentrums der nördlichen Oberpfalz wird von zwei historischen Toren begrenzt. Das Untere Tor stammt in der heutigen Form aus dem Jahr 1635. Das Obere Tor wurde 1911 abgerissen und wiedererrichtet. Dazwischen erstreckt sich der Marktplatz mit Giebelhäusern aus dem 16. Jahrhundert und Alten Rathaus mit einem interessanten Glockenspiel. Wer genau hinschaut, entdeckt auch im stadtnahen Max-Reger-Park neben Volieren mit Papageien eine ganze Reihe essbarer Wildpflanzen. Noch mehr über diese erfährt man bei den „Waldecker Wilde Tage“, die vom 7. bis 9. Juni 2019 stattfinden.

(kk)