17. Nov. 2019

Reisen

Hervorragende Wanderwege, Gastgeber und Gastronomen und attraktive Erlebnisangebote machen den Frankenwald nicht nur für Wanderer zu einem attraktiven Reiseziel. In der Region liegt Kleintettau als einer von hundert Genussorten in Bayern. Hier verbinden sich kulinarische Genüsse mit der einzigartigen Landschaft und Kultur.

Auf kulinarischer Genusswanderung

Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, vorbei an schottischen Hochlandrindern, Schieferhalden und Jahrhunderte alten, geschichtsträchtigen Wegen wie dem Glasmachersteig gibt es viel zu entdecken. Wer die Rennsteigregion erwandern und seinen Gaumen mit frisch zubereiteten traditionellen Köstlichkeiten aus der Region verwöhnen möchte ist bei Kerstin Rentsch genau richtig. Für die Kochbuchautorin und Genussbotschafterin sind Wanderung in der Region etwas Besonderes, denn „hier kann man ganz für sich zur Ruhe kommen und einfach die Natur genießen, weg vom großen Massentourismus“. Bei ihrem selbstgemachten Picknick setzt sie auf Qualität statt auf Masse. Für die Gäste ihrer Genusswanderung steht sie um 4.30 Uhr auf und beginnt mit der Produktion von Butter, Brot, Kochkäse, Debreziner im Teigmantel und Kuchen. Die Zutaten kommen aus dem regionalen Umkreis von 80 km, die traditionellen Rezepte aus der Rennsteigregion und dem oberen Frankenwald. Start und Ziel der Genusswanderung sind Kerstin Rentschs zuhause in Kleintettau. Im Garten der Finkenburg sprießen Pflanzen aus einem Kinderwagen, wachsen auf einem Fahrrad, in Suppentellern und im einst feinen Teegeschirr. Am Abend erwartet die Gäste ein reichhaltiges Buffet im Garten mit Bratwürsten und Steaks vom Holzkohlengrill. Wer möchte kann am Waldrand im „Benno“ übernachten. Früher war der Wagen eine Schießbude, heute ist er ein komfortables und liebevoll eingerichtetes Ferienhaus auf Rädern.

Traditionsreiche Glasmacherei trifft nachhaltiges Tropenhaus

Wer hätte gedacht, dass die Flakons berühmter Düfte wie Chanel No. 5 in der kleinen Ortschaft Kleintettau hergestellt wurden? Die Anfänge der Glasmacherei in Kleintettau gehen auf das Jahr 1661 zurück. In "Schmelzhäfen" wurden die Rohstoffe Quarzsand, Soda, Kalkstein, Tonerde und Scherbenreste bei 1.300 Grad Celsius zu Glas geschmolzen und der Glastropfen anschließend mit der Lungenkraft der Männer geformt. Die Frauen brachten den Glasmachern leichtes Bier aus dem Keller. Heute erfolgt die Produktion in Kleintettau mithilfe von vollautomatischen Maschinen und gehört zu den Hidden Champion. Im Europäischen Flakonglasmuseum in Kleintettau tauchen Besucher in die Jahrtausende alte Welt der Parfum- und Glasgeschichte ein. Zu den Höhepunkten gehört eine Halbautomaten-Vorführung, bei der sich Besucher selbst als Glasmacher probieren können sowie ein Einblick in die vollautomatische und hochmoderne Flakonglasproduktion. Besonders spannend ist auch die Glashöhle für Kinder mit ihren experimentellen Glasinszenierungen. Wenige Minuten vom Museum entfernt liegt das Tropenhaus Klein Eden. Dieses wird mit der Restabwärme der Glas-Produktion beheizt, bietet Raum für 220 tropische Pflanzenarten und 40 Tierarten und zählt zu den nachhaltigen Umweltprojekten. Im Jahr 2017 machte die Papaya-Ernte von 1,5 Tonnen ein Promille des Papaya-Imports Bayerns aus. Im Forschungsgewächshaus wachsen die Früchte in Bioqualität, die immer mehr Sterneköche in Deutschland überzeugt. Besucher können die Früchte und die exotischen Fruchtaufstriche im Tropenhaus erwerben. Im Besucherhaus steht die Bildungsarbeit mit tropischen Nutzpflanzen sowie mit Reptilien und Amphibien im Vordergrund. Einige Tiere wie Königspython oder Tausendfüßler dürfen dabei auch angefasst werden.

Pures Naturerlebnis - Ein Geheimtipp für Outdoor-Fans

Tagsüber wandern, nachts am knisternden Lagerfeuer Sterne gucken, Stockbrot backen und im Zelt schlafen. Einzigartige Naturerlebnisse in Ruhe, fernab großer Verkehrswege ermöglicht der erste zwischen Frankenwald und Rennsteig eröffnete Trekkingplatz. Seit Mai 2019 können bis zu vier Zelte direkt am Waldrand oder auf einer rund zwei Meter hohen Plattform aufgestellt werden. Eine Feuerstelle, ein Brauchwasserfass und ein Biokompost-Toilettenhäuschen sorgen für natürlichen Komfort. Mit dem Trekkingplatz wollen die Bayerischen Staatsforsten den Wald auf besondere Weise erlebbar machen. Wer kein Zelt hat, kann kostenlos eins leihen. Der Platz bietet eine Aussicht bis zum Thüringer Wald, die faszinierenden Bewegungen der Himmelsobjekte bei Nacht und die nächtlichen Naturgeräusche.

(kk)