13. Dez. 2018

Reisen

Wenn Türmer Thomas in seiner Uniform durch die Oberstadt von Kronach geht, setzt er eine alte Tradition fort. Einst wachten die Türmer von den höchsten Gebäuden der Stadt und hielten Ausschau nach Feinden vor den Toren oder Feuer. Bei einem Rundgang durch die einst von zehn Türmen beschützte Oberstadt von Kronach atmet man bis heute die reiche Geschichte der einst blühenden Handelsstadt. Der mittelalterliche Stadtkern des Geburtsortes des Malers Lucas Cranach der Ältere liegt natürlich geschützt auf einem Felsvorsprung. Diesen haben die Kronacher ausgehöhlt und unterkellert. Einst waren die unter mehr als hundert alten Gebäuden liegenden Lagerkeller miteinander verbunden. Wer heute über wackelige Treppen in einen der bis zu 600 Jahre alten, von Hand geschlagenen Keller hinabsteigt, entdeckt in den das ganze Jahr acht Grad kühlen Räumen alte Bahnen, über die einst Bierfässer gerollt wurden. Bei seiner Tour erzählt Türmer Thomas Baier auch von den Wirtsweibern, die das Bier einst von den Brauhäusern auf ihrem Rücken transportierten und die Stadt bei der Belagerung durch die Schweden im 30jährigen Krieg vor dem Untergang retteten. Ein Stück oberhalb der Stadt liegt mit der Festung Rosenberg eine der am besten erhaltenen Festungsanlagen im ganzen Land. Wer heute durch den nördlichen Außenposten des Hochstifts Bamberg geht, erlebt Genuss und alte Handwerkskunst. Metzgermeister Kraus verkauft seine „Original Kronacher Bierwürmer“, in der Bäckerei gibt es mit „Blöchla“, „Seelenspitze“ und „Schwatzela“ besondere Spezialitäten und natürlich dürfen in Kronach auch die Rostbratwürste nicht fehlen.

Ein ganz anderer Aspekt von Genuss steht im Tropenhaus „Klein Eden“ im Mittelpunkt. Mit der Abwärme einer Glashütte wird das Tropenhaus am Rennsteig seit 2013 beheizt. Auf 3.500 m² wachsen seitdem in Kleintettau tropische Früchte, Gemüse und Gewürze in Bioqualität. Dabei werden die Ressourcen mehrfach genutzt. Neben den Pflanzen werden in „Klein Eden“ Speisefische gezüchtet und verkauft. Das Wasser der Fischzuchtanlage dient als Dünger der Pflanzen. Neben dem Forschungs- und Produktionsgewächshaus gehört ein Besucherhaus mit Schlangenausstellung zur Anlage. Kleintettau ist auch der Heimatort von Genussbotschafterin Kerstin Rentsch. Die Autorin mehrerer Kochbücher hat es sich zur Aufgabe gemacht, althergebrachte Kochrezepte zu erhalten. Während vor ihrem Haus schottische Hochlandrinder grasen, kann man in der liebevoll eingerichteten Küche mit Kerstin Rentsch kochen und backen. Eine besondere regionale Spezialität sind die hausgemachten Kartoffelklöße.

Bürgermeister Jens Korn ist sichtlich stolz auf eine Wallenfelser Spezialität. „Gstopfta Rumm“ wird in der ehemaligen Flößerstadt gereicht. Die Spezialität besteht aus Kohlrabi, Rüben, Weißkraut, Wirsing und Lauch und wird in Holzfässern vergoren. Bevor das Traditionsgericht serviert werden kann, gibt es viel zu tun. Die Gemüse werden geschält und kleingeschnitten. In einem Holztrog werden sie dann gemischt und immer weiter zerkleinert, bis sie mit reichlich Salz ins Fass kommen. Das Gemüse schmeckt hervorragend zu Braten, Gans und Ente. Einst war Wallenfels als Flößerort bekannt. In den Sommermonaten werden deshalb Floßfahrten auf der Wilden Rodach angeboten. Früher transportierten die Flößer ihr Holz über Rodach, Main und Rhein bis nach Holland. Heute ist die feucht-fröhliche Fahrt eine Touristenattraktion.

Kulmbach ist nicht nur für die Plassenburg oberhalb der Stadt und das Rathaus mit der schmucken Rokoko-Fassade bekannt, sondern auch für seine zwanzig verschiedenen Biere. In der heimlichen Hauptstadt des Bieres kann man das Bayerische Brauereimuseum besuchen. Auf dreitausend Quadratmetern können Besucher sich über Bierbrauen und Bierkultur informieren. Bei der Reise durch die Welt des Bieres kann man dem Braumeister in der Museumsbrauerei über die Schulter und in den gläserne Sudkessel schauen. Wer mag, kann das Museumsbier auch verkosten. Direkt neben dem Museum liegen auch das Bayerische Bäckerei- und das Gewürzmuseum. Auf jeweils 1.500 m² werden die Backkultur und die Welt der Gewürze anschaulich dargestellt. Nach einer längeren Tour durch die Museen ist der malerische Biergarten der Kulmbacher Brauerei Kommunbräu eine schöne Abwechslung. Die Brauerei ist ein Projekt der Bevölkerung, die Anteile kaufte und die Errichtung von Brauerei und Wirtshaus erst möglich gemacht hat. Auch im Wirtshaus kommen regionale Spezialitäten auf den Tisch von Kulmbacher Bratwurst mit Sauerkraut bis hin zu „Blaug´sudna“ - in Zwiebelsud gesottenen Bratwürsten.

Wer nach soviel Herzhaftem auch etwas Süßes kosten möchte, ist bei der Lauenstein Confiserie genau richtig. Die „Genuss-Manufaktur“ ist benannt nach der 1289 erstmals erwähnten Burg Lauenstein. Heute sitzt das Unternehmen in der malerischen Fischbachsmühle. Gleich im Erdgeschoss liegt eine gläserne Manufaktur, in der man zusehen kann, wie edle Pralinen Stück für Stück von Hand gefertigt werden. Eine Etage höher kann man am Schokoladenbrunnen naschen oder selbst in die Rolle eines Chocolatiers schlüpfen und Pralinen oder Schokolade verzieren. Neben verschiedenen Schokoladenmanufakturen ist die Region auch für ihr Gebäck bekannt. „Blöchle“ kennt sich das in Fett ausgebackene Traditionsgebäck der Flößer. Und auch „Seelenspitzen“ und „Schwatzala“ aus Marzipanteig mit Vanillecreme und Schokolade gehören zum Festtagsgebäck.

Bis heute sind sechs “Werschtla Moo“ in den Straßen von Hof unterwegs. Ausgestattet mit einem blitzenden Messingkessel und einem Korb mit Brötchen am anderen Arm, sind die mobilen Wurstverkäufer seit 1871 in dieser Stadt Tradition. „Haaß sensa – kold wernsa“, erschallt es durch die Straßen, wenn die mit Ledermantel und weißer Schürze bekleideten Verkäufer ihre Ware an den Mann bringen. Neben der Wurst im aufgeschnittenen Brötchen gehört Senf zur Hofer Lebensart. Von der Wurst über das Bier bis zu den Klößen: jeder Ort hat seine eigene Art der Zubereitung. So ist es mehr als verständlich, dass im Frankenwald gleich mehrere der bayerischen Genussorte liegen.

(ck)