28. Sep. 2020

Reisen

Einer der gastlichen, touristisch interessanten Genussorte ist Bürgstadt, ein malerischer Ort mit einer großen Weinbautradition. Sehenswert sind die gepflegten Fachwerkhäuser und das Historische Rathaus. Nicht weit vom Rathaus befindet sich eine ganz besondere Sehenswürdigkeit, die Martinskapelle mit ihrer berühmten Ausmalung. In der schon während der Gegenreformation ausgemalten Kirche kann der Besucher unter anderem 40 gemalte, große Medaillons sehen, die sich in einem sehr guten Zustand befinden. Ganz besonders lohnt sich der Besuch, wenn man sich von der Gästeführerin Dorothea Zöller unterhaltsam durch Bürgstadt begleiten lässt. Sie erklärt spannend und mit großem Wissen die weiteren Besonderheiten der Martinskapelle, die sich seit fünf Jahrhunderten in einer Art von Dornröschenschlaf befindet. Kreuzweg, Kreuzgruppe, Wendelinus-Altar, der große Altar, der in der Zeit des Hexenwahns errichtet wurde, Fresken im Chorraum: die Zeit vergeht wie im Flug während ihrer Erklärungen in dieser außergewöhnlichen, historisch bedeutenden Kapelle.

Aber auch der Wein und die Fachwerkhäuser kommen nicht zu kurz bei der Führung. Ein Besuch der modernen gut sortierten Churfrankenvinothek gehört mit zum Ortsrundgang. Das Angebot, gerade auch an Spätburgunder Weinen aus Churfranken und die Beratung, sind hervorragend. Die Gäste können sowohl vor dem modernen Gebäude in Rathausnähe als auch im gemütlichen Inneren Wein kosten, kaufen und zum Wein der Region eine Kleinigkeit wie den hier beliebten  Kochkäse genießen.

Die in Churfranken beheimatete Häckertradition hat sich im Laufe der Zeit verändert. Der Winzer räumt heute nicht mehr die Wohnung aus, sondern man genießt den Wein und deftiges Essen in Häckerwirtschaften, wie beispielsweise in Burgstädt bei Weinbau Elbert. Im geräumigen Fachwerk-Innenhof sitzen im Sommer und im Herbst Einheimische und Urlauber, auch Radfahrer bei einer Tourpause, zwanglos bei eigenerzeugtem Wein des Winzers und leckeren Kleinigkeiten aus der heimischen Küche. Schon mittags ist geöffnet, Besucher kehren bis zum späten Abend ein.  Bei aller Geselligkeit, manchmal sieht man im Frühsommer ganz entspannt und mit etwas Glück, einer Drossel beim Füttern ihrer Jungen in den dekorativen alten Rebstöcken des Fachwerk-Innenhofs zu. Es gibt einen Häckerkalender, so dass man weiß, welcher Häcker wann geöffnet hat.

Mitten im Ort, an der Hauptstraße neben dem Landhotel Adler, befindet sich das Weingut Hench, das schon seit Jahrhunderten besteht. Die Familie Hench hat das Gut vor Jahren auf ganzheitlich ökologische Bewirtschaftung ausgerichtet und sich auf Weinbau spezialisiert. Dadurch und durch ihre Lebens- und Wirtschaftsweise entstehen auf einer Rebfläche von etwa sieben Hektar individuelle hochklassige Bio-Weine, die selbst vermarktet werden. Nach Anmeldung ist ein Besuch des Familienweinguts möglich. Die Lese besteht zu rund 65 % aus roten Trauben, aus den weißen Trauben werden Riesling und Silvanerweine hergestellt. Die Rebflächen befinden sich zu einem großen Teil auf Buntsandstein in den teilweise steilen Weinlagen des Maintals. In der Halle und den Kellern des Weinguts wird der Wein schonend verarbeitet und bis zur Abfüllung gelagert. Im alten Gebäudekeller lagert der Wein in Eichen- und seit einiger Zeit auch in Kastanienfässern. Kastanienfässer angelehnt an Hildegard von Bingen, die überzeugt davon war, dass die Kastanie positiv auf den menschlichen Körper wirkt. Auf dem Weingut wird der Wein, der höchsten Ansprüchen gerecht wird, in Flaschen abgefüllt und etikettiert und natürlich auch mit guter Beratung verkauft.

Oberhalb von Bürgstadt, hoch über dem Maintal, kann man über den 6. Teilabschnitt des 70 Kilometer langen Fränkischen Rotwein Wanderwegs wandern und schaut dabei auf die zahlreichen Rebstöcke der hoch ausgezeichneten Lagen des Centgrafenberg und Hundsrück, wo der hervorragende Spätburgunder der Region wächst. Wunderbare Ausblicke gibt es auf diesem Teil des gut gekennzeichneten, mittelschweren, asphaltierten Wanderwegs. Wer mag, kann auch eine Rast in und an einem gepflegten Aussichtsplatz machen, besonders schön ist das mit einem guten Tropfen aus der Region.

Zurück in Bürgstadt führt ein kurzer Weg an das nahe Mainufer, wobei man die Uferstraße bequem unterqueren kann. Hier gibt es schöne Uferwege für Radfahrer und Spaziergänger aber auch Wiesen und Bänke unter hohen Bäumen zum Entspannen. Die Mainfahrgastschiffe haben dort eine Haltestelle.

Im Ort gibt es unterschiedliche Unterkunftsmöglichkeiten. Eine davon ist das zentral gelegene „Landhotel Adler“. In dem traditionell inhabergeführten Hotel spürt der Gast, herzlich willkommen zu sein. Die Atmosphäre des Hauses ist geprägt von der Herzlichkeit der Gastgeber und einer ideenreichen, wertigen Einrichtung. Den Gästen werden in gepflegter Umgebung erholsame Übernachtungen, ein Frühstücksbuffet, das keine Wünsche offen lässt, und genussvolle Abende im Restaurant geboten. Der blumengeschmückte Garten ist eine Zierde des Hauses. Norbert Bachmann und Markus Meisenzahl sind Förderer von Slow Food und bieten kulinarische Genüsse hergestellt aus Produkten aus der heimischen Region mit den dazu korrespondierenden Weinen aus Churfranken an.

Eine weitere Möglichkeit sich kulinarisch verwöhnen zu lassen, bietet im nicht weit entfernten Ort Großheubach das Gasthaus „Zur Krone“. In einem gemütlichen, holzgetäfelten Restaurant und auf der sehr schönen Terrasse im Innenhof des stilvollen Gasthauses bietet Küchenchef Ralf Restel mit erkennbarem Vergnügen -ebenfalls aus regionalen Zutaten- hervorragende Gerichte an. Schlemmen auf sehr hohem Niveau ist hier angesagt. Dazu kredenzt seine Ehefrau Niki die dazu passenden Weine, insbesondere die ausgezeichneten Spätburgunder aus Churfranken.

Der Weinort Klingenberg ist ein weiterer anerkannter Bayrischer Genussort, von dem aus sich Wanderungen -auch auf dem Fränkischen Rotweinwanderweg- anbieten. Von der Ortsmitte der Fachwerkstadt, die auch für ihr Bier bekannt ist, erfolgt ein Einstieg in den Rotweinwanderweg über die Bergwerkstraße. Gleich zu Beginn dieser Straße befindet sich das Weingut der Biowinzerin Anja Stritzinger. Die Liebe zum Weinbau hat sie über ihren Vater entdeckt, der früher Kellermeister der Stadt war. Sie betreibt erfolgreich den biologischen Weinanbau mit Leidenschaft, Überzeugung, viel Arbeitseinsatz, neuen, guten Ideen und einer überzeugend positiven Einstellung zur Natur. Ihre weinbaulich gemäß der Natur genutzten Rebflächen befinden sich zum Teil rechts und links von diesem Abschnitt des Rotweinwanderwegs in Terrassensteillagen des Hochbergs mit seinen historischen und neu errichteten Buntsandsteinmauern und -treppen. Die Winzerin hat Weißweine, Rotweine und wie andere Winzer auch Spezialitäten im Angebot. Eine besondere Köstlichkeit ist ihr Rotwein Alter Satz, bei dem über 20 verschiedene Rebsorten aus einem guten, alten Weinberg kommen. Verkostungen, aber auch Weinbergs und Betriebsführungen sind nach Anmeldung möglich.

Der Weg führt zu einem der magischen Punkte des Frankenweins, dem Klingenberger Terroir F Punkt, direkt am Wanderweg mit lesenswerten Infotafeln. Dort ist ein modernes Gebäude errichtet worden. Besucher können nach Anmeldung an einem Ausschank im Rahmen einer Weinbergsführung oder Wanderung teilnehmen  oder sich einfach nur ausruhen vor dem Weitergehen. Belohnt wird man in jedem Fall mit der Aussicht auf die faszinierende Kulturlandschaft am Main.

Wer in Churfranken Urlaub macht, sollte die bekannte, mittelalterliche Stadt Miltenberg mit der unmittelbar am Main gelegenen Altstadt nicht auslassen. Auch dieser Ort steht für regionale Genüsse und teilweise unverwechselbare Fachgeschäfte. Sogar wenn man die Stadt schon einmal besucht hat, hier lässt sich immer wieder etwas Neues entdecken. In der langen Fußgängerzone befindet sich das Gasthaus „Zum Riesen“, das das älteste Gasthaus Deutschlands sein soll. Dort kann man seit Jahrhunderten eine deftige Mahlzeit zu Wein oder Bier -bei Sonnenschein auch vor dem Haus- genießen. Täglich finden Stadtführungen mit gut ausgebildeten Stadtführer*innen statt, die man auch nach eigenen Interessen vorab buchen kann.

Wer allein bummelt, sollte am historischen Marktplatz und der Stadtpfarrkirche St. Jakobus Kirche vorbei auch in das historische Schwarzviertel gehen. Dort in der Hauptstraße hat der Bäckermeister Volker Mayer sein Stammhaus. Miltenberg hat mehrere hervorragende Bäcker, einer von Ihnen ist Volker Mayer, der als Brotsommelier spezielles Brotwissen hat und erklären kann, welches Brot am besten zu welchen Speisen und Getränken passt. Wer dann noch weiter genießen möchte, für den empfiehlt sich ein Besuch des „Brauhaus Faust“ zu Miltenberg aus dem Jahr 1631. Das Brauhaus der Familie Faust kann zur Coronazeit nur nach den jeweils gültigen Bestimmungen besichtigt werden. Die Bierspezialitäten gibt es von hell bis dunkel in zahlreichen Geschmacksrichtungen bis hin zum Eisbockbier.

Wer einen Urlaub in der Region Churfranken „krönen“ will, sollte sich für einen Rundflug begeistern lassen. Der Flugsportclub Miltenberg EDFU bietet solche Flüge zu fairen Preisen nach vorheriger Absprache an. Bei diesen Rundflügen ab dem auf einem Hochplateau gelegenen Flughafen Mainbullau bietet sich die Möglichkeit die wunderbare Landschaft des Maintals, die Weinberge, Wälder, Wiesen und Felder sowie die kleinen Orte aus der Vogelperspektive anzusehen. Deshalb ist Fliegen in einer Sportmaschine mit einem erfahrenen Piloten, der Land und Leute kennt, ein außergewöhnliches, faszinierendes Erlebnis, das sich Urlauber in der Genuss-Region Chur-Franken als weiteren, unvergesslichen Genuss gönnen sollten. Nähere Auskünfte dazu gibt es am Tower des kleinen Flughafens.

Bei der Abreise vom Bahnhof Miltenberg, lese ich einige Textzeilen des Frankenliedes, der inoffiziellen Landeshymne von Franken: „Ich will zur schönen Sommerszeit ins Land der Franken fahren“. Das ist ein guter Vorsatz, denn es gibt noch soviel mehr zu entdecken.

(cel)