28. Sep. 2020

Reisen

Wenn Markus Döhla von der Tourismuszentrale Fichtelgebirge e.V. von seiner Region schwärmt, dann geht es nicht mehr nur um Wintersport und Wandern. Längst ist das Thema „Gesundheit“ für die Orte in der waldreichen Region im Norden von Bayern zu einem wichtigen Thema geworden. Vorbei sind die Zeiten, in denen von den Krankenkassen finanzierte Kuren und die Lage an der innerdeutschen Grenze Jahr für Jahr rund 200.000 Übernachtungen in Orte wie Bad Berneck brachten – doch durch eine Vielzahl von Aktivitäten hat man es in den letzten Jahren geschafft, den Trend zu drehen und mit ganz unterschiedlichen Konzepten wieder mehr Gäste anzusprechen. Ein weiteres Mosaik in dieser Erfolgsgeschichte ist der Verein ILE Gesundes Fichtelgebirge. Er verbindet die Aktivitäten der verschiedenen Orte, vernetzt die engagierten Initiativen in der Region und sorgt mit Zugang zu Fördermitteln dafür, die Region noch attraktiver zu machen.

Das Mineral- und Moorheilbad Alexandersbad war einst ein Treffpunkt der High Society. Basis dafür war die Entdeckung einer Heilquelle im Tal der Heuleite im Jahr 1734. Markgraf Alexander erkannte Jahrzehnte später das Potential des Wassers und ließ Parks, Alleen und ein Badehaus für die in die Region kommenden Kurgäste anlegen. Als Nachkurort der Böhmischen Bäder gewann der Ort weiter an Renommee und wurde schließlich sogar vom preußischen König besucht. Auch Johann Wolfgang von Goethe besuchte den Ort, sodass die Gothe-Gesellschaft jüngst eine Büste des Dichters neben der Luisenquelle aufgestellt hat. Nach langer positiver Entwicklung stand der Ort mit den Gesundheitsreformen vor der Herausforderung sich neu zu erfinden. Das gelang 2017 mit dem Neubau des kommunalen Alexbads. Das Schwimmbad mit angeschlossenem Gesundheits- und Wellnessangebot wurde eröffnet und zeigte Einheimischen wie Touristen, dass das mit knapp tausend Einwohnern kleinste Heilbad Bayerns in die Zukunft investiert. Auch die Schlossterrassen wurden neu gestaltet und sind nun ein attraktiver Ort mit hoher Aufenthaltsqualität. Nicht weit von Bad Alexandersbad liegt das Felsenlabyrinth Luisenburg. Seit rund 300 Millionen Jahren liegen teils gigantische Granitblöcke in der Landschaft und inspirierten schon Goethe und andere Berühmtheiten. Ein Rundweg führt vorbei an sehenswerten Felsformationen, an bemoosten Felsen und durch enge Durchgänge. Das Granitsteinmeer von Wunsiedel gilt als das größte in ganz Europa.

Eine lange Geschichte hat auch Bad Berneck, das im Tal zwischen sieben Bergen eingebettet ist. Durch die Grenzlage der Stadt und die Lage an der Fernhandelsstraße „Via Imperii“ von Rom nach Stettin wurden über sechs Jahrhunderte immer wieder Burgen und Festungen erbaut, die in Teilen bis heute erhalten sind. Bei einer Wanderung oberhalb des Kurparks gelangt man zur eindrucksvollen Burganlage Hohenberneck aus dem Ende des 15. Jahrhundert. Die Burg verfügte einst über drei Wallgräben, einen schlossähnlichen Palas und eine Wasserversorgung über Rohrleitungen. Die Burg wird aktuell renoviert und kann daher nur von außen besichtigt werden. Besuchen kann man dafür die zur gleichen Zeit entstandene wehrhafte Marienkapelle. Die Burgkapelle, in der es einst eine wundertätige Marienstatue gegeben haben soll, ist mit zahlreichen Schießscharten versehen. Erhalten geblieben ist auch der Bergfried des „Alten Schlosses“ aus dem 13. Jahrhundert. Unterhalb im Ölschnitztal liegt der moderne Kurpark mit Kneipp-Becken. In Bad Berneck kann man die fünf Säulen der Lehre von Sebastian Kneipp erleben. Dabei geht es um Wasser, Kräuter, Ernährung, Bewegung und Balance. Ein weiteres Highlight ist der Dendrologische Garten. Historiker Florian Fraas (39) ist Experte für diesen Baum- und Gehölzpark mit reicher Geschichte. „Ein Kleinod“ nennt er den Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Fabrikanten und Weltreisenden Wilhelm Rother angelegten Landschaftspark, in dem seltene Bäume aus aller Welt zu sehen sind. Nach dem Tod seines Stifters geriet der Park über rund ein Jahrhundert in Vergessenheit – und entwickelte sich wie im Dornröschenschlaf. Heute ist der Park durch ehrenamtliches Engagement wieder frei zugänglich und gibt Einblick in die Welt der Bäume – und die des Bergbaus. Der Park ist in drei Ebenen unterteilt. Im unteren Teil des frei zugänglichen Parks stehen Laubbäume wie Schneeballahorn. Auf der mittleren Ebene informieren reich bebilderte Tafeln über die Bergbaugeschichte. Einst wurde an genau dieser Stelle Alaunschiefer abgebaut. Der Forscher Alexander Humboldt testete in dem durch schwefelhaltige Einschlüsse gefährlichen Bergwerk „Beständiges Glück“ 1795 eine neue Grubenlampe – und wäre dabei beinahe zu Tode gekommen. Im Park steht mit einer Moltkelinde einer von drei Deutschen Rekordbäumen. Auch die Nadelbäume auf der höchsten Ebene des Dendrologischen Gartens sind sehenswert. Dann bleibt noch Zeit für einen Besuch des naturnah gepflegten Kurparks mit Wildblumenwiesen, Schmetterlingshang und den frisch renovierten alten und neuen Kolonnaden. Als einer der hundert Genussorte in Bayern hat Bad Berneck auch kulinarisch etwas zu bieten. Mehrere Gastronomiebetriebe mit fränkische Küche machen den Marktplatz zu einem Genusszentrum. Dass Bad Berneck als die Perle des Fichtelgebirges bezeichnet wird, hat einen historischen Hintergrund. Einst entwickelten sich im Wasser des Flusses Muscheln mit wertvollen Süßwasserperlen.

Im Jahr 1299 wurde Weißenstadt erstmals urkundlich erwähnt. Heute dreht sich in der am 1976 angelegten Weißenstädter See gelegenen Stadt eine Menge um präventive Gesundheitsvorsorge. Mit dem "Siebenquell® GesundZeitResort"  ist vor einigen Jahren eine moderne Therme mit mehr als 1.000 m² Wasserfläche entstanden. Neben der Wasserwelt gibt es in dem modernen Resort eine Saunawelt mit acht Saunen. Highlights sind eine Brauereisauna (95 Grad), eine Fischerhütte (80 Grad) mit eigenem Erfrischungsteich und eine Bergwerkssauna (85 Grad), in der man unter funkelndem Bergkristall entspannen kann. Außergewöhnlich ist auch die „GesundZeitReise“. In ganz unterschiedlichen Räumen werden die Badekulturen der heilmedizinischen Hochkulturen, von den Ägyptern über die Griechen und Römer bis zur Neuzeit, zum Leben erweckt. Wer mag kann ein Sandbad in der Tradition der Ägypter nehmen, im Mineralienschwebebecken die Wirkung der Mineralien aus dem Toten Meer erleben oder auf andere Weise eine Auszeit vom Alltag nehmen. Auch darüber hinaus hat Weißenstadt einiges zu bieten. Interessant sind nicht nur die rund 130 Felsenkeller am Ortsrand oder die historischen Scheunen, sondern auch das Museum „Rogg-In“. Das Informationszentrum für Roggen-Kultur informiert die Besucher auf kurzweilige Art und Weise über das Brotgetreide des Fichtelgebirges. Anbau, Verarbeitung und Vorzüge von Roggen werden multimedial dargestellt. Ein Roggengarten vor dem Museum lässt das Getreide auch live erleben.

Der heilklimatische Kurort Bischofsgrün bietet Naturerlebnisse und Freizeitspaß. Am Erlebnisberg Ochsenkopf steht nicht nur die für Skispringer interessante Ochsenkopfschanze, sondern auch die Allwetter-Rodelbahn „Alpine Coaster“. Mit bis zu 40 km/h rast man auf der familientauglichen Bahn ins Tal und erlebt dabei die Natur in rasantem Tempo. Gemächlicher geht es auf den mehr als 300 km markierten Wanderwegen zu. Der 10.4 km lange, zertifizierte Rundweg Ochsenkopf-Weißmainsteig beginnt am Fuß der Seilbahn und führt dann durch ein malerisches Flusstal in den Wald und den Berg hinauf.  Abschalten und Genießen ist angesagt während man auf den in weiten Teilen naturbelassenen Wegen durch das Mittelgebirge wandert. Wer mag, kann sich auf seiner Tour von Wanderführerinnen wie Annika Schreier begleiten lassen. Nachdem der erste Teil des Weges den Fluss entlang führt, wird es später anspruchsvoller. Auf dem Weg zu den Weißmainfelsen und der in Steinen eingefassten Quelle des Flusses geht es im Bischofsgrüner Forst einige Höhenmeter hinauf. Höchster Punkt des Rundwegs ist der 1.024 Meter hohe Gipfel des Ochsenkopfes.

Die vier Gesundheitsorte im Fichtelgebirge ergänzen sich durch ihre ganz unterschiedlichen Schwerpunkte und machen die Region zu einem reizvollen Urlaubsziel für Gäste, die die Natur erleben, zu moderaten Preisen einkehren und wohnen möchten und etwas für ihre Gesundheit tun wollen.

(SMC)