04. Dez. 2022

Reisen

Gut ausgeschildert und mit einer informativen App versehen ist der deutsch-polnische Rundweg sowohl für klassische Radfahrer als auch für Urlauber mit dem E-Bike attraktiv. Wer es komfortabel mag, kann sich auf dem Rad ohne Gepäck auf den Weg machen und die Koffer zwischen den Unterkünften transportieren lassen. So bleibt noch mehr Kraft die sehenswerten Orte am Wegesrand zu entdecken und sich von der Naturlandschaft verzaubern zu lassen.

Ein guter Ausgangspunkt für die Radtour ist die auch mit der Bahn gut erreichbare Hansestadt Anklam. Hier kann man das Auto abstellen, Räder ausleihen und – vielleicht in Verbindung mit einer ersten Übernachtung – die Stadt und ihre Umgebung erkunden. In der Stadt kann man die im Jahr 1280 von Kaufleuten, Seefahrern und Fischern errichtete Nicolai-Kirche besuchen. Ihr 103 Meter hoher Turm symbolisierte für die Anklamer damals schon Freiheit und Wohlstand. Gleich gegenüber der Kirche befinden sich das Rathaus der Stadt und der Marktplatz. Spruchbänder im Pflaster erzählen die Stadtgeschichte. Flugpionier Otto Lilienthal ist einer der großen Söhne der Stadt. Die Erinnerung wird im Stadtbild lebendig gehalten. Verlässt man das Stadtzentrum und fährt über die Peene-Tor-Brücke zum nördlichen Flussufer, gelangt man zum Kanuhof und zum Fluss-Café. Antje Enke und ihr Team haben sich das „Abenteuer Flusslandschaft“ auf die Fahnen geschrieben und verleihen unter anderem sieben Hausboote und Boote, mit denen man das Peenetal erkunden kann, in dem 156 verschiedene Vogelarten – darunter Seeadler und Silberreiher – gezählt wurden. Auch den Anklamer Stadtbruch hat die Natur zurückerobert. Wo einst Kühe weideten, entwickelt sich heute auf 220.000 m² das größte Flusstalmoor Europas. 

Wer auf dem Radweg unterwegs ist, verlässt Anklam in Richtung Osten. Die erste Etappe von 36 km führt bis ins Seebad Ueckermünde. Auf dem Weg kommen wir durch den staatlich anerkannten Erholungsort Mönkebude. Im Hafen des Ortes liegt das Zeesenboot „Ghost“ vor Anker. Kapitän Aldin Hader hat in das Traditionsschiff, das früher als Fischerboot genutzt wurde, „viel Herzblut, viel Arbeit" gesteckt. Nach einer malerischen Radtour am Haff entlang erreichen wir schließlich Uckermünde. Rita Gebbert-Koch bietet regelmäßig eine unterhaltsame Kostümführung an, bei der die Geschichte der Stadt und ihre historischen Gebäude wie die Strandhalle im Stil der Bäderarchitektur im Mittelpunkt stehen. Zum Ausklang des Tages kann man die Idylle am Haff genießen, durch den Stadthafen bummeln oder sich zum Sonnenuntergang in den feinen Sand am Strand setzen. Übernachten kann man zum Beispiel im Hotel Haffhus Uckermünde. Das als nachhaltig zertifizierte Hotel besteht aus drei reetgedecken Apartmenthäusern.

Am nächsten Tag geht es weiter von Uckermünde bis ins polnische Trzebiez. Die 42 km lange Strecke führt zunächst nach Altwarp. Dort kann man die teilweise bewachsenen Binnendünen besuchen und bei der Fischereigenossenschaft Haffküste fangfrischen Fisch genießen. Wer den Weg etwas abkürzen möchte, nimmt von Altwarp für die Überfahrt nach Polen die Fähre „Lütten Matt“. Kapitänin Christine Bocklage macht die kurze Fahrt zu einem unterhaltsamen Erlebnis. In Neuwarp – so der einstige Name der polnischen Ortschaft Nowe Warpno gibt es eine Aussichtsplattform. Auch das historische Rathaus und die Kirche kann man sich anschauen. Auf dem weiteren Weg über Karszno, Warnoleka und Trzebiez lohnt es sich immer wieder anzuhalten und die Umgebung zu entdecken. Kirche und Schloss in Karszno sind genauso sehenswert wie die Fachwerkkirche in Warnoleka oder der kleine Hafen in Trzebiez.

Eine dritte Etappe führt über 46,6 km bis ins pulsierende Stettin. Die von markanten Türmen umgebene polnische Großstadt ist bekannt für ihre Gastfreundschaft – und bietet eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten wie die Hakenterassen und das Schloss der Pommerschen Herzöge. Eine rot-gestrichelte Linie führt im Stadtzentrum über acht Kilometer zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten.

Weitere Etappen führen von Stettin nach Goleniow, von dort nach Wolin, zurück über die Grenze ins Seebad Ahlbeck auf Usedom und schließlich zurück nach Anklam. Bei der Radtour rund um das Stettiner Haff kann man Vorpommern und die Woiwodschaft Westpommern aktiv entdecken und die Natur- und Kulturlandschaft im Nordosten entdecken. Fischerdörfer, Häfen und Schlösser gehören genauso zur Region wie naturbelassene Sandstrände, Strandkörbe und unberührte Natur. Vom Rad aus kann man bei der Tour durch Wälder, Wiesen, Heide und Moore und an der Haffküste die Ruhe und die Weite der Landschaft erleben. Nicht umsonst gehört Mecklenburg-Vorpommern zu den beliebtesten Zielen für Radurlaub in Deutschland.

(SMC)