25. Mai. 2019

Reisen

Tiefenbacher Froschgurgler? Katastrophenband Rohrdorf? Dorfbachfurzer Breitenbrunn? Das sind nur einige Namen der Musikgruppen, die zur Guggennacht in Isny zusammenkamen. Fast 450 Hobbymusiker verwandelten den heilklimatischen Kurort im württembergischen Allgäu mit ihren Kostümen und Instrumenten in ein musikalisches und kulturelles Zentrum der Guggenmusik. Anlass der Zusammenkunft in Isny war das 40. Jubiläum der „Guggenmusik Isny“. Deren Präsident Michael Motz, im Alltag Augenoptiker, freute sich sichtlich über den Zuspruch, den das Event in der Einkaufsstraße vor dem historischen Rathaus fand.

1979 wurde in Isny die erste Guggenmusik gespielt. Damals kamen neun Musiker zusammen, um an die Fasnachtstradition anzuknüpfen und begründeten so eine neue kulturelle Tradition für ihre Heimatstadt. Heute stammen die Aktiven aus allen Branchen - vom Handwerker bis zum Piloten, vom Schüler bis zu Selbstständigen. Männer und Frauen sind gleichermaßen unter den 50 aktiven Mitgliedern des 1986 gegründeten Vereins Guggenmusik Isny. Für die beginnt die Saison mit der ersten Probe im November. Bis zum Aschermittwoch wird geprobt, gespielt, gereist und immer wieder Musik gemacht. Wo einst auf Topfdeckel geschlagen und mit Trillerpfeifen gelärmt wurde, steht heute echte Musik auf dem Programm. Die von Pauken und Blasinstrumenten dominierte Instrumentalmusik interpretiert Klassiker der Musikgeschichte – eignet sich aber auch für selbst geschriebene Stücke. „Wir sind drei Monate zusammen unterwegs“, weiß Marcel Singer, Ehrenpräsident und dienstältestes Mitglied der Guggenmusik Isny. 

Wer zu welcher Gugge gehört, erkennt man an den phantasievollen Kostümen und den geschminkten Gesichtern. Die Guggenmusik Isny trägt in diesem Jahr einen schwarzen Pfeil im Gesicht. Ein grüner und blauer Hintergrund und ein rautenförmiges Muster mit Glitzer zaubern ein Lächeln ins Gesicht. „Wer sich selbst schminkt braucht je nach Erfahrung 15-30 Minuten“, erklärt Michael Motz. Die passenden Kostüme sind farbenfroh und garantiert unverwechselbar. Sie stammen in diesem Jahr von einem kleinen Atelier aus Isny. Da möchten die anderen Guggen natürlich nicht hinter zurückbleiben. Manche haben sich die Farbmuster ins Gesicht gesprüht. Andere tragen uniformartige Jacken und einheitliche Masken. Die phantasievollen Kostüme zeigen Präsenz – und scheinen im Wettkampf immer bunter und interessanter zu werden. Das gilt auch für den Schmuck der Instrumente. Teufelshörner an der Posaune? Blinkende Leuchtdioden in der Pauke? Oder gleich ein überdimensionaler Schirm, der über den Köpfen der Zuschauer geschwungen wird? Bei der Guggenmusik wird für alle Sinne etwas geboten.

„Wer bei uns mitmacht, muss positiv verrückt sein. Man sollte die Fasnacht im Blut haben“, sind sich die Isnyer einig. Mitmachen kann jeder ab 18, denn neben den Umzügen zur Mittagszeit sind die Guggen auch nachts bei Bällen im Einsatz. Wer mitmachen möchte, muss ein obligatorisches Probejahr überstehen, sollte ein Instrument beherrschen und ein gutes Gedächtnis haben. Rund 30 Stücke hat die Guggenmusik Isny im Repertoire – und Noten sind auf der Bühne für den Ehrenpräsidenten ein No-Go. Mit dabei sind „Highway to Hell“, aber auch „I was made for loving you“. Fehlt ein eigentlich nötiges Instrument, werden die Stücke kurzerhand für die Gugge umgeschrieben. Michael Motz, der selbst schon viele Jahre dabei ist, ist sicher: „Das musikalische Niveau ist intensiv gestiegen!“ Recht hat er, wie das Publikum bei der Isnyer Guggennacht feststellt. Ab 17 Uhr waren dort zwölf verschiedene Guggen zu hören. Nach dem Auftritt der Lokalmatadore aus Isny ließen alle Guggen gemeinsam die Instrumente beim legendären Monsterkonzert erklingen. Doch damit war noch lange nicht Schluss. Bis nach Mitternacht feierten die Freunde der Guggenmusik bei Bällen im Kurhaus und im Feuerwehrhaus. Zudem waren die Guggen in zehn Gaststätten mit kurzen Livekonzerten zu Gast und verwandelten so die Innenstadt von Isny in eine musikalische Erlebniswelt mit einem angenehmen, fröhlichen Publikum vom Jugendlichen bis zum Rentner.

Bis zum Aschermittwoch wird in Isny bei verschiedenen Gelegenheiten Guggenmusik gespielt. Doch auch so hat die ehemalige Reichsstadt viel zu bieten. Im Untergeschoss des Wassertors kann man im historischen Gefängnis der Stadt  Zeichnungen der früheren Gefangenen bewundern. Im Schloss erinnern prächtige Gebäude an die Geschichte der Stadt. Ein Teil der Stadtmauer steht bis heute und kann über einen hölzernen Wehrgang erschlossen werden. Auch das Rathaus ist einen Besuch wert. Es wurde ursprünglich von einer reichen Kaufmannsfamilie gebaut und begeistert durch die schmucke Innenarchitektur, aber auch durch seine bis heute nicht gelüfteten Geheimnisse. So könnte eine kleine Klappe in der Wandverkleidung eine Möglichkeit gewesen sein, Besucher die mehrere Etagen tiefer vor der Tür stehen, von oben zu sehen. Natürlich lohnt sich auch ein Ausflug ins Umland. Mit dem Auto gelangt man auf den „Kapf“, wo man eine Wanderung machen und dabei das Bergpanorama genießen kann.

(kk)