18. Apr. 2024

Reisen

„Hannover? Das war große Liebe auf den zweiten Blick“, so Stadtführerin Elke Siebert bei ihrer Tour durch die niedersächsische Landeshauptstadt. Doch diese Liebe hat es in sich – und längst hat Elke Siebert nicht nur entdeckt, wie lebenswert die Stadt für ihre Einwohner ist, sondern begeistert bei ihren Führungen die Besucher der Stadt. Ein guter Ausgangspunkt, um die Stadt zu entdecken sind die Herrenhäuser Gärten. Der Barockgarten wurde ursprünglich im 17. Jahrhundert angelegt und diente den Herzögen zur Zerstreuung. Maßgeblich geprägt hat den Garten Kurfürstin Sophie von der Pfalz, die ihn im Stil ihrer niederländischen Heimat umgestalten ließ. Eine umlaufende Gracht, eine Wasserfontäne, die heute eine Höhe von bis zu 80 Meter erreicht und eine in modernen Zeiten von der Künstlerin Niki-de-Saint-Phalle farbenfroh umgestaltete Grotte machen den Park auch heute zu einem Anziehungspunkt. Vor zehn Jahren wurde das im Krieg zerstörte Schloss Herrenhausen, die einstige Sommerresidenz der Welfen, als Tagungszentrum wieder aufgebaut und rundet das Ensemble der Gebäude im Eingangsbereich ab.

Historische Kulisse für modernes Feuerwerk

Die Herrenhäuser Gärten sind auch in diesem Sommer eine gelungene Kulisse für einen internationalen Feuerwerkswettbewerb. Pyrotechniker aus verschiedenen Ländern verwandeln in diesem Jahr schon zum 31. Mal den nächtlichen Himmel über der Parkanlage für fast eine halbe Stunde in ein farbenfrohes Lichtermeer. Teams aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Belgien und Österreich wetteifern an fünf Abenden zwischen Mai und September mit ihren auf Musik abgestimmten Feuerwerken um die Gunst der Zuschauer. Schon vor dem Feuerwerk sorgt ein buntes Begleitprogramm für Unterhaltung – und nach dem Feuerwerk kann man noch einen Spaziergang durch den nächtlichen Park machen.

Mit dem Kanu die Stadt entdecken

Eine ungewohnte und doch spannende Perspektive auf Hannover bietet eine rund zweistündige Kanutour, die man allein oder mit einem Guide unternehmen kann.  Der Student Nikolas Podesky ist mit 23 Jahren der jüngste Stadtführer Hannovers. Während der Bootsfahrt vom Olympiastützpunkt aus erzählt er von der Stadt, ihrer Geschichte und ihrer Gegenwart. Die Bootstour führt zunächst flussabwärts und kommt am Ihme-Zentrum vorbei. Die Hochhäuser direkt am Fluss stehen auf dem größten Betonfundament des Landes. Trotz seiner malerischen Lage ist das Zentrum durch Leerstände und seinen baulichen Zustand ins Gerede geraten. Viel malerischer ist das andere Ufer – mit Biergarten und Beachbar für eine Pause während der Bootstour. Die Tour führt zurück in die Stadt zum Hohen Ufer – und bringt mit sich, dass die Kanuten ihr Boot mit Hilfe eines Rollwagens für einige hundert Meter durch die Stadt schieben müssen, bevor es wieder ins Wasser geht. Die Tour bietet einen Einblick in Geschichte und Gegenwart der Stadt.

Ein Blick von oben

Wer sich die Stadt lieber von ganz oben anschauen möchte, macht einen Ausflug zum Neuen Rathaus. Der von 1901 bis 1913 errichtete Prachtbau in der Nähe des Maschsees ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Das Rathaus ist mit einem Bogenaufzug ausgestattet, mit dem jeweils sechs Gäste 43 Meter bis zur Aussichtsplattform der Kuppelgalerie fahren können. Dabei neigt sich der mit Sichtfenstern in Decke und Boden ausgestattete Aufzug um bis zu 17 Grad. Dann folgen noch einige Treppenstufen. Belohnt wird man mit einem hervorragenden Ausblick auf die Stadt, das Naherholungsgebiet Maschsee und bei schönem Wetter bis zum Harz.

Karikaturen und Erdgeschichte

„WeltenMuseum“ nennt sich das Landesmuseum Hannover. Damit verspricht es nicht zuviel, denn mit den Themen Natur, Menschen, Kunst und Digital hat es einiges zu bieten. Aquarien mit farbenfrohen Fischen sind genauso zu sehen wie Dinosaurier-Knochen und andere Artefakte aus der Frühzeit der Menschheit. In eine ganz andere Richtung geht die Ausstellung im Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst. Hier wurden originelle Cartoons – durchaus auch zu brisanten und aktuellen politischen Themen zusammengetragen. Im Obergeschoss sind darüber hinaus Zeichnungen von Wilhelm Busch zu sehen. Nicht nur für Familien sehenswert ist der Erlebnis Zoo Hannover. Der Tierpark hat seine Fläche in verschiedene Themenwelten aufgeteilt und präsentiert in diesen Tiere aus der jeweiligen Region. Ein regionaler Bauernhof ist die perfekte Kulisse für fast schon ausgestorbene Haustierrassen. Besonders eindrucksvoll gestaltet ist der Yukon-Bereich in dem Eisbären vor Schiffskulissen zu sehen sind und Robben lebhaft durch ein mit Wellenmaschine ausgestattetes Becken tollen. Eine Bootsfahrt durch einen Bereich mit afrikanischen Tieren ist genauso möglich wie bei den über den Tag verteilten Fütterungen der Tiere dabei zu sein. Für Kinder sind zahlreiche Spielelemente, darunter ein Hügel mit Rutschen, in das Gelände integriert. Am Abend zeigen Artisten und Entertainer im GOP-Varieté ihr Können. Von Hannover aus hat sich das GOP zum beliebten Varieté in vielen deutschen Städten entwickelt. Wechselnde Programme mit Artistik, Magie und Unterhaltung begeistern auch das Publikum am Stammsitz Hannover.

Kulinarisch ein Erlebnis

Auch kulinarisch hat Hannover einiges zu bieten. Dabei profitieren die Gäste davon, dass die allermeisten Orte in der Innenstadt gut zu Fuß oder zumindest mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Das gilt zum Beispiel für das Hoflokal am Rande des Zoos, das auch ohne Eintrittskarte besucht werden kann. Es verbindet traditionelle Gerichte mit modernem Zeitgeist. Bei schönem Wetter ist die mit Sonnenschirmen ausgestattete Terrasse der schönste Platz, um mit dem etwas rustikalen Kellner zu scherzen und die Köstlichkeiten aus der Küche zu probieren. Deutlich traditioneller ist das Broyhan Haus in der Altstadt. Das Restaurant liegt im Obergeschoss eines historischen Gebäudes in der Fußgängerzone. Auch hier steht traditionelle Küche im Mittelpunkt. Empfehlenswert sind zum Beispiel die Spargelsuppe oder das hervorragende Lachsfilet. Ein besonderes kulinarisches Erlebnis selbst für Feinschmecker ist das Restaurant im „me and all Hotel“ am Aegidientorplatz. Die Speisekarten sind in alte Bücher eingelegt. Das Dinner beginnt mit einem Holztablett, auf dem gebettet auf Lavasteine zwei kleine Brötchen und aufgeschäumte Orangenbutter gereicht werden. Der Gruß aus der Küche wird auf Holzklötzchen gereicht und ist ein Erlebnis für alle Sinne. Die Küche versteht es selbst bekannte Gerichte wie eine Spargelsuppe neu zu interpretieren. Der Kellner bringt einen fast leeren Teller mit etwas grünlich schimmerndem Öl. Die eigentliche Suppe wird aus einer kleinen Karaffe dazugegeben. Und auch der Hauptgang hat es in sich. Roulade bedeutet hier nicht nur eine zarte Roulade – sondern auch einen schmackhaft in Öl gebratenen Salat und eine Deko aus knusprigen Zwiebelringen. Die Forelle wird eingerollt in ein Seetangblatt serviert – auf einem Gemüsespiegel mit Spargel und karamellisierten Fenchelsamen. Und auch das Dessert verzaubert den Gaumen. Auch kulinarisch bietet die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover ein Feuerwerk für die Sinne.

(SMC)