25. Sep. 2022

Reisen

Wer durch die belebte Innenstadt von Innsbruck eilt, schnell ein Foto unter dem Goldenen Dacherl macht und in das geschäftige Leben der Großstadt eintaucht, der kann kaum glauben, dass nur sieben Kilometer entfernt ein entspanntes und doch vielseitiges Wandergebiet liegt. Mit dem Postbus geht es in der Woche alle zehn Minuten – und am Wochenende jede Viertelstunde – direkt aus dem Stadtzentrum bis ins beschauliche Igls und zur Talstation der Patscherkofel-Bahn. Die Gondeln bringen die Passagiere in wenigen Minuten 956 Höhenmeter nach oben und mitten in eine idyllische Bergwelt, in der Wanderer zwischen einer Vielzahl von Wegen auswählen können. Eine Reihe gastronomischer Betriebe sorgt dafür, dass man immer mal wieder Rast machen kann, um eine regionale Spezialität oder einfach ein kühles Getränk zu genießen. Im Sommer fährt die Bahn von 9 bis 17 Uhr – donnerstags sogar bis 23 Uhr – sodass man einige Stunden Zeit hat, um die Bergwelt in Eigenregie zu entdecken.

Zirbenweg nennt sich eine besonders schöne Wanderung. Diese beginnt in der Bergstation der Patscherkofelbahn und führt über einen relativ leicht zu gehenden Weg rund sieben Kilometer bis zur benachbarten Seilbahn. Mit der geht es zurück ins Tal und dort mit dem Postbus wieder zurück zum Ausgangspunkt. Wer schnell ist, schafft das in 2,5 Stunden, sodass eigentlich noch Zeit bleibt, um im Restaurant „Das Kofel“ in der Bergstation nicht nur die spektakuläre Aussicht zu genießen, sondern auch noch ein Genussfrühstück zu bestellen.  Das Frühstück wird auf einer schmucken Etagere serviert und ist nicht nur reichhaltig und abwechslungsreich, sondern auch sehr schmackhaft. Mit Blick auf das Bergpanorama genießt man zum Beispiel knusprige Brötchen, frischen Kakao und Käsespezialitäten. Gut gestärkt geht es los – vorbei an den läutenden Glocken des Weideviehs und unter den wachen Augen der Tiere, die den Sommer über auf der Alm grasen. Der Weg bietet einen hervorragenden Blick auf Innsbruck und in die alpine Welt.

Am Wegesrand stehen nicht nur Zirben, nach denen der Weg benannt ist, sondern auch blühendes Edelweiß und knorrige Fichten. Hin und wieder laden Bänke zu einer Rast mit Panoramablick ein. Einzelne Infotafeln erklären den außergewöhnlichen Lebensraum hoch in den Bergen. Auf den sieben Kilometern sind 200 Höhenmeter nach oben und 100 Höhenmeter nach unten zu überwinden. Während man den Weg entlang schlendert, kann man die Hektik des Alltags hinter sich lassen und über wild gewachsene Bäume, riesige Felsbrocken und das eindrucksvolle Panorama staunen. Kurz vor Ende des Zirbenwegs erreicht man die Tulfein-Alm. Der kauzige und doch freundliche Wirt hat unter anderem Buttermilch mit Marillen-Saft im Angebot – und natürlich auch einen Imbiss vom Schnitzel bis zum Kaspressknödel. Nicht verpassen sollte man den süßen Strudel, den die Alm-Küche in wenigen Minuten auf den Tisch bringt. Von der Alm ist es nicht mehr weit zur Bergstation der Seilbahn. Mit dem Tulfein Express bis zur Mittelstation und dann weiter mit der Glungezerbahn geht es zurück ins Tal. Von Tulfes aus fährt regelmäßig ein Bus zurück nach Igls, der genau wie die beiden Seilbahnen im Preis des Zirbenweg-Tickets enthalten ist.

Der Patscherkofel hat noch mehr zu bieten. 86 Wanderwege und 15 Almen hat man am Hausberg gezählt. Ein anderer Weg führt von der Bergstation der Seilbahn zum Gipfel, der in einer Höhe von 2.246 m liegt. Knapp 300 Höhenmeter bis zum Gipfel lohnen sich, denn auch wenn die Hütte mit der Gipfelstube aktuell noch geschlossen ist, bietet der Gipfel einen schönen Rundum-Blick in die Berge. Auf dem Gipfel steht ein Funkturm, dessen stilisierte Form sich im Maskottchen des Hausbergs wiederfindet. Nach dem Weg zum Gipfel kann man gleich neben der Bergstation den Alpengarten besuchen. Der höchstgelegene Botanische Garten Österreichs zeigt auf einem beschilderten Rundwanderweg eine Vielzahl alpiner Pflanzen und gibt so einen guten Überblick über die Vegetation in den Bergen.

Der bequemste und schnellste Weg zurück ins Tal ist die Patscherkofelbahn. Wer gut zu Fuß ist, kann aber auch ins Tal wandern. Von der Bergstation führt ein schöner Wanderweg zur Hochmahdalm. Auf der liebevoll dekorierten Terrasse kann man Rast machen und einige der regionalen Spezialitäten genießen. Ein Mohn-Zwetschgenkuchen und ein Marillensaft für den kleinen Hunger? Oder Kaspressknödel, Sauerkraut und Wurst als deftige Alternative? Das schmeckt nicht nur gut, sondern sieht auch hervorragend aus. Wer mag, bekommt dazu Tipps für die weitere Wanderung.  Wer wirklich gut zu Fuß ist, macht sich an den weiteren Abstieg über die Patscher Alm und weiter zum Alpengasthof Heilig Wasser. Der ist nur für echte Hundeliebhaber zu empfehlen, denn die Tiere der Besitzer begrüßen nicht nur die Gäste freudig und lautstark, sondern machen es sich auch auf Stühlen und Liegen bequem. Wer das gerne mag, kann aus der etwas umfangreicheren Karte bestellen – oder in der direkt angrenzenden Kirche ein paar ruhige Minuten verbringen, bevor der Weg weiter in Richtung Talstation der Seilbahn oder noch weiter ins Ortszentrum von Igls führt.

Wer den Patscherkofel entdecken möchte, übernachtet am besten direkt in Igls, um unnötige Transferzeiten zu vermeiden. Das Sporthotel Igls liegt günstig im Ortszentrum. Die Zimmer direkt unter dem Dach bieten eine herrliche Aussicht. Der kleine Balkon ist einer der besten Plätze, um den Sonnenuntergang zu genießen. Empfehlenswert ist auch das hoteleigene Restaurant, das Gästen mit Halbpension am Abend ein mehrgängiges Menü serviert. Wer mag, kann am Abend mit dem Bus auch nach Innsbruck fahren. Halterungen hinten am Bus ermöglichen sogar die Mitnahme von Fahrrädern. Am nächsten Morgen sollte man wieder zurück in Igls sein, denn auf dem Patscherkofel gibt es noch viel zu entdecken.

(SMC)