17. Aug. 2026

Reisen

Märchenhafte Schlosskulissen, anspruchsvolle Anstiege und tiefblaue Seen: Ein Aktivurlaub im Füssener Land verbindet sportliche Herausforderungen, imposante Naturerlebnisse und königliche Geschichte.

Wassersport und Alphornklänge auf dem Forggensee

Wer sportlich auf dem Wasser durchstarten möchte, steigt auf dem Forggensee ins Kanu. Outdoor-Guide Uwe Simniok von Kanu-Kini bietet geführte Sonnenuntergangstouren an, bei denen man den Abend aktiv auf dem Wasser verbringt. Während man Paddelschläge setzt und das Boot durch das türkisfarbene Wasser gleitet, versinkt die Sonne hinter den Gipfeln der Allgäuer Alpen. Eine entspannte Alternative ist das Ausflugsschiff, auf dem sommerliche Alphornkonzerten angeboten werden.

Die Schloss-Panorama-Tour: Über die Pöllatschlucht

Von Füssen aus geht es schnell ins nahe Hohenschwangau, wo Bayerns bekannter König Ludwig II. sein berühmtes Schloss Neuschwanstein errichtete. Hier startet eine fordernde, gut 13 Kilometer lange Tageswanderung. Zunächst lohnt sich ein Abstecher hinauf zur Marienbrücke, die den besten Blick auf die königliche Architektur bietet. Anschließend folgt man der Pöllat flussaufwärts in Richtung Bleckenau und Jägerhütte. Die vierstündige Tour verlangt mit 638 Höhenmetern im Aufstieg und gut 350 Metern im Abstieg ordentlich Kondition, belohnt dafür mit beeindruckenden Fernblicken. Zur Stärkung bietet sich das Berggasthaus Bleckenau auf 1.167 Metern Höhe an. Das ehemalige königliche Jagdhaus versorgt Wanderer mit deftigen Suppen, hausgemachtem Kuchen und kühlen Getränken. Weiter geht es über den Schützensteig bis zum Alpenhotel Ammerwald, von wo aus man mit dem Bus nach Füssen zurückfährt.

Als Wandern noch königlicher Luxus war

Die Hintergründe zum Berg- und Wandersport des Monarchen kennt Vanessa Richter, Kulturvermittlerin im Hohenschwangauer Museum der bayerischen Könige. König Ludwig II. schuf in seinen 41 Lebensjahren mit Neuschwanstein, Linderhof, Herrenchiemsee und dem Schachenhaus gleich vier Schlösser und pendelte zeitlebens zwischen 21 Residenzen und Berghütten. Neuschwanstein diente später als Inspiration für die Walt-Disney-Märchenschlösser. Damals war das Wandern in den Bergen ein exklusives Privileg des Königs, um sich abseits des Hofstaates in der Natur aktiv zu bewegen.

Zwei Tage Mountain-Trekking: Von der Tegelbergbahn nach Linderhof

Für ambitionierte Outdoor-Fans startet eine zweitägige Tour an der Talstation der Tegelbergbahn. Nach einer kurzen Erfrischung im Kneipp-Becken geht es per Bergbahn in knapp zehn Minuten hinauf auf den Tegelberg. Im historischen Tegelberghaus – im 19. Jahrhundert von König Maximilian II. als Jagdhaus erbaut – gibt ein echtes Weißwurst-Frühstück die nötige Energie für die anstehende Alpenpassage.

Die erste Tagesetappe führt über 10,2 Kilometer und fünfeinhalb Stunden Gehzeit quer durch die Ammergauer Alpen. Ziel ist die urige Kenzenhütte, die neben dem klassischen Bettenlager auch komfortable Zimmer für die Übernachtung bietet. Am zweiten Tag führt die Route über gut 7,4 Kilometer durch das Sägertal und Graswangtal zum Schloss Linderhof. In der Region ist Naturpark-Rangerin Theresa Filbig aktiv. Die 29-Jährige kennt nicht nur die Alpengeschichte, sondern beobachtet auch die Auswirkungen des Klimawandels auf geschützte Wildtiere wie Schnee- und Raufußhühner.

Königliche Meisterwerke mitten in der Natur

Das Ziel der Zweitagetour, Schloss Linderhof, vollendete König Ludwig II. an der Stelle einer ehemaligen Jagdhütte seines Vaters. Der König nutzte hier bereits modernste Technik seiner Zeit, wie ein mechanisches „Tischlein deck dich“, das per Aufzug direkt in den Speisesaal befördert wurde. Auch wenn Zeitgenossen seine Ideen oft für verrückt erklärten, schuf der König im Ammergebirge Meisterwerke, die bis heute Outdoor-Begeisterte beim Durchqueren des Schlossparks faszinieren.

Die größte Wallfahrtskirche Mitteleuropas

Neben den Monarchen hinterließ auch die Kirche alpine Baukunst. Mit dem Benediktiner-Kloster Ettal entstand in der Barockzeit die größte Wallfahrtskirche Mitteleuropas. Allein die aufwendige Freskenmalerei dauerte drei Sommer. Bei einer Tour durch das Kloster berichtet Pater Josef, dass heute noch 25 Mönche vor Ort leben, während rund 200 Angestellte den Hotelbetrieb, die Brauerei, die eigene Destillerie und den Klosterladen managen.

Biketour auf der Romantischen Straße: Vorbei an Drachen und Rokoko

Auch auf zwei Rädern lässt sich die Region dynamisch erkunden. Von Wildsteig aus startet eine reizvolle Etappe auf dem Radweg der berühmten Romantischen Straße am Fuß der Ammergauer Alpen. Auf der rund 30 Kilometer langen Strecke lohnt ein Zwischenstopp an der bekannten Wieskirche zur Innenbesichtigung. Das Ziel der Radtour ist die Schiffsanlegestelle Schwangau-Brunnen. Von dort geht es samt Fahrrad auf einem der Fahrgastschiffe über den Forggensee zurück nach Füssen. Vom Bootshafen sind es nur noch wenige Minuten mit dem Rad in die Innenstadt zur St. Mang Kirche, wo im Innenraum ein in einer Kirche unerwarteter Blick auf historische Drachengemälde und goldene Drachenleuchter den sportlichen Trip auf den Spuren der Könige abrunden.

(SMC)