Neben der eindrucksvollen Architektur des städtebaulichen Gesamtkunstwerks, der lebhaften Kultur und der abwechslungsreichen Gastronomie hat Bamberg eine zusätzliche Attraktion für alle, die die ganz unterschiedlichen in der Stadt präsentierten Krippen entdecken möchten. Sieben Krippen-Ausstellungen und 28 Krippenstationen im Stadtbild erwarten die Gäste.
Ein Rundgang durch die Altstadt
Einen guten Überblick über die auf sieben Hügeln errichtete Altstadt und die tausendjährige Geschichte bietet eine Stadtführung. Christine Conrad ist eine der Bamberger Stadtführerinnen und führt sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen durch die Stadt. Dabei entdeckt man nicht nur den Dom, die historischen Bier-Brauereien und den Weihnachtsmarkt, sondern erfährt auch Hintergründe zur Stadt und ihren Bewohnern. So gibt es in der 80.000-Einwohner-Stadt bis heute 13 Brauereien – und einen Pro-Kopf-Verbrauch von 280 Litern Bier pro Person und Jahr – an dem sich aber wahrscheinlich auch die vielen Touristen beteiligen, die das ganze Jahr über nach Bamberg kommen. Und natürlich gehört in der kalten Jahreszeit nicht nur ein Blick auf den unversehrt erhaltenen Altstadtkern zum Programm der Stadtführung, sondern auch mehr als einen Blick und Erklärungen auf eine Auswahl der in der Stadt ausgestellten Krippen.
Das Wesen der Krippen ist ihre Wandelbarkeit.
Die Krippe, also die figürliche Darstellung einer Szene aus der Weihnachtsgeschichte, hat die Menschen schon lange begeistert und ihnen ein Bild von den biblischen Szenen gegeben. Im Laufe des Advents können sich die Szenen durchaus wandeln – es wäre ja überraschend, wenn vor Weihnachten schon ein Christkind in der Krippe läge. Die Krippen in Bamberg sind ganz unterschiedlich, von traditionellen fränkischen Szenen über arabisch anmutende Szenen aus dem Herkunftsland Jesu bis hin zu moderner Kunst. Stadtführerin Christine Conrad begleitet uns zunächst in die Stephanskirche. Die lokale Künstlerin Wini Bechtel-Kluge hat von 1958 bis zum Jahr 2000 Jahr für Jahr neue Figuren aus Stein geschlagen und erzählt nicht nur die Weihnachtsgeschichte, sondern auch weitere Szenen aus dem Neuen Testament. In der Kirche ist eine Auswahl präsentiert, in der die Stadtführerin auch Reminiszenzen an das jeweilige Herstellungsjahr sieht. Einzelne Figuren scheinen verkürzte Arme und Beine zu haben – passend zum Contergan-Skandal in den 60er-Jahren. Eine dunkelhäutige Figur verbindet die Stadtführerin mit der Stationierung amerikanischer Soldaten nach dem 2. Weltkrieg und den Problemen, die sich daraus besonders für farbige Besatzungskinder ergaben. Wenige Minuten später stehen wir in der Oberen Pfarre, der einzigen rein gotischen Kirche der Stadt und sehen eine ganz andere Krippe auf stolzen 33 m². Wenige Meter entfernt vom Hochchor aus dem Jahr 1392 verrät uns die Stadtführerin, dass ein zwischenzeitlich eingeführtes Krippenverbot in Bamberg bis 1825 galt und fast alle Krippen in Kirchen deshalb verschwanden und vernichtet wurden. Doch der Pfarrer der Oberen Pfarre räumte die Krippe einfach auf den großen Dachboden der Kirche, sodass die „schändliche Kinderbelustigung“ nach dem Ende des Verbots mit Figuren, die zum Teil aus dem 18. Jahrhundert stammen, wieder aufleben konnte.
Die Bamberger Krippenfreunde
Schon seit 1930 findet in der Maternkapelle die Weihnachtskrippenausstellung des Vereins Bamberger Krippenfreunde statt. Bis zum 6. Januar 2026 sind rund 40 Krippen, die meisten mit orientalischen oder fränkischen Motiven, in den Vitrinen der Ausstellung zu sehen. Möglich gemacht wird das von den Vereinsmitgliedern, die für die Ausstellung jedes Jahr wochenlang ganz unterschiedliche Krippen aufbauen, zusätzlich neu arrangieren und so eine besondere Sehenswürdigkeit für Gäste und Einheimische schaffen. Die Auswahl an Krippen, die dafür zur Verfügung stehen ist groß. „Kommet und seht“ ist der Titel der diesjährigen Krippenausstellung. Kleine Fußbänkchen sorgen dafür, dass auch Kinder die Krippen auf Augenhöhe anschauen können. Michael Suffa vom Verein gehört zu den Freiwilligen, die mit Begeisterung durch die Ausstellung führen – und der im Vorfeld auch selbst zur Säge greift, um die bereitgestellten Krippen bestmöglich zu arrangieren. Mit den Jahren ist er dabei selbst zum Krippen-Experten geworden, der nicht nur einen Blick für die Gestaltung der Kleidung der Figuren und das Handwerk dahinter hat, sondern auch auf die richtigen Größenverhältnisse von Figuren und Häusern achtet und viel über die Herkunft der Krippen weiß. Wer sich selbst eine Krippe bauen möchte, kann bei den Bamberger Krippenfreunden Workshops buchen und sich dem Krippenthema auf eine ganz persönliche Art nähern.
Eine Weihnachtskrippe auf einem Wäscheständer
Auch das Diözesanmuseum, sonst bekannt für historische Artefakte wie den Sternenmantel Heinrich II. zeigt bis zum 13. Januar 2026 eine Sonderausstellung „Frisch gewaschen durch die Zeitenwende – Eine Weihnachtskrippe auf einem Wäscheständer und mehr“. Doch dieses sehr moderne Werk ist nur eines von vielen einer Ausstellung, die Wandbilder von Jörg Länger mit Krippen aus aller Welt verbindet. Auch hier werden die kleinen Krippen in kindgerechter Höhe präsentiert und werfen durch die Beleuchtung interessante Schatten, die genau wie die Bilder des Malers zum Nachdenken anregen. Präsentiert wird auch eine Krippe in einem ausgehöhlten Kürbis und natürlich das der Ausstellung seinen Namen gebende Werk. Hier sind mit Wäscheklammern stilisierte Zeichnungen von Krippenfiguren, angelehnt an historische Bamberger Handschriften, auf den Wäscheständer geklemmt. Ein darüber hängendes Wandgemälde zeigt das Gnadenbild der Muttergottes aus der Oberen Pfarre in einer konturhaften Darstellung. So kann jeder Besucher der Ausstellung seinen eigenen Bezug zur jeweiligen Krippe – und zum Dies- und Jenseits suchen und finden.
Die Bamberger Symphoniker
Freunde klassischer Musik sollten sich bei einem Besuch in Bamberg ein Konzert der Bamberger Symphoniker nicht entgehen lassen. Anfang Dezember bestätigte Gastdirigentin Elim Chan, dass die Symphoniker das Motto „Spielfreude“ gut gewählt hatten. Sie führte durch einen Abend, bei dem das Orchester den Solisten Augustin Hadelich an der Violine zu Gast hatte. Der Abend begann mit Sofia Gubaidulinas „Märchenpoem“, der Geschichte eines Kreidestücks. Nach dem stimmungsvollen Auftakt folgte Antonin Dvořáks Violinkonzert, bei dem besonders das Finale, das auf dem böhmischen Volkstanz „Furiant“ basiert, begeisterte. Nach der Pause stand Béla Bartóks „Konzert für Orchester“, ein Klassiker aus dem 20. Jahrhundert, auf dem Programm des vom Publikum gefeierten Konzerts.
Ein Hotel in zentraler Lage
Der Bahnhof der Stadt liegt ein Stück abwärts vom historischen Zentrum und der Denkmalschutz sorgt dafür, dass einige Hotels in den historischen Gebäuden bis heute vergeblich auf einen Aufzug oder anderen Komfort warten. Mit dem 4-Sterne Superior Hotel Villa Geyerswörth trifft man eine gute Wahl. Das moderne Hotel verfügt nicht nur über eine Tiefgarage direkt am Hotel und eine sehr gute Lage, von der man die meisten Sehenswürdigkeiten in der Altstadt zu Fuß erreichen kann, sondern schafft auch den Spagat zwischen einer zentralen und trotzdem ruhigen Lage. Die Zimmer sind gut bemessen und modern ausgestattet. Dass die Rezeption rund um die Uhr mit freundlichem Personal besetzt ist, ein kleiner Sauna- und Fitnessbereich im Keller für Zerstreuung sorgt und das Frühstücksbuffet klein aber fein ist, rundet den positiven Eindruck ab. Wer noch mehr Platz für Wellness braucht oder eine Runde schwimmen möchte, fährt in die Schwimm- und Saunalandschaft Bambados außerhalb des Stadtzentrums. Dort erwarten die Gäste neben Wasserbecken und Rutschen sechs Saunen und gemütliche Ruheräume.
Ein gastronomischer Einstieg
Einst stauten die Bamberger die Regnitz, um mitten in der Stadt Energie für ihre aufstrebende Industrie zu gewinnen. Doch zugleich wurde der Fluss wie überall in Europa auch als Abwasserkanal genutzt. Das ist einer der Gründe für die Popularität des Bieres, das damals gewiss deutlich bekömmlicher war als das Flusswasser. Eintauchen in die Welt der alten Brauer kann man im historischen Brauereiausschank Schlenkerla in einem Fachwerkhaus in der Bamberger Dominikanerstraße. 1405 wurde die Brauerei das erste Mal urkundlich erwähnt. Heute führt die 6. Generation der aktuellen Eigentümerfamilie die Brauerei und ist bekannt für das „Aechte Schlenkerla Rauchbier“. Das Grünmalz wird zum Trocknen auf Drahtgeflechten über Buchenholz-Feuern ausgebreitet und bekommt so einen charakteristischen Rauchgeschmack, den das dunkel-braune Bier auch nach dem Zapfen aus den Eichenfässern noch hat. Unter den tiefhängenden Decken, deren Balken früher zum Schutz in Ochsenblut getaucht wurden, kann man das Rauchbier im „Seidla“, also dem halben Liter, genießen und dazu traditionelle fränkische Speisen bestellen.
Ein Kreativ-Koch in Bamberg
Marco Schneider mit seinem Restaurant „Kuro Neko“ ist einer der Vorreiter der gehobenen Küche in Bamberg. In seinem fränkisch-japanischen Restaurant stehen drei Menüs zur Auswahl. Unter dem Motto „Aschenputtel“ serviert der Koch geschmorten Kürbis, fermentiertes Kimchi vom Butterkürbis sowie frittierten Rosenkohl mit Tamarindenketchup. Ein Begleitblatt nennt nicht nur die Zutaten, sondern ordnet den Gang auch in die Märchengeschichte ein. Als zweiter Gang „Schneewittchen“ folgt gebeizte Lachsforelle in einer Blutorangen-Traubensuppe in Verbindung mit einem mit Walnusscreme aromatisierten Kohlrabisalat. Als nächsten Gang „Der gestiefelte Kater“ gibt es Fasanenbrust auf geschmortem Spitzkohlsalat mit Erbsen-Shisopesto und Miso-Buttermilchcreme. Der Hauptgang „Die drei kleinen Schweinchen“ besteht aus 36 Stunden gegarten Wildschweinbäckchen mit Wolfsbeeren, gebratenem Blumenkohl und Topinambur auf einem Blumenkohl-Eisenkraut-Püree. Als „Süßer Brei“ folgt zum Abschluss frittierter Maronen-Hirsebrei mit einer geeisten Schokoladen-Birnen-Kugel und in Sirup eingelegten Maronen. Auch die Menüalternativen mit Fisch oder vegetarischen Zutaten sind fantasie- und geschmackvoll zusammengestellt und begeistern anspruchsvolle Genießer. Marco Schneider wechselt regelmäßig das Menü und lässt sich immer neue kreative und zur Jahreszeit passende Themen für Feinschmecker einfallen.
Steaks mit Blick auf das alte Rathaus
Zwischen dem alten Rathaus und dem Zentrum Welterbe Bamberg liegt das Restaurant Henrii. In unkomplizierter und doch gehobener Atmosphäre stehen in diesem Restaurant kulinarisch die auf dem Josper-Holzkohlegrill zubereiteten Speisen im Mittelpunkt. Aber auch im Bereich der maritimen Köstlichkeiten ist das Henrii gut. So schmecken „Wan Tan Tuna Tacos“, eine gut gewürzte Thunfischscheibe, zum Start eines selbst zusammengestellten Menüs sehr gut. Als Hauptgang führt am argentinischen Steak eigentlich kein Weg vorbei. Je nach Stück, Größe und ausgewählten Beilagen fällt das Festmahl unterschiedlich umfangreich aus. Natürlich gibt es auch passende Desserts von Tiramisu über das Sorbet der Woche bis hin zur Käseplatte.
Edel, aber trotzdem frei…
… so das Motto des Bamberger Restaurants Edelfrei. Dass ein Restaurant in einem Sandsteingebäude aus dem 18. Jahrhundert sich einen Flamingo als Logo ausgesucht hat, zeigt, dass an dieser Stelle kreative Geister am Werk sind. Das zeigt sich auch im Restaurant, wo alles freundlich, aber auch langsam und gemütlich umgesetzt wird. Mit Ceviche vom Kingfish als Vorspeise, einem köstlichen Fischgericht mit Fenchel und Brokkoli als Hauptspeise und drei ausgewählten Kugeln Eis, darunter einer spektakulären Sorte mit mexikanischer Vanille, konnte man aus der Menükarte im Dezember einen genussvollen Abend nach Wahl zusammenstellen. Und auch, wer nicht gleich ein ganzes Menü möchte, ist im ehemaligen Palais der Freiherren von Aufseß – einem edelfreien Adelsgeschlecht – gerne gesehen, denn im vorderen Bereich des Restaurants gibt es eine Wein-Café-Bar in der Weinanfänger und -profis gleichermaßen gerne begrüßt werden.
Ein Grund mehr nach Bamberg zu fahren
Die Möglichkeit, die Welt der Krippen zu entdecken, durch die tausendjährige Architektur von Bamberg zu spazieren und sich dabei kulinarisch verwöhnen zu lassen, sind gleich drei gute Gründe, einen Urlaub in Bamberg zu planen. Nützlich sein kann dabei die BambergCard, mit der man für 22 Euro drei Tage lang mit Bus und Bahn fahren kann und freien Eintritt oder Rabatt bei ausgewählten Attraktionen genießt.
(SMC)








