25. Jan. 2020

Reisen

Für die meisten Urlauber aus Deutschland führt der Weg in das einst abgeschiedene Bergtal in der Lombardei durch einen einspurigen, fast 3,4 Kilometer langen Tunnel von der Schweiz aus. Über diesen ist das Tal sowohl für Autofahrer als auch mit dem Bus erreichbar. Wo sich im Winter tausende Wintersportler tummeln, kann man auch ohne Schnee eine Menge erleben.

Fabio Giacomelli von der Hotelgruppe Lungolivgno ist einer der Vordenker des Ortes. Vor Jahren organisierte er mit seiner Familie Eisskulpturen-Festivals. Dann folgten Schnee-Lodges für Übernachtungsgäste – und in diesem Jahr ein größtenteils aus Stroh erbauter Wellness-Raum als Ergänzung für den 1.200 m² großen Spa-Bereich des Hotels „Lac Salin“. Das ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen und Spaziergänge. Die führen entweder ohne große Anstiege am Fluss Spöl entlang oder in die Berge oberhalb. Eine schöne Wanderung führt zum Aussichtspunkt Crap de La Parè. Dieser nur zu Fuß erreichbare Platz bietet einen tollen Überblick über die Landschaft, den Stausee, der einst zum Bau des für den Tourismus so wichtigen Tunnels führte, und über die Ortschaft mit 6.500 Einwohnern. Im Ortszentrum gibt es zahlreiche Geschäfte. Dank der von Napoleon 1905 verfügten und bis heute gültigen Zollfreiheit sind Kleidung, Alkohol und Tabakwaren besonders gefragt. Doch längst denkt man in Livigno weiter. Fabio Giacomelli wünscht sich eine Erweiterung des Munt-la-Schera-Tunnels und würde den Ort gerne an die Panoramabahn anschließen.

Auch Radfahrer sind in Livigno gut aufgehoben. Neu angelegte Bikeparks gibt es genauso wie rund 600 km Routen zum Teil durch fast unberührte Natur. Wer viel sehen möchte, kann ein E-Bike mieten und so das Tal und seine Umgebung entspannter erkunden. Eine Einsteigerroute führt über kleine Nebenstraßen rund 10 km zur Alpe Vago und dann zurück über einen schmalen Pfad inmitten der Natur. Steile Anstiege, viele Kurven und der schmale Weg machen den Rückweg für geübte Radfahrer interessant.

Wer mit dem eigenen Auto in Livogno ist, kann einen Tagesausflug in die Provinzhauptstadt Sondrio machen. Die Strecke führt über eine Passstraße und durch die Schweiz. Statt die gut ausgebaute Umgehungsstraße zu nehmen, sollte man die Straßen oberhalb wählen. Auf dem Weg durch kleine Dörfer, Weinberge und die Obstanbaugebiete, kommt man dem ursprünglichen Norditalien sehr nah. Am Rand der Panoramastraße sind Steinmauern, Gärten und malerische Häuser zu sehen. Wer mag macht einen Zwischenstopp in Villa di Tirano und schaut sich die renovierte Burg Contrada Beltramelli an. In Sondrio selbst, einst reiche Bankenstadt, gibt es zahlreiche kleine Gassen und Gebäude, die an die bewegte Geschichte der Stadt erinnern. Die Reben am Berg oberhalb der Stadt gehören zum Teil zum Weingut Marsetti. 55.000 Flaschen Rotwein keltert der Familienbetrieb auf traditionelle Weise. Mit einem der köstlichen Tropfen kann man vor der Rückfahrt nach Livigno anstoßen. Zurück geht es mit Blick auf das eindrucksvolle Bergpanorama. Wer im Winter nach Livigno kommt, kann einen Vorgeschmack auf die Olympischen Winterspiele 2026 bekommen – die Wettkämpfe in Snowboard und Freestyle werden in Livigno ausgetragen.

(ck)