14. Jul. 2024

Reisen

 „Eine Kreuzfahrt?“ So richtig weiß meine Mutter gar nicht, was sie erwartet, als ich sie zu einer gemeinsamen Reise auf dem Mittelmeer einlade. In ihrer Jugend hat sie Städte wie Barcelona, Rom oder Monaco mit dem Interrail-Ticket kennengelernt, doch seitdem sind über 30 Jahre vergangen. Die Chance gemeinsam dem kalten Wetter in Deutschland zu entkommen, durch die Straßen von Barcelona zu flanieren, auf den schiefen Turm von Pisa zu klettern und zum Abschluss der Reise auf dem Dach des Vatikans zu stehen, hat sie aber letztlich überzeugt, der gemeinsamen Reise zuzustimmen und alle Bedenken von Kleiderordnung über Seegang bis hin zu einem englischsprachigen Schiff beiseitezulegen und gemeinsam mit mir ins Flugzeug zu steigen.

Ein Schiff mit familiärer Atmosphäre

Dass Windstar Cruises mit der „Star Legend“ in diesem Jahr bis Ende März im Mittelmeer unterwegs ist, macht die Auswahl einfach, denn für die allererste Kreuzfahrt überhaupt braucht meine Mutter keinen unübersichtlichen Megaliner mit tausenden anderen Reisenden, sondern ein überschaubar großes und doch komfortables Schiff mit familiärer Atmosphäre. Das passt gut zum Angebot von Windstar Cruises, sodass wir an einem kühlen Sonntag gemeinsam in den Flieger steigen und gut zwei Stunden später in Barcelona die Winterjacken bei 20 Grad höheren Temperaturen als in Deutschland erst einmal im Koffer verstauen. Mit dem Flughafenbus gelangen wir in die Innenstadt – und mit den Rollkoffern im Schlepptau immer die Einkaufsstraße Rambla entlang zum Liegeplatz des Schiffes am World Trade Center. Koffer abgeben. Ausweis zeigen. Sicherheitskontrolle. Schon nach wenigen Minuten können wir an Bord gehen und werden herzlich in Empfang genommen.

Eine kleine Stärkung

Zur Begrüßung gibt es ein Glas Sekt. Während ich den Alkohol zu dieser Uhrzeit fast gewohnheitsmäßig ablehne, freut sich meine Mama über den stilvollen und charmanten Empfang. Sie genießt das Getränk und ist auch nicht abgeneigt nach dem frühen Aufstehen, dem Flug und dem Spaziergang durch Barcelona erst einmal im Restaurant Platz zu nehmen. Am Ankunftstag erwartet die Gäste ein Buffet – mit reicher Auswahl köstlicher Gerichte. Nachdem wir einige probiert haben, kann ich Mama begeistern, das Restaurant wieder zu verlassen und mit mir zurück an Land zu gehen.

Auf Gaudis Spuren

Wir spazieren durch die Fußgängerzone als ich in einer Seitenstraße den Palau Güell entdecke. Zwei große Tore und eine Fassade, die mich an einen venezianischen Palast erinnern, schmücken das Gebäude, das zu den ersten großen Werken des Architekten Antoni Gaudi gehört. Ausgestattet mit Audio-Guides schauen wir uns die verschiedenen Etagen des Hauses an und staunen, wie Gaudi mit Formen und Farben spielt und so ein sehenswertes Gesamtkunstwerk geschaffen hat. Da das Schiff Barcelona erst am nächsten Tag verlässt, haben wir genug Zeit, um die Stadt auf uns wirken zu lassen. Geschäfte und kleine Cafés laden zu einem Besuch ein – und selbst vor den großen Sehenswürdigkeiten stehen im Winter keine langen Schlangen. Am Abend spazieren wir gemeinsam zurück zum Hafen und nehmen uns vor dem Abendessen noch Zeit für einen gemeinsamen Rundgang durch das Schiff.

Komfort steht im Mittelpunkt

Schnell haben wir unsere Lieblingsplätze gefunden. Meiner ist der gut beheizte Whirlpool auf dem offenen Deck, der bis in die Abendstunden geöffnet hat und aus dem man den Sternenhimmel beobachten kann. Meine Mutter hingegen mag besonders den französischen Balkon der Kabine. Dort kann man hervorragend die Weite des Meeres beobachten und in Gedanken und Träumen versinken. Doch natürlich hat das Schiff noch viel mehr zu bieten. Während die Wassersportplattform im Winter geschlossen ist, bietet der „World Spa“ Sport, Massagen und andere Anwendungen an. Spa-Mitarbeiterin Cynthia führt uns nicht nur durch den Spa, sondern weckt bei einer Probemassage Interesse an einem Besuch im Spa. Neben den Anwendungen gibt es dort auch eine Sauna, eine Dampfsauna und einen Fitnessraum. Auch ein Pilates-Kurs steht regelmäßig auf dem Programm. Der Service stimmt in allen Bereichen des Schiffes. Aufmerksame Crew-Mitglieder kümmern sich um die Passagiere, sprechen diese schon am zweiten Tag mit Namen an und erinnern sich an die Bestellungen und Interessen vom Vortag.

Noch mehr Barcelona

Die Reise auf das Mittelmeer ist besonders interessant für alle, die gerne viel Zeit in den Städten verbringen. Am zweiten Tag der Reise bleibt uns Zeit bis zur Abfahrt um 15 Uhr. Das ist die Gelegenheit noch einmal auf Entdeckungstour zu gehen und weitere Gaudi-Gebäude zu besichtigen. Wir entscheiden uns für die Familienhäuser Casa Battló und Casa Milà. Beide Gebäude im Stil des Modernisme zeigen die Kreativität des Architekten, die Kunstfertigkeit der Handwerker und auch den Mut der Auftraggeber, Neues zu wagen und so bauliche Akzente zu setzen. Nach den Besichtigungen hat meine Mutter noch einen Wunsch: Sie möchte sich die Sagrada Familia anschauen. Die nach den Plänen von Gaudi erbaute Kathedrale steht kurz vor der Fertigstellung, sodass nicht nur die spektakulären Fassaden, sondern auch die hoch in den Himmel ragenden Türme zu sehen sind. Im Inneren sorgen die Fenster aus buntem Glas für eine besondere Lichtstimmung, an der man sich gar nicht sattsehen kann.

Eine Abfahrt mit Stil

Zur ersten Abfahrt hat Kapitän Krasimir Ivanov alle Gäste auf das Sonnendeck eingeladen. In einer für alle Seefahrtneulinge äußerst eindrucksvollen Zeremonie hisst die Besatzung die Fahne. Dann beginnt die eigentliche Schiffsreise. Wir beobachten, wie der Lotse nach kurzer Zeit von einem kleinen Boot abgeholt wird. Anfangs ist die Stadt noch gut zu sehen, dann verschwindet die Küste mit dem Sonnenuntergang aus dem Blickfeld. Nachdem wir die Koffer ausgepackt und im begehbaren Kleiderschrank untergebracht haben, dürfen wir entscheiden, in welchen Restaurants wir in der Woche an Bord essen möchten. Neben dem täglich geöffneten „Amphora“ stehen mit dem Steakhaus „Candles“ und dem „Cuadro 44“ auch ein spanisches Tapas-Restaurant zur Auswahl. Bei Windstar Cruises sind diese bereits im Reisepreis enthalten – lediglich einen Tisch reservieren muss man.

Marseille ganz entspannt

Nach den beiden Tagen Trubel und Sight-Seeing in Barcelona steht uns in Marseille der Sinn nach Entspannung in der Natur. Auch hier liegt das Schiff günstig mitten in der Stadt gleich neben dem modernen Museum „MuCEM“, dem Fort Saint Jean und der großen Kathedrale. Doch heute ist unser Ziel ein anderes: Mit der Fähre setzen wir über zu den Frioul Inseln. Wo im Sommer ganz Marseille in den türkis-schimmernden Buchten badet, sind zu dieser Jahreszeit nur ganz wenige Menschen unterwegs. Wir wandern zu einsamen Stränden, die an die Calanques im Kleinformat erinnern und entdecken eine alte Burganlage, die einen guten Ausblick auf die Bucht und die Stadt Marseilles bietet. Von dort haben wir auch einen hervorragenden Blick auf das Château d’If, das auf einer kleinen Nachbarinsel liegt. Während ich als Naturliebhaberin nach den ersten Entdeckungen gerne noch mehr von der Insel entdecken möchte, zieht es meine Mutter zurück in die Zivilisation. Gemeinsam nehmen wir die nächste Fähre zurück nach Marseille, wo wir zur Seefahrerkirche Notre Dame de la Garde oberhalb der Stadt spazieren. Der Aufstieg zur Kirche hat es in sich, doch das reich geschmückte Gotteshaus und der Ausblick auf Marseille sind die Anstrengung wert. Als wir zurück an Bord gehen, hat dort gerade der polynesische Empfang begonnen. Köstliche Spezialitäten und ein Quiz zu dieser entfernten Region, in der ebenfalls Schiffe von Windstar Cruises unterwegs sind, sorgen für kurzweilige Unterhaltung.

Ein Schiff aus dem Kino

Mehr zufällig erfahren wir von einem anderen Passagier, dass die „Star Legend“ einst Drehort für den Action-Film „Speed 2 – Cruise Control“ mit Sandra Bullock in der Hauptrolle war. Doch auf unserer Reise verläuft alles entspannt. Angenehmes Wetter mit moderaten Temperaturen, ein kaum spürbarer Seegang und das komfortable Schiff machen die Reise zu einem entspannten Vergnügen. Wer mag, kann zwischendurch die für Passagiere geöffnete Brücke besuchen und dem Kapitän und seinen Offizieren bei der Navigation zuschauen. Sitzgelegenheiten an der Reeling und sogar frei nutzbare Cabanas auf dem offenen Deck sind schöne Orte, um den Abend nach dem Abendessen ausklingen zu lassen, während das Schiff unterwegs zum nächsten Hafen ist.

Zwei Tage Côte d'Azur

Pünktlich zur Frühstückszeit kommen wir in Nizza an. Obwohl die Stadt selbst einiges zu bieten hat, entscheiden wir uns für einen Ausflug in die mittelalterliche Kleinstadt Eze die auf einem Felsen liegt. Fast scheint dieses im Sommer beliebte Touristenziel in eine Art Winterschlaf gefallen zu sein, doch das macht den Rundgang durch die gepflasterten Gassen nicht weniger interessant, denn auch wenn viele der Restaurants und Souvenirgeschäfte geschlossen sind fasziniert uns der Charme der Kleinstadt. Oberhalb liegt ein kleiner botanischer Garten, von dem aus man den schönsten Blick auf das strahlende Meer der Côte d'Azur hat. Im Garten begeistern nicht nur Kakteen und Zierpflanzen aus aller Welt, sondern auch mehrere künstlich angelegte Wasserfälle. Nur wer wirklich gut zu Fuß ist, kann sich anschließend über den steinigen und steilen Nietzsche-Pfad auf den Weg zur Küste machen. Von dort gelangen wir mit dem Bus wieder zurück nach Nizza. Am nächsten Tag möchte ich Monaco sehen, doch meiner Mutter steckt die Wanderung in Eze noch in den Knochen und möchte lieber die Wellness-Angebote des Schiffes genießen. Während ich nach dem gemeinsamen Frühstück mit dem Bus losfahre, bleibt sie an Bord, lässt sich im Spa verwöhnen und macht nur einen kleinen Spaziergang durch die Gassen von Nizza. Ich flaniere in der Zeit durch Monaco, sehe mir das bekannte Casino an und folge ein Stück weit der sich mitten durch die Häuser-Schluchten schlängelnden Formel 1-Stecke. Mit einem Riesenrad am Hafen drehe ich einige Runden und schaue mir die Schiffe im Hafen von oben an. Abends nach dem Abendessen schauen Mama und ich uns an Bord eine gelungene Musikshow an.

Willkommen in Italien

Livorno ist eine Stadt, in der man in den italienischen Alltag eintauchen kann. Und es ist der Hafen, von dem aus man am besten zu Städten wie Florenz, Lucca oder Pisa gelangen kann. Wir entscheiden uns für einen Ausflug mit der Bahn nach Pisa. Nach einem kurzen Bummel durch die Stadt stehen wir vor dem schiefen Turm und sind überrascht zu erfahren, dass man spontan noch Tickets bekommen kann. In der Winterzeit zu den beliebtesten italienischen Sehenswürdigkeiten zu Reisen hat eindeutig Vorteile. Schnell machen wir noch einige Fotos und dann geht es schon die Treppe hinauf. Oben angekommen belohnt ein spektakulärer Blick auf die Stadt und die Toskana. Dass nicht so viele Besucher dort sind bedeutet auch, dass wir es uns auf der obersten Ebene des Turmes zwischen den dort angebrachten Glocken eine Weile gemütlich machen und den Ausblick genießen können. Anschließend bleibt noch genug Zeit für ein Eis – mitten im deutschen Winter – und für einen Rundgang auf Teilen der gut erhaltenen und leicht begehbaren Stadtmauer. Statt von mehreren Städten nur wenig zu sehen, haben wir uns ganz bewusst entschieden, den ganzen Tag in Pisa zu verbringen und so in aller Ruhe die Gebäude rund um die Piazza del Miracoli zu entdecken. Auch auf dem Schiff gibt es am Abend noch etwas zu entdecken. Bei der Crew-Show zeigt die Besatzung welche versteckten Talente in dem internationalen Team stecken.

Zum Abschluss: Rom

Die letzten beiden Tage der Reise liegt das Schiff im Hafen von Civitavecchia. Von dort aus kann man einen Ausflug in die ewige Stadt Rom machen. Selbst vor dem Petersdom halten sich die Warteschlangen in Grenzen, sodass wir nach wenigen Minuten vor dem Hauptportal stehen und den Dom und seine Kunstschätze bewundern können. Nur für den Aufstieg auf die Kuppel des Vatikans muss man etwas Geduld mitbringen. In kleinen Gruppen geht es mit dem Aufzug oder über die Treppe hinauf. Wer noch weiter hinauf möchte, hat einen Aufstieg mit vielen Treppen vor sich – wird dafür aber mit einem Blick auf die Gärten des Vatikans und über Rom belohnt. Sehenswert ist auch das in den Dom integrierte Museum mit Kirchenschätzen. Einmal in Rom angekommen, ist der Weg nicht weit zu anderen Sehenswürdigkeiten wie dem Colosseum, der Spanischen Treppe oder dem Trevi Brunnen. Am Abend heißt es dann Koffer packen, denn die erlebnisreiche Mittelmeerreise ist schnell vergangen. Ein abschließender Ausflug mit Flughafentransfer bringt uns und unser Gepäck ganz komfortabel nach Rom, wo der Bus unter anderem am Petersdom und an den Caracalla-Thermen hält.

Eine Reise, die verbindet

Die gemeinsame Woche an Bord der „Star Legend“ hat uns nicht nur zu einer ungewohnten Jahreszeit zu den sehenswerten Metropolen an der Mittelmeerküste gebracht, sondern uns auch viel gemeinsame Zeit geschenkt. Begeistert hat sie auch das vielseitige Programm auf dem Schiff, von den Spielen und Büchern in der Lounge, über das musikalische Programm, zu dem zum Beispiel eine Beatles-Show mit Livemusik gehörte, bis hin zum umfangreichen Film- und Medienangebot. Ein besonderes Erlebnis war es, die Tür zum Balkon in der Nacht zu öffnen, das Rauschen der Wellen in der totalen Dunkelheit zu hören und die kraftvolle Präsenz des Meeres unter den Füßen zu spüren. Auch der Blick in die Ferne, zum Mond und den Sternen, war in der Dunkelheit des Meeres ein besonderes Erlebnis für sie. Und während Vielreisende sich an Annehmlichkeiten wie den 24h-Room Service und die Notwendigkeit einer Rettungsübung längst gewöhnt haben, waren beides für die „Neue“ an Bord interessante Erlebnisse. In der komfortablen Umgebung des Schiffes haben wir gemeinsam entspannt, gemeinsam erlebt und viel Zeit miteinander verbracht. Das macht die Reise zu einer wertvollen Erinnerung – für mich und auch für meine Mutter, die meine Begeisterung für Kreuzfahrten nach dieser positiven Erfahrung nun teilt.

(SMC)