22. Jan. 2026

Reisen

Die klassische Reise beginnt in der Hansestadt Bergen. Von dort sind die Schiffe zwölf Tage lang unterwegs bis sie wieder im Ausgangshafen ankommen. Dabei besuchen die Schiffe jeden Hafen zweimal. Wer alle Häfen und Küsten kennenlernen möchte, profitiert davon, denn die Nacht-Etappen und –stopps der Hinfahrt erlebt man auf der Rückfahrt am Tage. Wer mag, kann sich natürlich auch nur für die nord- oder südgehende Reise entscheiden, einzelne Teilstrecken im Baukastenprinzip zusammenstellen oder während einer Rundreise ein- oder mehrtägige Zwischenstopps in besonders interessanten Orten einlegen. Eine Reise wert ist Norwegen zu jeder Jahreszeit. Im Frühling erwacht die Natur aus dem Winterschlaf, die Zugvögel kehren zurück und der weltbekannte Geirangerfjord kann befahren werden. Dann beträgt die Gesamtstrecke der Hurtigruten Schiffe 4.871 km. Im Sommer taucht die Mitternachtssonne das Land rund um die Uhr in goldenes Licht. Im Herbst erleben die Reisenden bunte und leuchtende Farbspiele. Und im Winter erlebt man im hohen Norden das beeindruckende Polarlicht und den Schnee bei einer Hundeschlittenfahrt oder der Schneemobilsafari.

Wer die Welt der Hurtigruten in rund einer Woche erleben möchte, entscheidet sich für einen Flug nach Kirkenes. Die 6.000-Einwohner-Stadt an der russischen Grenze liegt an der eisigen Barentssee. Bevor man mit dem Schiff in See sticht, kann man in den kalten Monaten eine Nacht im Schneehotel verbringen. Oder man geht mit örtlichen Fischern auf King-Crab-Safari. Die Königskrabben wurden in den 60er Jahren von russischen Forschern im kalten Meer angesiedelt und haben sich dort fast unkontrolliert vermehrt. Große Exemplare haben eine Spannweite von bis zu zwei Metern und wiegen bis zu 15 kg. Bei der dreistündigen Safari bringen die Fischer ihre Gäste zu den besten Fanggründen, ziehen riesige Käfige voller Königskrabben aus dem Wasser und servieren den Fang dann in ihrer Fischerhütte. Gegen Mittag verlässt das Schiff dann die letzte norwegische Stadt vor der russischen Grenze.

Nach mehreren Zwischenstopps in kleinen Häfen, die oft nur 15 oder 30 Minuten dauern und dem Be- und Entladen von Fracht und Passagieren dienen, erreicht das Schiff am nächsten Morgen die Hafenstadt Honningsvåg. Von dort zieht es die meisten Skandinavien-Urlauber zum legendären Nordkap. Der 307 Meter hohe, aus dem Eismeer ragende Schieferfelsen galt lange Zeit als nördlichste Stelle von Kontinentaleuropa. Auf dem von eisigem Wind umwehten Felsen stehen ein gigantischer Globus und ein Informationszentrum. In dem können die Gäste nicht nur einen Panoramafilm über das Nordkapp sehen, sondern auch ein Frühstück mit Blick auf das Polarmeer genießen. Mit dem Bus geht es dann weiter nach Hammerfest, wo gegen Mittag auch das Hurtigruten-Schiff ankommt. Bleibt vor der Weiterfahrt noch Zeit, kann man den königlichen Eisbärenclub im Hafen oder die nördlichste katholische Kirche der Welt besuchen.

Während das Schiff an kleinen Dörfern vorbeigleitet mit teils nur ein paar hundert Einwohnern, an bunten Holzhäusern auf einsamen Inseln und schroffen Felsformationen, genießen die Gäste den Komfort an Bord. Während Kurzreisende im Panorama-Salon die Zeit an Bord nutzen, buchen Gäste für längere Strecken eine Kabine. Im Fahrplan der Hurtigruten kann man schon vor der Reise sehen, mit welchem der zwölf verschiedenen Postschiffe man auf die Reise geht. Je nach Abreisetag variiert nicht nur die Größe des Schiffs, sondern auch der Komfort an Bord. Moderne Schiffe wie die 2003 gebaute Midnatsol bieten beheizte Whirlpools an Deck, eine Sauna mit Meerblick und einen Fitnessraum. Behaglich und komfortabel geht es aber auch auf den kleineren Schiffen zu. Bewusst setzt die Reederei auf eine norwegische Mannschaft und bietet im Bordrestaurant landestypische Küche an. Die kann man auch bei stürmischem Wetter genießen, denn die Reise führt hauptsächlich durch ruhigere See zwischen dem norwegischen Festland und den Inseln an der Küste.

Beschauliche Dörfer stehen genauso auf dem Fahrplan genau wie Metropolen. Tromsó, die lebhafte Universitätsstadt mit 67.000 Einwohnern, wird Hauptstadt der Arktis genannt. Hier macht das Schiff fast zwei Stunden Station, sodass man sich die Eismeerkathedrale anschauen oder einen Bummel durch die belebte Innenstadt machen kann. Dabei profitieren die Reisenden davon, dass die Liegeplätze der Schiffe in allen Städten unmittelbar im Stadtzentrum liegen. Natur, Kultur, Geschichte und Tradition werden lebendig bei einer Reise entlang der Küste. Dafür sorgt nicht nur die deutschsprachige Reiseleitung, sondern auch das Ausflugsprogramm. In vielen Häfen können die Gäste besondere Erlebnisse zu ihrer Reise hinzu buchen.

Die Inselgruppe der Lofoten zum Beispiel lädt ein zu einer Seeadlersafari. Vom fahrenden Schiff steigen die Gäste um auf ein schnelles und wendiges Ausflugsboot. Durch den engen Raftsund begleitet das Boot das Hurtigruten-Schiff und wird dabei von einer Möwenschar begleitet. Diese werden aus der Hand mit frischem Fisch gefüttert und lassen nicht nur die Augen der Fotografen leuchten. Abhängig vom Wetter geht es anschließend in den Trollfjord. Der enge Talkessel mit seinen steil aufragenden Felswänden ist ein sehenswertes Naturschauspiel. Anschließend beginnt die eigentliche Seeadler-Safari in der malerischen Inselwelt der Lofoten. In der Gegend lebende Seeadler nähern sich dem Boot bis auf wenige Meter und freuen sich über die für sie präparierten Fische. Aus dem Wasser, aus der Luft und stets in unmittelbarer Nähe der Gäste holen sich die majestätischen Vögel ihre Mahlzeit. Während die Adler ihre Beute wegtragen, sichern sich unzählige Möwen den restlichen Fisch direkt aus der Hand.

Im kleinen Hafenstädtchen Svolvær haben die Norwegen-Reisenden anschließend Zeit für einen Bummel durch den Hafen, einen Besuch in der ganzjährig geöffneten Eiskunst-Ausstellung oder einen Restaurantbesuch. Bei längerem Aufenthalt kann man an Bord ein Fahrrad für einen Ausflug mieten und so den Radius für die anstehende Besichtigung deutlich erhöhen. Einen Tag später überquert das Schiff den Polarkreis. Wo die Bergspitzen Schneekappen tragen, ist die imaginäre Linie an der Küste nur an einem kleinen Denkmal erkennbar. Trotzdem ist der Polarkreis für viele Reisende eine symbolische Grenze, dessen Überquerung mit der speziellen Polarkreistaufe gefeiert werden muss. Andere genießen das gemütliche und legere Ambiente an Bord oder sitzen in den Bars und exklusiv eingerichteten Gesellschaftsräumen beisammen. Genau wie in Bars und Restaurants an Land gelten auch hier die in Nordeuropa traditionell hohen Spirituosenpreise.

Hauptattraktion jeder Reise ist die eindrucksvolle Küste Norwegens. Schroffe Felswände, sanfte Hügel, malerische Inseln und Schären oder auch Fjorde mit tosenden Wasserfällen begeistern Besucher aus aller Welt. Fischerorte und charmante Städtchen fügen sich ein in die beeindruckende Natur. Die Jahreszeiten bestimmen den Lebensrhythmus der Norweger. In der dunklen Jahreszeit ist das Nordlicht „Aurora Borealis“ eine zusätzliche Attraktion für Reisende. Das beeindruckende Naturschauspiel aus grünlich schimmerndem Licht wird ausgelöst durch das Auftreffen geladener Teilchen des Sonnenwindes auf die Erdatmosphäre. Erscheint es am Himmel, fasziniert es Passagiere und Besatzung gleichermaßen. Im Sommer genießen viele Gäste den Tag auf dem Sonnendeck und lassen den Blick schweifen. Nach der Abfahrt aus Sandnessjøen zum Beispiel kann man die rund tausend Meter hohe Bergkette „Die sieben Schwestern“ sehen. Wenig später passiert das Schiff den 260 Meter hohen Torghatten. Der Berg hat in der Mitte ein 160 Meter tiefes, 35 Meter hohes und 15 Meter breites Loch. Jede Postschifffahrt hat ihren ganz eigenen Charme. Farbenfrohe Häuser, lebendige Metropolen und schroffe Küsten machen die Reise entlang der Küste Norwegens zu einem besonderen Erlebnis. Post wird seit der Mitte der 70er-Jahre nicht mehr mit den Hurtigruten-Schiffen transportiert, dafür bieten die Versorgungs- und Transportschiffe heute auch für Touristen ein attraktives Programm. An 80 Terminen im Jahr 2012 werden die Reisen in Verbindung mit einem Charterflug von Berlin, Düsseldorf oder München angeboten. (SMC)