17. Aug. 2026

Reisen

Von Domodossola, dem stolzen Zentrum der Ossola-Täler, schlängelt sich eine charmante Schmalspurbahn über eine spektakuläre Panorama-Strecke hinauf nach Santa Maria Maggiore. Das malerische Vigezzo-Tal gilt nicht nur als Wiege berühmter Landschaftsmaler, sondern birgt auch eine bewegende Sozialgeschichte. Als im 14. Jahrhundert die karge Berglandwirtschaft die Familien im Winter nicht mehr ernähren konnte, mussten die Kinder aus der Region als Schornsteinfeger in die Metropolen ziehen. Aufgrund ihrer zierlichen Statur kletterten die Jungen von oben in die rußigen Kamine, um das giftige Russ mit eisernen Bürsten von den Wänden zu kratzen. Eine Epoche, an die das örtliche Schornsteinfeger-Museum heute erinnert. Einen olfaktorischen Kontrast bietet dagegen das „Museo del Profumo“: Es zelebriert die Wiege des weltberühmten Eau de Cologne, dessen Erfinder aus genau diesem Bergdorf stammte. In den stilvollen Ausstellungsräumen tauchen die Urlauber tief in die Alchemie kostbarer Düfte und historischer Flakons ein. Im Garten hinter dem Haus wachsen genau jene aromatischen Pflanzen, die die Sinne seit Jahrhunderten betören.

Zwei Nationen, ein See: Die Entdeckung des Luganersees

Mit der nostalgischen Bahn geht es weiter durch die wildromantische Kulisse der Tessiner Centovalli bis ins mondäne Locarno, wo der moderne Expresszug die Reisenden direkt nach Lugano chauffiert. Ein eleganter Spaziergang führt vom Bahnhof hinab zum glitzernden Ufer des Luganersees. Wer mag, flaniert durch die mediterranen Parkanlagen oder genießt den ersten Espresso in einer Bar am Wasser. Das Linienschiff gleitet schließlich hinüber ins italienische Porlezza. Nach einer kurzen Taxifahrt erreicht man das verträumte Oria, wo sich die geschichtsträchtige Villa Fogazzaro Roi direkt an das Ufer des Sees schmiegt. Das Anwesen diente dem großen Schriftsteller Antonio Fogazzaro (1842–1911) als Rückzugsort. In diesem Refugium fand er die Muße für sein Meisterwerk „Malombra“ und die Kulisse für „Das kleine Antiquarium“. Anna Maggi betreut das Anwesen für den italienischen Denkmalschutz, der dieses Juwel von den Nachfahren des Schriftstellers anvertraut bekam und für das Publikum öffnete. Beim Rundgang durch die perfekt im Originalzustand konservierten Salons atmet man den Geist vergangener Zeiten. Während der exklusiven Führungen werden auf der Terrasse Textpassagen rezitiert, die die Epoche zum Leben erwecken. Im sanften Schatten der Zitronenbäume oder auf dem Balkon lässt sich der literarische Zauber perfekt nachspüren. Zu den Highlights zählen nicht nur die extravagant gestalteten Schlafgemächer, in denen einst die Haute Volée nächtigte, sondern auch eine historische Tür, auf der ein Gast im Jahr 1879 eine Notenzeile hinterließ.

Ein Hideaway von vollendeter Eleganz

Am Nordufer des Luganersees liegt das Parco San Marco Lifestyle Beach Resort in Porlezza. Es ist eine Oase der gehobenen Lebensart. Die eleganten Gebäude des Luxusresorts verteilen sich terrassenförmig über eine Parkanlage. Fast jede Suite garantiert vom privaten Balkon aus einen atemberaubenden Panorama-Blick auf das tiefe Blau des Sees und die dahinter aufragenden Bergketten. Unten am privaten Sandstrand lockt das glasklare Wasser zu einer erfrischenden Auszeit, während der weitläufige SPA-Bereich und der Infinity-Pool tiefste Entspannung versprechen. Auch kulinarisch zelebriert das Resort das Dolce Vita. Mehrere erstklassige Restaurants laden zu einem abwechslungsreichen „Dine-Around“ ein, das jeden Abend in eine neue gastronomische Entdeckungsreise verwandelt. Das Herzstück für Design-Liebhaber ist die mondäne Bar des Hauses, in der moderne Kunst und handgemixte Signature-Cocktails zu einem ästhetischen Gesamtkunstwerk verschmelzen. Der nächste Morgen beginnt schließlich stilvoll mit einem erlesenen Frühstücksbuffet auf der Panorama-Terrasse mit Blick über das glitzernde Wasser.

Comer See: Das Epizentrum oberitalienischer Grandezza

Vom mondänen Ferienort Menaggio aus lässt sich der Comer See am besten bei einer privaten Bootstour vom Wasser aus erkunden. Der See teilt sich nahe dieser eleganten Enklave in drei Arme. Kurz nach dem Ablegen gleitet man am Westufer an luxuriösen Beach Clubs und der imposanten Villa Carlotta vorbei, deren terrassierter Garten bis ans Ufer reicht. Für anspruchsvolle Reisende ist die Fahrt vorbei an der Landzunge von Bellagio der Höhepunkt des Ausflugs. Vom Schiff aus sieht man jahrhundertealte Adelspaläste und von Zypressen gesäumte Ufergärten, während die schneebedeckten Gipfel der Alpen die perfekte Postkartenkulisse liefern. Einen tiefen Blick in die maritime DNA der Region erlaubt das Museo della Barca Lariana in Pianello del Lario. Das Schifffahrtsmuseum, untergebracht in den Hallen einer ehemaligen Spinnerei, präsentiert auf über 3.000 Quadratmetern eine weltweit einzigartige Sammlung von mehr als 400 historischen Booten. Die Ausstellung spannt den Bogen von den traditionellen, hölzernen Lucie, den urigen Arbeitsbooten des Sees, über edle Gondeln bis zu glänzenden Mahagoni-Rennboote aus der goldenen Ära des Wassersports.

Ein spiritueller Ausklang in kontemplativer Stille

Am nördlichsten Zipfel des Comer Sees spürt man eine fast mystische Ruhe. In Gravedona öffnet sich die romanische Kirche Santa Maria del Tiglio aus dem 12. Jahrhundert für Kulturliebhaber. Mit ihrer markanten Fassade aus weißem Marmor und dunklem Cravedona-Stein gilt das Bauwerk als Meisterwerk der lombardischen Romanik. Im Inneren des sakralen Kleinods faszinieren jahrhundertealte Fresken, während die Krypta der benachbarten Chiesa die San Vincenzo eine ganz eigene, ehrwürdige Atmosphäre verströmt. Auf der gegenüberliegenden Seeseite, abgeschieden auf einer wildromantischen Halbinsel, liegt die Abtei von Piona. Ein absolutes Highlight ist der quadratische Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert, dessen filigrane Säulenkapitelle mit biblischen Szenen und Fabelwesen verziert sind. Rund um diesen spirituellen Hof liegen die historischen Säle, die den Mönchen bis heute als Rückzugsort dienen. Hinter den Klostermauern öffnet sich ein weitläufiger, parkähnlicher Garten. Im Klosterladen an der Pforte verkaufen die Mönche hausgemachte Spezialitäten wie Honig und geben Urlaubern so die Möglichkeit zum Abschluss der Reise Souvenirs mitzunehmen.

(SMC)