04. Dez. 2022

Reisen

Sole- und Schwefelquellen wurden in Thüringen schon vor langer Zeit zum Kristallisationspunkt für erste Siedlungen. Oft boten die Quellen nicht nur die Möglichkeit das damals unerschwingliche Salz zu gewinnen, sondern erwiesen sich auch als lebensfreundliche Orte. Zwar ist die Salzproduktion längst abgewandert aus Thüringen, doch die natürlichen Heilmittel und das milde Klima sorgen dafür, dass die schon damals besiedelten Orte auch heute wenig von ihrer Anziehungskraft verloren haben. So hat das kleine Städtchen Bad Liebensstein am Südhang des Thüringer Waldes soeben ein neues Kurhaus eröffnet. Ganz in der Nähe der Wartburgstadt Eisenach setzt das Haus auf ein ganzheitliches Konzept für Touristen und Einwohner und beherbergt neben einem Schwimmbad eine Saunalandschaft, zahlreiche Räume für Massagen und Wellness-Anwendungen sowie eine Gesundküche. Kursleiterin Wendy Seidenstücker und ihre Kolleginnen kochen dort regelmäßig mit ihren Gästen und sorgen dafür, dass schon Schulkinder wissen, wie man sich eine gesunde Mahlzeit zubereitet. Bambusstangen als den Raum teilende Elemente sorgen für eine asiatisch anmutende Atmosphäre in der das Kochen Spaß macht und selbst Anfänger in kurzer Zeit ein schmackhaftes Menü bereiten können. Exotische Karotten-Orangen-Cremesuppe, Hähnchen auf Ratatouille und Crepes mit fruchtiger Sauce aus pürierten Erdbeeren sind in der Gruppe in einer guten Stunde vorbeireitet und verzehrfertig. 5,5 Millionen Euro hat die 4.000-Einwohner-Stadt in das zweigeschossige Gebäude in Form einer liegenden Acht investiert, das Harmonie und Geborgenheit vermittelt. Nicht verpassen darf man eine Massage mit Weincreme und anschließend einen Kaffee oder eine heiße Schokolade im Bistro des Kurhauses.

Bis zu 980 Meter erstrecken sich die Berge des Thüringer Waldes in die Höhe und sorgen so für eine abwechslungsreiche Landschaft, die von Wander- und Radwegen durchzogen ist, aber auch Platz bietet für Einsamkeit, Stille und Erholung und in der anderswo sehr selten gewordene Tiere wie die nützlichen Fledermäuse ein Rückzugsgebiet finden. Schon Winston Churchill wusste: „Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen“  und hätte sich vielleicht für eine Übernachtung im Kultur.Hotel Kaiserhof entschieden. Das ehemalige Stadtschloss bietet 54 großzügig gestaltete Zimmer und sorgt mit zahlreichen Kulturveranstaltungen für die abendliche Unterhaltung der Gäste. Ein eigener, großer Wellnessbereich bietet unter anderem Badewannen für gemeinsame Bäder von Paaren in denen man sich ein Cleopatra- oder Erdbeer-Sahnebad gönnen kann und eine Ruhezone mit großem Wandgemälde und „Sternenhimmel“. Doch spätestens am nächsten Tag locken Kultur und Landschaft nach einem reichhaltigen Frühstück wieder an die frische Luft. Gerade zur warmen Jahreszeit ist der Schloss- und Kulturpark Altenstein einen Besuch wert.  Das malerische Schloss in einem weitläufigen Park wurde 1982 bis auf die Fassaden durch einen Brand schwer beschädigt, erinnert aber zweifellos an ein verwunschenes Märchenschloss.

Wenige Kilometer weiter liegt Bad Salzungen. Die aus der Erde sprudelnde Sole wird schon seit Jahrhunderten genutzt. Siedepfannen und brennende Holzstöße prägten einst das Bild und sorgten dafür, dass Holz in der Umgebung immer knapper wurde. Damals standen 24 Gradierwerke mit einer Länge von jeweils 400 Meter am Ort und sorgten rund um die Uhr für eine florierende Salzproduktion. Heute steht nur noch ein einziges Gradierwerk an den schon von den Kelten entdeckten Quellen und macht den Ort zu einem Sole-Heilbad. Nutzen kann man die heilsame Wirkung der Sole nicht nur in einem modernen Schwimmbad, sondern auch zur Inhalation. Ausgestattet mit einem weißen Gradierumgang, einer Art Regenjacke, flaniert man am aus Schwarz- und Weißdorn bestehenden Gradierwerk entlang und lässt die feinen Tröpfchen der Sole auf die Atemwege wirken. Steigern kann man die Wirkung indem man im dichten Nebel singt und dadurch die Atmung anregt. Pfarrer Kneipp: „Wer nicht jeden Tag etwas für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern.“ Architekturliebhaber werden nicht nur die heilsame Wirkung genießen, sondern können das Ensemble des Gradierwerks, vor allem den im hennebergisch-fränkischen Fachwerkstil errichtete Mittelbau, als architektonisches Kleinod entdecken.

Weitaus moderne gestaltet ist das RAMADA Hotel Friedrichroda. In der Nähe des Rennsteigs bietet das Hotel eine 1.600m² Wellnesslandschaft unter künstlichen Palmen. Drei finnische Saunen bringen den Kreislauf in Schwung während im Serailbad Heilerde mit hochwertigen Ölen für ein Körperpeeling sorgt. Dazu lässt man die Packung langsam am Körper trocknen und genießt die entspannte Hautpflege. Die Fahrt zum Schaubergwerk Marienglashöhle – eine der schönsten Kristallgrotten Europas – gleicht einem Ausflug in die Unterwelt. Bis 1538 wurde in dem kleinen Bergwerk Erz abgebaut, später fand man Gips, der als Rohstoff für Stuckarbeiten an Schlössern und Herrenhäusern diente. Die in Friedrichroda gewonnenen Gipskristalle von bezaubernder Schönheit eigneten sich mit ihrem Perlmuttglanz auch für Kirchen und Klöster. Bis heute erhalten geblieben ist eine der schönsten und größten Gipskristallgrotten Europas. Die mit der Thüringerwaldbahn bestens erreichbare Attraktion bietet für Gruppen nach Vorbestellung Feuerzangenbowle an.

Fast gänzlich frei von Autos und deshalb mit besonders guter Luft ist das Städtchen Finsterbergen. Oberhalb des Ortes wurde ein drehbarer Klimapavillon aus Holz errichtet. Klima-Wanderer können in diesem rasten, sich auf Liegestühlen mit der Sonne drehen und die Seele baumeln lassen und dabei an Jean Paul denken, der überzeugt war: „Die Freude und das Lächeln sind der Sommer des Lebens.“ Dosiertes Gehen in ansteigendem Gelände als Terrainkur oder eine Heliotherapie bei richtiger Dosierung der Sonnenstahlung sind so ganz einfach möglich und erhöhen die Abwehrkräfte. Gesundheit und Wintersport verbinden sich in Tabarz am Fuße des fast 1.000 Meter hohen Inselbergs. Dort kann man unter fachkundiger Anleitung vom Dieter Hellmann Nordic Walking Touren machen und im Winter 2,1 km Pisten unsicher machen. Das Angebot reicht von sanften Abfahrtshängen bis hin zur schwarzen Piste. Auch für Kinder wird etwas geboten: Figuren auf der Märchenwiese in der Nähe des Kurparks erinnern an den ehemaligen Kurgast und Verfasser der Geschichten über den Struwelpeter, Heinrich Hoffmann. Erwachsene können derweil in der Schauwerkstatt Mahlschatz original Thüringer Schmuck bestaunen. Karin Stiefel und ihre Mitarbeiter haben unter anderem historische Brautketten gesammelt, die der Braut für den Fall einer Trennung das Auskommen sichern sollten.  Wem das zu hektisch ist, der kann im Akzent Hotel „Zur Post“ eine Traumreise machen oder ein Rajawatu-Verwöhn-Ritual mit individuell kreierten Aroma-Massagesteinen genießen und anschließend in die rustikale Kellerbar „Zur Postmarie“ einkehren. Wer sich für eine Reise nach Thüringen entscheidet, bekommt mit der ThüringenCard  zum Preis von 14 Euro für 24 Stunden freien Eintritt in rund 200 Sehenswürdigkeiten. Informationen zum Urlaubsland Thüringen gibt es telefonisch unter 0361/37420 und im Internet. (SMC)