25. Okt. 2021

Reisen

Wer Abenteuer erleben möchte, muss dafür gar nicht weit reisen. Mitten in Baden-Württemberg liegt der beschauliche Odenwald. Doch zugleich ist die Region die Kulisse für Abenteurer, die mit Schlafsack und Zelt losziehen und eine andere Seite des Lebens entdecken möchten. In der Region haben Menschen ihren Traum verwirklicht – und begleiten Touristen durch die verschiedenen Facetten des Outdoor-Abenteuers.

Als Familienbetrieb hat der Landgasthof Linde in Walldürn-Gerolzahn eine lange Tradition. Die Monate während der Pandemie haben Kurt und Christoph Meidel genutzt, um in einem Anbau des Gasthauses eine moderne Anlage für virtuelles Bogenschießen einzurichten. Im Rekordtempo kann man dort auf virtuelle Scheiben schießen und an der eigenen Treffsicherheit arbeiten. Noch mehr Spaß als das virtuelle Schießen macht aber eine Runde auf dem echten Bogenparcours im Wald unterhalb des Gasthauses. Christoph Meidel und die anderen Vereinsmitglieder haben das Gelände rund um einen beschaulichen Mittelgebirgsbach mit 3D-Tiermodellen ausgestattet. Von vordefinierten Abschussplätzen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden kann man auf diese schießen und sich bei Treffern Punkte notieren. Manche der Ziele haben es in sich – ein Adler schwebt an einem Seilzug über den Bach. Bisons stehen als kleine Herde auf einer Wiese. Und sogar ein kunstvoll gestalteter Drache ist Teil der Kummersklinge-Parcours.

Wer es rustikaler mag, bucht eine Tekking-Tour mit Christoph Maretzek. Der Outdoor-Guide kennt sich aus mit der heimischen Natur und teilt sein Wissen über Flora und Fauna und auch über das Wetter. Gleich am Treffpunkt geht der Blick zum Himmel, denn die Wolken verraten eine Menge, ob Gewitter oder Sturm und damit Gefahren drohen. Doch bei unserer Tour senden die Wolken nur beruhigende Signale. Der Wanderweg führt aus der Ortschaft heraus und über Wirtschafts- und Wanderwege durch den Odenwald. Während der Wanderung lernt man die Orientierung mit der Karte und auf Wunsch auch mit dem Kompass. Bäume, Sträucher und andere Pflanzen machen die Wanderung abwechslungsreich. Und auch der Weg ist vielseitig. Nicht nur der Untergrund wechselt häufiger, auch Anstiege und Abstiege wechseln sich ab. Wanderhütten am Wegesrand laden zu einer Rast ein und an manchen Orten gibt es sogar Kneipp-Becken. Wer mag, kann den Wald zwischendurch verlassen und bei Hofläden Proviant kaufen.

Am Abend kommt man zu einem der vier im Naturpark Neckartal-Odenwald neu eingerichteten Trekking-Plätze. Diese hat Christoph Maretzek mit einem Team engagierter Trekking-Freunde aus der Region eingerichtet, um naturverbundene Gäste in den Odenwald zu locken. Zugleich sollen die von den Gemeinden für Übernachtungen freigegebenen Plätze die Auswirkungen des Tourismus auf die Natur und die Menschen in der Umgebung begrenzen. Der Trekking-Platz Elztal bietet neben der Lage inmitten der Natur eine Kompost-Toilette und eine Feuerstelle zum Kochen. Alles andere müssen die Trekking-Urlauber selbst mitbringen. Wer sich zum ersten Mal auf den Weg machte, sollte neben Zelten auch eine Säge und anderes Werkzeug nicht vergessen. Unter strenger Anleitung von Christoph Maretzek werden die Zelte aufgestellt und ein Schutzdach gegen den Regen an dünnen Holzstämmen befestigt. Dann wird Holz herangeschafft und zersägt. Es muss in die gemauerte Kochstelle passen. Wie man das Feuer entzündet erklärt Christoph Maretzek ebenfalls. Mit einem scharfen Messer werden dünne Holzscheite in Anzünder verwandelt. Dann gilt es das Holz richtig zu stapeln, sodass das Feuer in Gang kommt. Mit gusseisernen Pfannen und anderem Kochgeschirr sorgt Christoph Maretzek gemeinsam mit den Gästen für ein schmackhaftes Abendessen – und hat mit seiner reichen Natur- und Wildniserfahrung eine Menge zu erzählen, sodass erst lange nach Sonnenuntergang Ruhe auf dem Trekking-Platz einkehrt.

Eine Alternative direkt am Ufer des Neckars bietet Ma Kai Peye. Der Camp-Indianer hat seeine Tipis in der Nähe von Haßmersheim aufgeschlagen. Mit Blick auf Burg Hornberg kann man im Crow River Tipi Camp in gemütlichen Zelten übernachten und im Riesentipi den Erzählungen aus der Welt der Plains Indianer lauschen. Dort brennt bis spät in den Abend das Lagerfeuer und mit Leuchten in den Augen erzählt Ma Kai Peye, der Sohn eines einst in der Region stationierten amerikanischen Soldaten, vom Leben der Indianer. Besondere Stimmung kommt auf, wenn Ma Kai Peye zur Trommel greift und seine Gäste mit Musik und Gesang in die Welt seiner Vorfahren mitnimmt.

(SMC)