24. Jul. 2021

Reisen

Mönche und Missionare brachten das Christentum einst nach Norddeutschland. Kirchen und Klöster sind bis heute steinerne Zeugen der christlichen Missionierung. Über hundert davon stehen am Rand des Fernradwegs „Mönchsweg“, der von Bremen aus durch Niedersachsen und Schleswig-Holstein bis nach Fehmarn an der Ostseeküste führt. Wer mag, kann die 532 km mit dem Rad im eigenen Tempo zurücklegen und sich von der Natur- und Kulturlandschaft verzaubern lassen. Eine schöne Teiletappe startet in der vom dänischen König Christian IV. an der Elbe gegründeten Stadt Glückstadt.

Einen Gegenpol zur florierenden Handelsstadt Hamburg wollte der König im Jahr 1616 schaffen und sorgte mit Steuerprivilegien und Religionsfreiheit für Attraktivität. Mit dem Grundriss einer polygonalen Radialstadt und benannt nach der Glücksgöttin entstand eine Stadt, die mit ihren historischen Gebäuden, der reizvollen Natur und der Lage am Mönchsweg für Touristen besonders attraktiv ist. Zentrum der Stadt war und ist der Marktplatz. An diesem steht die 1618 erbaute Stadtkirche mit ihrem Barockturm und der Glücksgöttin Fortuna als Wetterfahne. Dass das Wasser nicht weit ist, zeigt eine rechts vom Eingang der Kirche angebrachte Sturmflutmarke von 1756. Auch das Rathaus im Stil der niederländischen Renaissance hat am Markt seinen Platz – und die gerade wieder zu neuem Leben erwachte Außengastronomie.

Tourismus ist in Glückstadt ein sehr persönliches Geschäft. Im Restaurant Christian IV am historischen Marktplatz begrüßt Inhaberin Rotraut Stender ihre Gäste gerne persönlich. Dem Restaurant gelingt der Spagat zwischen maritimer Strandkorb-Gemütlichkeit und modernen Impulsen. Küchenchef Klaus Hückstedt und sein Team bringen nicht nur den regionaltypischen Matjes auf den Tisch, sondern auch eine Vielzahl anderer köstlicher Gerichte. Nur ein Haus weiter liegt das gemütliche Restaurant „Der kleine Heinrich“. Im rustikal-maritimen Ambiente, das gerade im Innenbereich unübersehbar ist, servieren Katrin van Weelden und ihre Crew Gerichte nach alten Schleswig-Holsteinischen Rezepten. Und auch die Übernachtung kann in Glückstadt ganz persönlich sein. Vor einigen Jahren hat Ute Schmidt ihre Karriere in einer Bank an den Nagel gehängt, um sich ganz ihren Gästen zu widmen. Und aus einem Gästezimmer im Haus der Familie ist inzwischen eine ganze Reihe von Zimmern und Ferienwohnungen geworden. „Blaues Haus“ nennen die Schmidts ihr Übernachtungsangebot – nach der Farbe der Fassade des rund 1,5 km außerhalb des Stadtzentrums gelegenen Hauses. Ein Frühstücksangebot, kostenfreies W-LAN und viel Zeit für die Gäste machen es nicht nur für Radfahrer interessant.

Der Weg von Glückstadt nach Itzehoe beginnt am Marktplatz. Von dort führt er über die Hafenpromenade, vorbei an alten Gebäuden mit sehenswerten historischen Fassaden. Hier sieht man nicht nur alte und moderne Schiffe, sondern auch Palais aus vergangenen Zeiten. Kaum liegen die letzten Häuser hinter einem, befindet man sich am Deich. Dieser schützt die Stadt vor dem Wasser der Elbe. Eine Vielzahl von Schafen nutzt den Deich als Weide – und ist gerade für Gäste aus der Großstadt ein beliebtes Fotomotiv. Der gut ausgeschilderte Radweg führt in die Ortschaft Borsfleth und schon wieder ändert sich die Landschaft. Hier prägen die Landwirtschaft und die Tierhaltung das Bild. Kühe grasen auf den Weiden. Schwalben fliegen über die Köpfe der Radfahrer. Einen Zwischenstopp sollte man in Krempe machen. Direkt am Wegesrand steht das historische Rathaus, ein Backsteinbau aus dem Jahr 1570. In Sichtweite liegt auch die Kirche St. Peter. Später geht es auf dem Deich weiter und zu einer kleinen Seilfähre. Diese bringt die Radfahrer über das Wasser der Stör. Nach der kurzen Überfahrt geht es parallel zum Wasser weiter Richtung Itzehoe. Kurz vor der Innenstadt lädt ein Badesee in warmen Monaten zu einer Erfrischung ein. In der Stadt stößt man dann wieder auf die Spuren der Missionare. Mit der Kirche St. Laurentii, in der eine Orgel aus dem Jahr 1720 zu sehen ist, und dem Klosterhof mit Äbtissinnenhaus stehen zwei sehenswerte Gebäude gleich in der Altstadt. Wer zurück nach Glückstadt möchte, kann den gleichen Weg zurück nehmen, über den kürzeren Radweg entlang der Landstraße fahren oder mit dem Rad in den Zug steigen.

Auch in die andere Richtung kann man von Glückstadt starten. Nach der Fahrt durch den Hafen und am Deich entlang, kann man mit der Fähre Glückstadt-Wischhafen über die Elbe gelangen. Am anderen Ufer führen die Radwege ins Moor und in kleine Orte. Der erste davon ist Hamelwörden. Beim Rundgang um St. Dionysius, der ältesten Kirche des Kehdinger Landes, entdeckt man zahlreiche Infotafeln mit Informationen zur Geschichte der Region – und auch zu einem Deichbruch, den man damals als Zeichen des Zornes Gottes über die Menschen auffasste. Auch an diesem Ufer der Elbe dominieren Landwirtschaft und Natur das Landschaftsbild. Und auch hier können Radfahrer und Wanderer sich Stempel für ihren Radpilgerpass sichern. Diese gibt es in Unterkünften, Restaurants, Kirchen und Tourist-Informationen. Wer nachweislich 100 km zu Fuß oder 200 km mit dem Rad auf dem Mönchsweg zurückgelegt hat, kann sich für diese Leistung eine Mönchsweg-Urkunde ausstellen lassen.

(SMC)