25. Okt. 2021

Reisen

Ob die griechische Insel Kefalonia wirklich die Heimatinsel des Odysseus war, wird wohl für immer ein Geheimnis des Meeres, der Berge und der tausend Jahre alten Olivenbäume bleiben. Mit der Möglichkeit die größte Insel im Ionischen Meer von Flughäfen wie Düsseldorf oder Frankfurt direkt zu erreichen wird die reizvolle Insel auch für deutsche Touristen ein interessantes Reiseziel unter südlicher Sonne. Bis heute ist die Insel weitaus weniger touristisch als viele andere griechische Reiseziele – und wenn überhaupt, dann von britischen Urlaubern entdeckt. Wer sich von Deutschland aus auf den Weg macht, hat also die Chance, ein den meisten unbekanntes Reiseziel zu entdecken – und das nur drei Flugstunden entfernt.

Glitzerndes Meer, weiße Strände und ein mächtiges Bergmassiv – die ersten Eindrücke von Kefalonia aus dem Flugzeug sind beeindruckend. 1.800 km vom verregneten deutschen Spätsommer entfernt scheint die Sonne und sorgt für Tagestemperaturen von 28 Grad. Nach einem Hitzesommer, den die Insel ohne größere Waldbrände überstanden hat, bietet der Spätsommer angenehme Temperaturen sowohl für einen Strandurlaub als auch für die Entdeckung der griechischen Natur und Kultur. Wer auf der Insel mobil sein möchte, sollte sich spätestens am Flughafen einen Mietwagen sichern. Wer die kleinen Gassen der Insel kennt, entscheidet sich ganz bewusst für ein kleines Fahrzeug. Wichtiger sind eine gute Klimaanlage und ein starker Motor für Touren in die Berge. Für die Navigation kann man hervorragend ein Smartphone nutzen – und dabei dank EU-Roaming von der heimischen Daten-Flat profitieren. Auch wenn die Insel mit einer Länge von 48 km und einer Breite von 30 km keine riesigen Entfernungen keine weiten Fahrstrecken aufweist, lohnt es sich bei der Auswahl des Hotels und bei der Planung der eigenen Aktivitäten vorab auf die Karte zu schauen, denn die kleinen und oft verwinkelten Straßen sind malerisch aber erhöhen die Fahrzeiten beträchtlich.

Einen guten Überblick über die Insel bietet eine halbtägige Jeep-Tour mit Giorgio Potamianos. Die Tour startet im Stadtzentrum der Inselhauptstadt Argostoli. Während der Fahrt spricht der Inhaber von Outdoor Kefalonia mit lauter Stimme über seine Heimat – und führt die Gäste zu einem echten Geheimtipp. In jahrelanger Arbeit hat er die Ruinen eines bei einem großen Erdbeben 1953 zerstörten und anschließend verlassenen Ortes freigelegt. Inmitten der wild wuchernden Natur kann man so durch eine der Gassen des Geisterdorfes flanieren. Eines der Häuser hat Giorgio Potamianos in ein kleines Museum verwandelt. In den Ruinen kann man alte Küchengeräte, die Reste der Gerätschaften zur Weinverarbeitung und den Rost des Ofens sehen. Vor dem Haus zeigt ein tiefer Brunnenschacht, wie wichtig Wasser schon immer für die Menschen in der teils kargen Landschaft war. Dann geht die Tour weiter in die Berge. Über befestigte Straßen, Feldwege und schließlich über Stock und Stein geht es bergauf. Am Wegesrand sind Schafe und Ziegen zu sehen, die sich recken, um die für sie erreichbaren Blätter von den Bäumen zu fressen. Oben auf dem Berggipfel bietet sich eine herrliche Aussicht über die Insel – und bis zur Nachbarinsel Ithaka.

Natürlich kann man Kefalonia auch auf eigene Faust erkunden. Eine Tour mit dem Mietwagen führt ganz in den Norden in den touristischen Ort Fiskardo. Dort liegen zahlreiche Yachten vor Anker – und eine Vielzahl von Restaurants mit Tischen direkt am Hafen warten auf Gäste. Auf dem Rückweg ist ein Abstecher nach Assos ein Muss. Die Ortschaft liegt weit unterhalb der Küstenstraße. Sehenswert ist nicht nur das Ortspanorama, sondern auch die Burganlage oberhalb der Stadt. Wer gut zu Fuß ist, kann diese auf eigene Fast besichtigen und den wundervollen Sonnenuntergang mit Blick auf das Meer genießen. Eine andere Tour führt auf die im Westen gelegene Halbinsel rund um die Hafenstadt Lixouri. Diese erreicht man auf einer langen Autotour durch die Berge oder bequem und schnell mit der regelmäßig verkehrenden Fähre. Von dort ist es nicht weit zu den roten Stränden, die zum Beispiel in Xi zu einem Bad einladen. Manche Einheimische nutzen den feinen Schlamm, der sich aus den Felsen löst als eine Art natürlichen Sonnenschutz. Wer mag, kann auch in einem der Weingüter der Insel Station machen und an einer Weinprobe teilnehmen. Jeder Winzer hat seine ganz eigene Philosophie. „Sarris Winery“ zum Beispiel setzt auf kleine Mengen und produziert nur 20.000 Flaschen im Jahr. Die Trauben werden von Hand geerntet und verarbeitet und so zu außergewöhnlichen Weinen. Mit einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Strände ist Kefalonie ein Paradies für Badeurlauber. An den unterschiedlichen Küsten gibt es flache Strände für Familien, eindrucksvolle Panoramen und auch stein abfallende Bereiche für Wassersportler.

Wer am Morgen in Argostoli zu Besuch ist, sollte bei den dort liegenden Fischerbooten genau hinschauen. Während die Fischer ihren Fang verkaufen und die verkauften Fische filetieren, landen immer wieder Fischabfälle im Wasser. Dort warten schon einige große Meeresschildkröten auf die leichte Beute. Die Unechten Karettschildkröten stehen auf der Liste der bedrohten Arten und sind auf Kefalonia doch gut zu beobachten. Wer noch mehr Meer erleben möchte, kann in der Nähe des Flughafens vom kleinen Hafen Agia Pelagia aus eine Tour auf einem Fischerboot machen. Michalis Messoloras ist seit seinem 15. Lebensjahr Fischer. Heute bietet er gemeinsam mit seiner Frau Antonia Ausflüge für Urlauber an, bei denen mit langen Netzen Fische und Hummer gefangen werden. Ein Ausflug mit Michalis Fishing Tours beginnt mit Kaffee und einem selbst gebackenen Kuchen. Dann stellt Antonia humorvoll klar, dass an Bord des Schiffes das demokratische Prinzip gilt – solange es ihrer Meinung entspricht. Während Kapitän Michalis das Schiff steuert, kümmert sich seine Frau um die Unterhaltung der Gäste. Dann werden die Netze für den nächsten Tag ins Wasser gelegt und die vom Vortag heraufgeholt. Während das Netz Meter für Meter an Bord verstaut wird, zerschlägt die Besatzung im Netz verfangene Steine. Kommen Fische an Bord, wird das Netz in eine Schlaufe gelegt, damit man diese später herausholen kann. Kommen Hummer aus dem Wasser, freuen sich die Gäste mit Applaus auf das anstehende Festmahl.  

Noch näher kommt man dem Meer nur bei einem Schnorchel- oder Tauchausflug. Den bietet zum Beispiel der Blue Manta Diving & Aquanautic Club am Tara Beach. Der lange Sandstrand im Süden der Insel in Skala ist Ausgangspunkt für die Touren, die Gerasimos Beriatos und sein Team organisieren und begleiten. Am Vormittag geht es zum Schnorcheln. Da der Sandstrand in dieser Hinsicht weniger spektakulär ist, geht es mit dem Speedboot zu einer interessanten Stelle. Im kristallklaren Wasser von „Tilemacho´s Cave“ sind die Überreste mehrerer Schiffswracks zu sehen. Wir sehen Steine, die einst zum Gewichtsausgleich verwendet wurden, die Überreste von Amphoren und einen Anker. Der Meeresboden ist in diesem Bereich wie ein Unterwassermuseum – auch durch die Schiffswracks von prähistorischen Zeiten bis zur Römer- und Byzantiner-Ära. Unter uns sind Seegraswiesen zu sehen und einige Fische. Doch denen werden wir am Nachmittag noch näher kommen – bei einem Scuba Diving-Ausflug. Beim Tauchen begleiten uns neben dem Inhaber der Tauchschule Celia Llorach Punzano (26) und Dominic Fowles (24). Die beiden haben ihr Hobby zum Beruf gemacht und sind dafür in der Saison in Kefalonia. Vor dem Tauchgang kommt eine ausführliche Einweisung – zur Sicherheit und auch zur Kommunikation unter Wasser. Dann geht es vollgepackt mit schwerer Ausrüstung zum Speedboot. Das fährt einige Minuten die Küste entlang und ankert dann nicht weit davon. Beherzt sollen die Tauchneulinge rückwärts ins Wasser rollen. Dann tauchen wir das erste Mal in das türkisblaue Wasser. Dort warten Seegraswiesen, Seesterne und bunte Fische aber auch Höhlen und Korallenriffe. Warum die Tauchschule die Tour „The Eye“ genannt hat, wird erst später klar. Gemeinsam tauchen wir in einen Höhleneingang, durch den das Licht von der anderen Seite scheint. Mit der Taschenlampe zeigen die erfahrenen Taucher den Neulingen Tiere und Pflanzen und sorgen so für ein besonderes Erlebnis.

Nicht weit von Sami entfernt lebt die deutsche Auswandererin Katharina Fehring. Vor der eigentlichen Wanderung werden die fünf Eselinnen von den Gästen gebürstet und die Hufe gereinigt. So kommt man den Tieren ganz nah und kann eine Beziehung aufbauen. Dann beginnt die eigentliche Wanderung durch die unberührte Natur. Über Feldwege und Wiesen geht es langsam voran, denn die Esel finden Gefallen an jedem zweiten Grashalm oder Blatt. Gemeinsam mit dem Esel gilt es einen Weg zu finden, bei dem man mit der Gruppe mitkommt. Bewegt sich gar nichts mehr, gibt Katharina Fehring Kalivoka Tipps wie man mit den eigenwilligen Eseln spazieren kann. Eine 90-minütige Tour führt zum Beispiel zu einer steinernen Brücke, durch die nach der Schneeschmelze ein reißender Bach strömt.

Wer sich für einen Urlaub auf Kefalonia entscheidet, sollte im Vorfeld entscheiden, in welcher Region das Hotel liegen sollte. So spart man weite Fahrten und hat mehr von der eigenen Urlaubszeit. In der Nähe der Hauptstadt liegt in Lassi das Hotel Méditerranée. Es ist eine gute Wahl für alle, die gerne einen zentralen Standort haben mit einem schönen Sandstrand direkt vor der Tür und kurzen Wegen in die Hauptstadt. Wer ein Zimmer mit Meerblick bucht, kann sich zudem über den Panoramablick in die Bucht freuen. Eine luxuriöse Alternative liegt am Rand von Skala. Das Tesoroblu Hotel + Spa Hotel eignet sich gerade für Paare, die ungestörten Urlaub in eindrucksvollem Design machen möchten.  Eine schöne Terrasse am Pool, ein Restaurant mit Buffet und A-la-Carte-Gerichten und ein umfassender Service machen das Hotel zu einem luxuriösen Standort für den Kefalonia-Urlaub. Restaurants und Tavernen wie Paspalis-Taverne ergänzen die regionale Küche zu den mehr international ausgerichteten Gerichten aus der Hotelküche. Während in den letzten Jahrzehnten in erster Linie Gäste aus Großbritannien auf Kefalonia zu Gast waren, setzt die Insel für die Zukunft auf eine bessere Mischung der Gäste. Damit wird die Zahl der deutschen Gäste steigen – höchste Zeit in den Flieger zu steigen und als einer der ersten die Schönheit im Ionischen Meer zu entdecken.

(SMC)