20. Okt. 2020

Reisen

Der Belchensteig ist Deutschlands schönster Wanderweg 2020! Als einer von 14 nominierten Wegen setzte sich der Premiumwanderweg Belchensteig in der Kategorie Tages- und Halbtagestouren durch und gewann damit den begehrten Titel.

Wandern auf dem Premiumwanderweg Belchensteig

Die Wanderung auf dem Rundweg um den 1.414 Meter hohen Belchen beginnen die meisten Wanderer am Wiedener Eck. Von dort führt der 14,7 km lange Weg durch mehrere Naturschutzgebiete inmitten des Biosphärengebiets Schwarzwald und des Naturparks Südschwarzwald. 621 Meter Anstieg und 621 Meter Abstieg sind in rund 4,5 Stunden gut zu bewältigen. Während der Wanderung durchquert man idyllische Landschaften und genießt eindrucksvolle Ausblicke. Der Premiumwanderweg führt über Wiesenpfade und durch den Wald bis über die Baumgrenze hinaus. Der Blick vom gut erschlossenen Gipfel des Belchens in die Rheinebene ist bei schönem Wetter genauso interessant, wie der auf dem 1.493 Meter hohen Feldberg und auf die schneebedeckten Alpengipfel in der Ferne. Da der Gipfel oberhalb der Baumgrenze liegt, hat man vom Belchen einen eindrucksvollen Rundumblick. Wer sich den Hauptanstieg mit 280 Höhenmetern ersparen will, steigt in Obermulten in die Belchen Seilbahn. Diese startet am Belchenhotel Jägerstüble, auf dessen Terrasse man eine Schwarzwälder Kirschtorte nach klassischem Rezept genießen kann. Oben am Berg, gleich neben dem historischen Belchenhaus, nimmt man die Spur des Belchensteigs wieder auf und folgt der Raute als Wegsymbol. Zwischendurch kann man an mit geschnitzten Holzfiguren dekorierten Bänken Rast machen und Kraft sammeln für die nächste Etappe des Weges durch den Südschwarzwald.

Ein Gefühl von Heimat

In der Region spricht man alemannisch - eine für Gäste schwer verständliche Mundart. Doch natürlich sprechen die im Tourismus Aktiven auch Hochdeutsch. Bei einer Wanderung mit Karl-Josef Straub (76) bekommt man einen Einblick in die Geschichte und Kultur der Region – aber auch in die Seele des Schwarzwälder Originals. Eine empfehlenswerte Wanderung führt von der Schwarzwaldstadt Schönau („die schöne Au“) erst mit dem Linienbus nach Wieden und dann zu Fuß zurück in die Amtsstadt Schönau. Karl-Josef Straub spricht über Kirchen, Schwarzwaldhöfe und Landwirtschaft am Rand der Wanderstrecke, aber auch über das Leben im Schwarzwald in den acht Jahrzehnten seines Lebens. „Von wegen gute alte Zeit“, erinnert er sich an die langen winterlichen Wege zum früher fast verpflichtenden Kirchgang. Er erzählt spannend von Erlebnissen aus der Schulzeit und ist auch in aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen ein kundiger Gesprächspartner. Bei der Wanderung merkt man, dass der Wanderführer seine Gäste leidenschaftlich gerne durch seine Heimat führt. Auf dem Weg über die Ortschaften Laitenbach, Oberrollsbach und Unterrollsbach nach Aitern zeigt er sehenswerte Ausblicke, erklärt geschichtliche Zusammenhänge und kennt neben den ausgeschilderten Wegen auch schöne Abkürzungen. Karl-Josef Straub ist begeistert von den durch die Milchwirtschaft offen gehaltenen Weiden und der von diesen geprägten Kulturlandschaft. Er erklärt auch, dass die Haltung der speziell für die Region gezüchteten Hinterwälder-Rinder aus wirtschaftlichen Gründen deutlich abgenommen hat und zeigt am Beispiel der Ausbreitung des invasiven Adlerfarns wie sich die Landschaft bereits verändert hat. Neben klassischen Wanderungen bietet der Wanderführer auch Speck- und Schnapswanderungen an. Diese führen getreu seinem Mottos „nur brav leben macht keinen Spaß“ zur Schnapsbrennerei Stiegeler. Hinter einem roten Garagentor nutzt das Ehepaar nebenberuflich das zum Haus gehörende Brennrecht. Es erlaubt Susanne und Markus Stiegeler -wie schon dem Vater und dem Großvater zuvor- pro Jahr 300 Liter Alkohol aus Früchten der Region zu brennen. Neben Viehhaltung und Tourismus betreibt das Ehepaar einen Hofverkauf mit Hochprozentigem. Blutwurz-, Williams-Birne- und Honig-Kirsch-Schnaps sind die beliebtesten Produkte des Familienbetriebs. Während es bei Schnaps früher hieß „der muss brennen“, setzt man heute auf ein Endprodukt mit 42 % Alkohol, damit das Aroma der Früchte erhalten bleibt. „Wir zahlen Steuern auf die Maischemenge“, berichtet Markus Stiegeler und erklärt, dass die Besteuerungsgrundlage das Streben nach Qualität bei den meisten Brennern erhöht hat. Wer seine Produkte probieren möchte, findet sie im Hofladen und in regionalen Geschenkkörben. Nach einer Verkostung bei den Stiegelers führt der Weg mit Karl-Josef Straub weiter über den Farnbühl, Letzbergweiher und dem ehemaligen Schlageter Denkmal zurück nach Schönau im Schwarzwald.

Über den Dächern Schönaus

Urkundlich erwähnt ist die Amtsstadt Schönau erstmalig im Jahr 1113. Einen guten Überblick über die im Wiese -Tal liegende Stadt hat man vom Turm der neogotischen Kirche „Mariä Himmelfahrt“ im Stadtzentrum. Diesen kann man an jedem Mittwoch mit dem Bürgermeister oder mit Amtsleiter Dietmar Krumm besichtigen. Nach 257 Stufen über steinerne und hölzerne Treppen erreicht man zunächst die Glocken und dann die Aussichtsbalustrade, auf der man den Turm umrunden kann. Dietmar Krumm erklärt von dort die wichtigen Gebäude, aber auch die Entwicklung der Stadt. Ins Auge fällt die eindrucksvolle Gerichtslinde zwischen der Kirche und dem Hotel „Vier Löwen“. An dieser mehr als 500 Jahre alten Linde wurde im Jahr 1737 das letzte Urteil gesprochen. Das Hotel „Vier Löwen“ ist einer der Traditionsbetriebe in der Tourismusregion. Zugleich ist der Familienbetrieb für moderne Aktionen wie die in 148 Schwarzwälder Ferienorten bekannte Konus-Gästekarte offen. Die von gut 10.000 Gastgebern ausgegebene Gästekarte ist Fahrkarte für den Nahverkehr in der Region und ermöglicht Rabatte bei verschiedenen Freizeiteinrichtungen. Auf der Terrasse des Hotels sieht man die Skulptur eines Hirsches. Dieser ist das Wappentier der Stadt.

Tradition und Handwerk erleben

Von Schönau aus geht es weiter nach Holz. Nach einer kurvenreichen Fahrt erreicht man die Klopfsäge Fröhnd. Diese besondere Säge wurde 1808 aus Stein und Holz gebaut und wurde über mehrere Jahrhunderte genutzt, um Holzstämme zu zersägen. 1,5 Festmeter Holz pro Tag wurden mit Hilfe einer besonderen Technik gesägt, bei der mit Wasserkraft aus einem Wasserrad mit einem Durchmesser von drei Metern, ein Rahmen mit dem Sägeblatt hochgehoben wurde und die Holzstämme beim Absenken zersägte. In den 1960er-Jahren wurde die Klopfsäge zum Abriss freigegeben, konnte jedoch durch ehrenamtliches Engagement gerettet werden. Heute steht die 18 Meter x 4,5 Meter Sägehalle unter Denkmalschutz. Klaus Gerspacher ist einer der Unterstützer der Klopfsäge und zu den Öffnungszeiten immer wieder präsent, um Besuchern das oberschlächtige Wasserrad und den Rest der eindrucksvollen Konstruktion zu erklären. Genau wie die Klopfsäge basiert auch das Besucherbergwerk Finstergrund auf dem Engagement der Einheimischen. Clemens Jäger engagiert sich neben seinem Beruf im Vorstand des Bergmannsvereins und führt Besucher durch den Stollen 5. In den Berg geht es mit einer Grubenbahn, dann startet ein 400 Meter langer Rundgang durch die Grube Finstergrund. Wo einst 40 Bergleute pro Schicht bis zu 150 Tonnen Flussspat aus dem Berg holten, kann man heute in die Geschichte des Bergbaus eintauchen. Unter anderem präsentieren die Bergleute einen Druckluftbohrhammer in Aktion und erklären, wie das Gestein einst gesprengt wurde. In der Grube ist die Lufttemperatur das ganze Jahr bei acht Grad, sodass warme Kleidung und festes Schuhwerk empfehlenswert sind.

Auf zwei Rädern durch den Südschwarzwald

Auch für Radfahrer ist der Südschwarzwald eine interessante Region. In den Tourist-Informationen Schönau und Wieden werden Mountainbikes und moderne E-Bikes verliehen. Bei einer Radtour mit Hansjörg Kiefer zum Gasthaus Knöpflesbrunnen, das auf über 1.100 Metern auf einer Hochalm liegt, lernt man die Region aus ganz verschiedenen Perspektiven kennen. Zu Beginn der rund 40 km Radtour fährt man durch das sanfte Flusstal in Richtung Todtnau. Nach einiger Zeit kann man in der Ferne die Todtnauer Wasserfälle erkennen. Dann geht es durch einen Mischwald aus Buchen, Tannen und Fichten steil hinauf in die Berge. Mit der zusätzlichen Kraft des Motors ist die Radtour auch für durchschnittliche Radfahrer gut zu schaffen. Hansjörg Kiefer nimmt sich zwischendurch immer wieder Zeit, um seinen Gästen die Besonderheiten der naturnah bewirtschafteten Region aus Wald und Offenland zu zeigen. Schon immer haben die Menschen die Landschaft geprägt und sie in eine Kulturlandschaft verwandelt. Schwarzwaldhäuser, Waidbuchen und eine Wallgrabenanlage aus dem 8. Jahrhundert sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Schwarzwaldregion Belchen.

(SMC)