14. Nov. 2018

Reisen

Langsam tastet sich der Jeep über den Waldweg. Über mir ein Dach aus Buchen. Von der Seite weht ein sanfter Wind den Gesang der Vögel herbei. Einige der schönsten Plätze in der Natur entdecke ich bei einer Inselsafari mit Gunnar Fiedler. Der Vater des Unternehmers hatte vor 20 Jahren die Idee das Hinterland der Insel mit Landrover-Jeeps zu erkunden und dabei Touristen mitzunehmen. Inzwischen besteht das Unternehmen aus vier Fahrzeugen, die die Gäste in der Regel zu siebenstündigen Ausflügen mitnehmen. Zu Beginn der Tour sitzen alle gemeinsam im Auto und schauen sich die Straßen und die Natur durch die Fenster des geländegängigen Gefährts an. Der Fahrer erweist sich als humorvoller und gut informierter Kenner der Insel. Zwar hat Gunnar Fiedler nach seinem Einstieg ins Unternehmen das Studium geschmissen, doch sein Wissen über die Natur und Kultur der Insel kann sich sehen lassen.

Nebenbei berichtet er, dass er einst für Monate durch ferne Länder wie Mexiko zog. Doch heute ist sein Lebensmittelpunkt auf Usedom. Einige der schönsten Momente der Safari finden nicht im Auto statt, sondern auf dem Dach der Jeeps. Wenn es fernab der Straßen durch Wald und Wiesen geht, können die Gäste über eine schmale Leiter auf das Dach des Jeeps klettern und sich die Insel aus dieser ungewohnten Perspektive ansehen. Während man die Sonne und den Wind auf der Haut spürt, macht sich eine fast schon kindliche Freude über das Abenteuer im ganzen Körper breit. Wie viele der 14 Seen der Insel man am Ende gesehen hat und warum die Buche in einem naturbelassenen Wald besonders häufig vorkommt, bleibt trotzdem in Erinnerung, denn immer wieder werden Zwischenstopps für Infos und kurze Wanderungen eingelegt. Bei einem Picknick am Mittag können sich die Teilnehmer der Safari stärken – bevor es weitergeht zu den schönsten Plätzen der Insel. Tiere gibt es bei der Safari auch zu sehen. Neben den Spuren von Wildschweinen stößt man in einem Gehege auf einige Strauße und kann den großen Laufvögeln vom Jeep-Dach aus ins Auge schauen.

Auf elektrischen Strom setzen die Segways von Steven Wollenberg. Sein Unternehmen „Bluegreen Usedom“ setzt ganz auf E-Mobilität und betreibt deshalb nicht nur eine Stromtankstelle, sondern auch einen Verleih für Segways. Die amerikanischen Roller sind eine gute und wendige Plattform zum Beispiel für eine Stadtbesichtigung oder eine Fahrt über die Promenade der Drei-Kaiser-Bäder. Bevor es los geht, kommt die Einweisung. Bei der erklärt der Eigentümer der Segways nicht nur die Steuerung, sondern auch die Technik. Mit diesem Wissen im Hinterkopf fällt es viel leichter, sich auf die Technik zu verlassen, die nahezu automatisch dafür sorgt, dass der Segway nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Wer das verinnerlicht, beschleunigt mit einer Verlagerung des Gewichts nach vorne und bremst durch Rückwärtslage. Nach links und rechts wird gleichzeitig mit den Händen gesteuert. Nach einer kurzen Übungsrunde vor dem Firmengelände beginnt der eigentliche Ausflug. Der Segway-Guide fährt mit seinen Gästen an den interessantesten Bädervillen vorbei und erklärt hin und wieder Geschichte und Hintergründe. Auch auf dem Radweg der Promenade sind die Segways unterwegs, sodass es viel zu sehen gibt. Die Segways eignen sich, um schnell einen guten ersten Eindruck zu bekommen und Usedom kennenzulernen.

Neu eingerichtet und bereits hoch dekoriert ist der Usedomer Kur- und Heilwald. Basierend auf dem Gedanken, dass Wald seinen Besuchern eine Menge geben kann, wurden Angebote entwickelt, die die Nutzung des Waldes attraktiver machen. So können nicht nur Urlauber, sondern auch Patienten mit Herz- und Kreislaufproblemen, das Waldstück für ihre Gesundheit nutzen. Wer mag kann auf einem neu eingerichteten Parcours Geschick und Geschwindigkeit testen. Für andere gibt es Steine mit poetischen Zeilen zum Thema Wald oder Tafeln, die an die Geschichte der Waldnutzung erinnern. Der Wald ist durch die neuen Elemente und die geschickte Aufbereitung seiner Möglichkeiten ein attraktives Ausflugsziel. Eine der Initiatorinnen des Projekts ist Dr. Karin Lehmann. Sie lädt dazu ein, Europas größten Kur- und Heilwald auf verschiedenen Wegen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden selbst zu erleben und die Wirkung der von ihr „Grüne Ärzte“ genannten Bäume am eigenen Körper zu erleben. Im Mittelpunkt steht dabei die Kombination aus See- und Waldluft.

Im April 2018 fanden bei strahlendem Sonnenschein die „Grünen Wellnesstage“ statt. Mit den Veranstaltungen möchte man auf die vielseitigen Wellnessangebote der Insel aufmerksam machen. Höhepunkt war ohne Zweifel eine Wellness-Schatzsuche am Strand von Zinnowitz. Bei dieser hatten Touristen und Einheimische die Gelegenheit in einem vorher abgesteckten Strandareal Gutscheine für Wellnessanwendungen und Übernachtungen auszubuddeln. An anderer Stelle wurden Bäume für einen klimaneutralen Urlaub gepflanzt, Kilometer für einen guten Zweck gelaufen und bei öffentlichen Sportprogrammen zum Mitmachen aufgerufen. Möglich gemacht wurden die Aktionen unter anderem durch einige der örtlichen Hotels wie dem Strandhotel Heringsdorf. Das bot seinen Gästen während der Grünen Wellnesstage zum Beispiel eine Saunanacht mit besonderen Anwendungen in der Panoramasauna an. Diese liegt in der obersten Etage des Hotels und bietet durch ein großes Fenster Meerblick. Getreu des Churchill-Zitats „Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen“ bieten die Hotels ihren Gästen eine Fülle verschiedener Wellnessanwendungen an. Dabei kommt auch das lokale Heilmittel Jodsole zum Einsatz. Strandhotel-Wellness-Managerin Sindy Hartig empfiehlt zum Beispiel das Fango-Trio. Bei diesem folgt das Wannenbad auf die Schlammpackung und eine Rückenmassage. Interessant ist neben Klassikern wie der Hot Stone Massage oder einer Fußreflexzonen-Massage auch Wavebalance. Dabei liegt man auf einer auf Wasser gelagerten Liege und spürt die Hände der Therapeutin zwischen Rücken und Liege. Während der Tage gab es auch in der OstseeTherme Usedom eine lange Saunanacht.

Empfehlenswert ist auch eine Seeadler-Wanderung. Diese findet im 45 Minuten entfernten Anklam statt. Im Mündungsgebiet der Peene nisten aktuell 14 Brutpaare der seltenen Vögel. Der Rundgang beginnt im kleinen Hafen von Kamp. Von dort kann man die erhaltenen Teile der Karniner Brücke sehen. Einst verlief die Bahnlinie vom Festland auf die Insel über die Hubbrücke, von der nur der mittlere Teil als technisches Denkmal erhalten blieb. Über eine Strecke von 10 Kilometern geht es dann durch die nach einem Deichbruch im Dezember 1995 wieder vom Wasser zurückeroberte Landschaft. Am Wegesrand sind die Spuren von Bibern zu sehen, die mit ihren starken Zähnen an der Rinde nagen und dabei die Bäume zu Fall bringen können. Das erfahren die Teilnehmer der Wanderung von Maria Pantermöller, die für das Unternehmen „Abenteuer Flusslandschaft“ als Guide unterwegs ist. Sie weiß auch, dass in dem Gebiet rund 140 verschiedene Vogelarten brüten und zur richtigen Jahreszeit auch Singschwäne und Seidenschwänze zu sehen sind. Obwohl Seeadler bei der Auswahl des Futters sehr flexibel sind, kommt ihnen das reichhaltige Nahrungsangebot im Anklamer Stadtbruch sehr zu Gute. Wer den Blick nicht nur in die Luft, sondern auch auf den Boden richtet, entdeckt auch dort Sehenswertes. Schöne Pflanzen wie der am Wegesrand stehende Pestwurz sind genauso zu finden wie im Wasser stehende, durch die Feuchtigkeit abgestorbene Bäume. Nicht nur für Fotografen sind diese eine ganz besonderen Kulisse. Angeboten werden die Wanderungen von Mai bis September.

Auch gastronomisch lohnt sich eine Reise nach Usedom. Neue Pommersche Küche gibt es zu Beispiel im Restaurant „1900“ im Aurelia Hotel St. Hubertus in Heringsdorf. Die Köche interpretieren historische Rezepte auf moderne Weise und sorgen so für Geschmackserlebnisse. Weiterer Pluspunkt ist die Verwendung von regionalen Zutaten wie dem Fleisch von Sattelschweinen. Empfehlenswert ist auch Zander auf Stroh. Bei warmem Wetter kann man die Gerichte unter freiem Himmel genießen – direkt an der Promenade. Ebenfalls eine gute Wahl ist das „Heinrichs“ im Strandhotel Heringsdorf. Sowohl Fleisch als auch Fisch gelingen der Küche hervorragend – dazu gibt es die passenden Weine. Strand, Natur, Licht und Genuss vereinen sich auf Usedom zu einem maritimen Erlebnis, das Aktivurlauber und Wellnessgäste gleichermaßen begeistert. (SMC)