25. Jun. 2022

Reisen

Als größte der Kanarischen Inseln ist Teneriffa seit Jahren ein gefragtes Urlaubsziel. Während es Badeurlauber vor allem in den Sommermonaten auf die spanische Insel zieht, gibt es für Wanderurlauber gerade in den etwas kühleren Wintermonaten eine Menge zu entdecken. Bei Tagestemperaturen um 20 Grad ist der deutsche Winter die beste Jahreszeit für einen Wanderurlaub auf Teneriffa.

Das Anaga-Gebirge ist ein Wanderparadies 

Auf den meisten Bildern von Teneriffa sieht man die gut besuchten Strände im Süden oder den 3.715 Meter hohen Vulkanberg Pico del Teide. Doch während der sich nur für gut trainierte Wanderer eignet und eine Genehmigung für den Aufstieg auf den Gipfel mit langem Vorlauf beantragt werden muss, gibt es ganz im Nordosten der Insel ein gut zugängliches Wandergebiet mit sehenswerten Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Das ebenfalls vulkanische Anaga-Gebirge ist von der Inselhauptstadt Santa Cruz de Tenerife über eine schmale und kurvige aber gut befahrbare Straße erschlossen. Kleine Parkplätze am Straßenrand sind Ausgangspunkt für verschiedene Wanderungen durch den Lorbeerwald und in die auf Spanisch „Barrancos“ genannten Schluchten.  Wer mag, kann die meisten Wege in Eigenregie gehen, doch bequemer und informativer ist es mit einem Wanderführer aus der Region.

Die leichte Wanderung "Hija Cambada" zum Einstieg

Einer davon ist Cao Sanches, einer der Gründer von „Anaga Experience“. Cao holt mich mit dem Auto in der Innenstadt ab und fährt nach einem kurzen Zwischenhalt an einem Aussichtspunkt zum Cruz del Carmen mitten im Anaga-Gebirge. Dort beginnt auf dem Weg „Hija Cambada“, meine erste rund einstündige Wanderung durch einen der letzten Lorbeer-Wälder Europas. Ein leichter Nebel wabert durch den immergrünen Wald. Moose und Flechten sind Indikatoren für Feuchtigkeit – aber auch für die gute Luftqualität. Cao, der nicht nur als Guide, sondern auch als Schauspieler arbeitet, ist begeistert von der Natur. Immer wieder bleibt er stehen und zeigt besondere Pflanzen und Felsformationen. Der naturbelassene, schattige Wald an beiden Seiten des Wanderwegs fasziniert durch seine Urtümlichkeit. Ihre gebogenen Stämme und Zweige scheinen einen Tunnel über dem Wanderweg zu bilden. Lorbeer- und Heidebäume sind genauso zu sehen wie überdimensionale Verwandte des Löwenzahns. Und während es in der Heimat kalt und nass ist, erwarten mich auf einem sonnigen Wegstück bunte Blumen.

Ein Wanderführer mit nachhaltiger Philosophie

„Je länger ich als Reiseleiter arbeite, umso mehr denke ich, dass die Insel unendlich ist“, schwärmt auch Reiseführer Cao beim Blick in die Natur und auf die Küste, an der sich die Wellen des Atlantiks brechen. Nach der Wanderung lädt Cao in ein lokales Restaurant ein. „Wir setzen aus Überzeugung auf Nachhaltigkeit. Die Hälfte unseres Umsatzes bleibt im Anage-Gebirge“, erklärt er die Philosophie seines Unternehmens. Dann werden mit einem gut gefüllten Brotkorb regionale Spezialitäten serviert. Käse, Ziegenbutter, Mocho und zartes Thunfischfilet stehen auf der Speisekarte des Restaurants. Auf dem Rückweg fährt Cao  noch ins Bergdorf Taborno. Auf den Bruchsteinmauern des Ortes sonnen sich Eidechsen. Ziegen weiden in der Landschaft vor dem rund 700 Meter hohen Roque de Taborno, der von manchen das Matterhorn Teneriffas genannt wird.

Bergab zum schwarzen Strand von Antequera

Das kristallklare Wasser am schwarzen Strand von Antequera ist das Ziel einer einfachen Wanderung, die sich gerade für Landschaftsgenießer eignet. Der reizvolle Wanderweg führt aus dem Gebirge bis zur Küste, wo ein Wassertaxi auf die Wanderer wartet und diese an der vulkanischen Küste entlang zurück zum Hafen des Ortes San Andrés bringt. Wanderführer Cao und seine Gäste werden mit dem Kleinbus ins Gebirge gebracht, wo es am Vormittag noch erfrischend kühl ist. Dann geht es in mehreren Etappen zum Meer. Cao spricht über den Lorbeerwald, zeigt Drachenbäume und Kakteen und berichtet über die Besonderheiten der Natur im Anaga-Gebirge. Mitten in der Natur stehen wir plötzlich vor den Mauern eines größtenteils verlassenen Dorfes. Daneben können Entdeckungslustige einen Blick in eine ebenso verlassene Höhle im natürlichen Gestein der Insel werfen. Höhlen waren die ersten Unterkünfte der Ureinwohner der Kanaren, sodass man sich mit etwas Phantasie in die Welt der Guanchen und ihr von Landwirtschaft und Natur geprägtes Leben zurückversetzen kann. Der angenehm zu gehende Weg ist kein Spaziergang, sondern eine Wanderung. Doch mit solidem Schuhwerk und etwas Balance kommt man gut ans Ziel. Das ist der Strand von Antequera. Unterhalb einer beeindruckenden Felsenkulisse liegt der schwarze Strand. Wer mag nutzt das das ganze Jahr über rund 20 Grad warme Wasser für ein erfrischendes Bad. Dann geht es mit dem Speedboot zurück zum Ausgangspunkt.

Wie die Guanchen - Übernachtung im Höhlenhaus

Wer tiefer in die Geschichte der Guanchen einsteigen möchte, kann auf Teneriffa in einem Höhlenhaus übernachten. Während manche Höhlenhäuser eher rustikal sind, wurden andere zu echten Luxusunterkünften ausgebaut. Eines davon nennt sich „Arico Cave Experience“.  Wer in den rund tausend Meter über dem Meer gelegenen Unterkünften übernachtet, genießt die mit der einsamen Lage verbundene Stille. Nur das Rauschen des Windes und ein gelegentlich in der Ferne bellender Hund durchbrechen diese. Die nur mit dem Auto erreichbare Anlage in der Nähe der Ortschaft Arico bei El Bueno bietet nicht nur traumhafte Sonnenaufgänge und den Blick auf die an manchen Tagen unterhalb gelegenen Wolken, sondern auch eine exklusive Ausstattung. Jede der vier „Höhlen“ der „Arico Cave Experience“ hat eine komplett ausgestattete Küche. Mehrere Pools, ein Billardtisch und überdachte Grills sorgen dafür, dass auch ein Tag in Arico ganz nach Wunsch erholsam oder unterhaltsam ist. Ein Spaziergang in der Umgebung führt zu Bäumen voller Zitronen, in verschiedenen Farben leuchtenden Kaktusfeigen und einem Pinien-Wald. In Kürze plant der Vermieter die Anlage mit regionalen Geschäften und Restaurants zu vernetzen, sodass man sich deren Produkte nach Arico liefern lassen kann. Da die wenigen Nachbarhäuser weit entfernt stehen, bietet die Anlage bei klarem Himmel beste Voraussetzungen für einen Blick - in die Sterne. Mit einbrechender Dunkelheit erscheinen die ersten Sterne am Nachthimmel. Schon bald kann man ganze Sternbilder wie Orion entdecken. Wer sich die Zeit nimmt kann die Sterne in den Nachtstunden über den Himmel wandern sehen und entdeckt später in der Nacht auch den großen Wagen. In dunklen Nächten kann man das Band der Milchstraße am Himmel leuchten sehen. Aufflammende Sternschnuppen sorgen für zusätzliche Romantik.

Gofio als Superfood bei der Tour zum Felsen von Taborno

Gofio war eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Ureinwohner der Kanaren. Das gemahlene Getreide wird mit Milch, Zucker und weiteren Zutaten vermischt und verwandelt sich so in einen energiereichen Kraftspender. Den hat Wanderführer Cao für die Gäste seiner Wanderung zum Felsen von Taborno vorbereitet. Vom Wanderparkplatz aus geht es nicht nur mehrere hundert Höhenmeter ins Tal, sondern auf einem anderen Weg auch wieder den Berg hinauf. Der Anfang der Wanderung fällt leicht, denn der Weg führt durch den schattigen Lorbeerwald in Richtung Küste. Am Wegesrand entdecken wir nicht nur die für das Anaga-Gebirge typische Vegetation, sondern später auch blühende Wiesen, Gärten voller Zitrusbäume und Früchte tragende Kakteen. Rast machen wir auf einem ehemaligen Dreschplatz. Einst wuchs auf den heute mit Obstbäumen bewachsenen Terrassen Getreide. Caos Gofio-Kostprobe und ein paar frisch gepflückte Orangen geben Kraft für den Rückweg. Nach Aufstieg verkosten wir Käse aus Anaga, aus Arico und von der Nachbarinsel Gran Canaria.

Ein Tag unter Palmen am Strand von Teresitas

Was wäre ein Urlaub auf Teneriffa ohne einen Strandtag? Den kann man in der Anaga-Region mit einer Wanderung verbinden. In der Nähe von San Andrés liegt ein malerisches Palmental mit einem Wanderweg. Die ersten Meter führen in der Ebene durch die von Palmen geprägte Vegetation. Ein kleiner Bach schlängelt sich durch die Schlucht. Der Weg durch das Tal führt erst langsam und dann immer steiler in die Berge, sodass man nach den eigenen Kräften entscheiden kann, wie weit nach oben man möchte. Eine Landschaft, geprägt vom Kontrast zwischen lieblichen Gärten und schroffen Felsen belohnt Wanderer. Nach dem Abstieg zurück zum Ausgangspunkt ist man nicht weit entfernt vom Strand. Der Playa de Las Teresitas wurde 1973 mit hellgelbem Sand aus der Sahara ausgestattet und ist bei Einheimischen in der rund neun Kilometer entfernten Inselhauptstadt sehr beliebt. Im hinteren Teil des Strandes sorgen Palmen für karibisches Flair – und spenden an besonders heißen Tagen Schatten. Wer für den Tag am Strand ein Kajak oder Stand-up-Paddling-Board mieten möchte, bekommt dieses in der Wassersport-Schule am ruhigeren Ende des Strandes. Inhaber Aaron Barreto verleiht das Wassersport-Equipment nicht nur, sondern unterstützt bei Bedarf auch mit einer Einführung. Im durch eine Steinbarriere gut geschützten Strandbereich können auch Anfänger erste SUP-Erfahrung sammeln. Wer mag, kann die Barriere mit dem Kajak umrunden oder sich für eine Tour entlang der Küste entscheiden. Wer mag kann den Wassersport in Verbindung mit einer Einkehr in einem der nahegelegenen Strandrestaurants buchen. „El Bamboo“ bietet köstliche Brunch-Teller, während der exklusivere „El Caracol Beach Club“ mit frischem Fisch aus der Region, köstlich gewürzten Tomaten und anderen auf der Insel beliebten Gerichten überzeugt.

Im Winter ein Traumziel für Wanderer

Mit Blick auf die Temperaturen und die zu dieser Jahreszeit grüne Vegetation ist die deutsche Winterzeit ideal für einen Wanderurlaub auf Teneriffa. Beim Wanderprogramm bietet sich je nach Kondition eine Mischung aus einfachen Rundwegen in Eigenregie und anspruchsvolleren Strecken in professioneller Begleitung an.  Wer vor Ort flexibel sein möchte, sollte sich rechtzeitig einen Mietwagen sichern und diesen gleich am Flughafen übernehmen. So ist man nicht nur flexibel bei der Tagesplanung, sondern kann auch abseits der Touristenmassen gelegene Unterkünfte wie die Wohn-Höhlen von Arico nutzen und den Urlaub auf der beliebten Ferieninsel zu einem individuellen Erlebnis machen.

(SMC)