30. Nov. 2020

Reisen

Das heute beschauliche Ferienland Donau-Ries an der Grenze zwischen Bayern und Schwaben hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Vor 15 Millionen Jahren schlug hier ein tausend Meter dicker Meteorit. Der schlug mit mehr als 70.000 km/h in die Landschaft und riss einen 24 Kilometer breiten Krater ins Nördlinger Ries. Wo damals die Apokalypse ausbrach, ist längst wieder Leben eingekehrt. Nach einem Besuch im sehenswerten Rieskratermuseum in Nördlingen und einem Rundgang auf der Stadtmauer, die sich bis heute um das Stadtzentrum zieht, kann man die Umgebung der Stadt und den Geopark Ries auf dem gut ausgeschilderten, 19 km langen Schäferweg erkunden. Der beginnt am Freibad Marienhöhe und passiert den Hexenfelsen, in dessen Umgebung von 1590 bis 1598 34 Frauen und ein Mann wegen angeblicher Hexerei hingerichtet wurden. Nach wenigen Gehminuten steht man auf dem Adlersberg. Dieser ist ein Teil des inneren Kraterrings des Rieses. Ereignistafeln am Wegesrand informieren über die Geologie und Geschichte der Region. Eine besondere Begegnung wartet für Aufgeschlossene am Ortsrand von Ederheim. Hier hat der ehemalige Priester Hans Urban sein Garten-Grundstück mit zahlreichen Spruchtafeln dekoriert. Wer mag, ist herzlich eingeladen, dieses zu entdecken, von den Apfelbäumen am Wegesrand zu naschen und bei Interesse einen tiefsinnigen Plausch mit dem philosophischen Eigentümer zu halten. Dann führt der Weg weiter über eine aufgelassene Burganlage, die Überreste eines römischen Gutshofs zurück nach Nördlingen.

Nicht weit entfernt liegt an der romantischen Straße die Ortschaft Harburg an der Wörnitz. Schloss Harburg ist eine der größten und am besten erhaltenen Burganlagen in Süddeutschland. Die Burg überstand Schlachten und Belagerungen und besteht aus Gebäuden aus ganz verschiedenen Epochen. Stündlich finden Schlossführungen statt, bei der man die Anlage in kleinen Gruppen entdecken kann. Der Rundgang beginnt in der barocken Schlosskapelle St. Michael. Über den Wehrgang geht es weiter in den Gefängnisturm, den Gerichtssaal und in das prunkvolle Residenzgebäude. Dieses ist Schauplatz von Hochzeiten und verfügt über eine eindrucksvolle Deckenbemalung. Am Ende der Führung bleibt Zeit, eine Ausstellung mit Werken des Künstlers Rudolf Warnecke mit Bildern von der romantischen Straße zu besichtigen. Rund um das Schloss warten nicht nur eindrucksvolle Perspektiven auf das Schloss, sondern von Frühling bis Herbst auch ein liebevoll gestalteter Märchenweg mit zahlreichen Stationen. Das kleine Restaurant „Goldenes Lamm“ im Stadtzentrum bietet einen guten und günstigen Mittagstisch.

Am Zusammenfluss von Donau und Wörnitz liegt mit Donauwörth das Zentrum der Region. Die Kreisstadt liegt an einer günstigen Stelle zur Querung der Donau, sodass schon Kelten und Römer an dieser Stelle siedelten. Ab dem Jahr 1218 entstand eine Stadtmauer mit rund 40 Toren und Türmen, von denen Teile wie das Rieder Tor bis heute erhalten geblieben sind. Erhalten geblieben ist auch die Reichsstraße mit Bürgerhäusern aus dem 14. und 15. Jahrhundert. In der liegt zum Beispiel der Gasthof Goldener Hirsch, in dessen Gaststube viele regionale Gerichte auf der Speisekarte stehen. Bekannt ist die Stadt auch für das Käthe-Kruse-Puppenmuseum. Käthe Kruse schuf auf Wunsch ihrer damals dreijährigen Tochter aus einem zusammengeknoteten Handtuch, das mit Sand gefüllt wurde, und einer Kartoffel als Kopf die erste Puppe. Diese entwickelte sich immer weiter, sodass 1910 die ersten Puppen öffentlich präsentiert wurden.  „Begleiterin in allen Lebenslagen eines Kindes“ sollten die Puppen sein oder auch „ein Kind für das Kind“. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde der Firma ihr Standort in Bad Kösen zu unsicher – ein Zweitwerk der Käthe-Kruse-Werkstätten wurde in Donauwörth gegründet. Mehr als 350.000 Besucher haben das Museum, in dem bis zum 28. Februar 2021 eine Sonderausstellung über die „Puppe I“ gezeigt wird, seit der Eröffnung 1993 besucht. Wer mehr über die Stadt erfahren möchte, bucht in der Tourist-Info eine Stadtführung. Gästeführerinnen wie Irene Weichert führen mit Sachkunde durch ihre Heimat und zeigen den Gästen die interessantesten Plätze der Stadt, während sie über die Geschichte erzählen. Kommt man zur richtigen Zeit, kann man dabei sogar dem Glockenspiel am Rathaus lauschen und später in der Gruftkapelle der Heilig Kreuz Kirche eine Monstranz mit Splittern aus dem Kreuz Christi sehen. Natürlich kann man auch rund um Donauwörth hervorragend wandern. Der Edelweißweg hat eine Wanderstrecke von fast 16 km. Wer zu Fuß vom Stadtzentrum von Donauwörth kommt, steigt in der Regel am Gelände der ehemaligen Kaserne oberhalb der Stadt in den Weg ein. Von hier führt der Wanderweg zunächst am Rand eines Feldes mit Blick in die weite Landschaft, dann kurz durch ein Wohngebiet und in einem Wald hinein. Mit 265 Höhenmetern, einer Markierung durch den Alpenverein und der Fernsicht ins Donautal ist der Weg nicht nur für Naturliebhaber eine gute Wahl. 

Nicht nur die reiche geologische Geschichte, sondern auch die ursprünglichen Ortskerne und die prächtige Natur machen das Ferienland Donau-Ries zu einem interessanten Reiseziel für ein verlängertes Wochenende. In der Region sind die Spuren der verschiedenen Zeitalter in Form von geologischen Formationen, historischen Gebäuden und auch in den überlieferten Sagen erhalten geblieben. Kosten sollte man auch die "Mondspritzer" genannten Süßigkeiten, deren Geschichte man bei einer Stadtführung durch Donauwörth erfährt.

(SMC)