21. Jan. 2019

Reisen

Lange galt Mailand als Wirtschaftszentrum, dessen kühles Image nur durch Haute Couture aufgefrischt wurde. Doch längst ist die norditalienische Stadt viel mehr als das. Als Zentrum der Kultur, der Kulinarik und natürlich weiterhin auch der Mode ist die Millionenstadt in der Lombardei ein interessantes Ziel für eine Städtereise. Gerade die Vorweihnachtszeit, wenn das Rathaus sich in einen überdimensionalen Adventskalender verwandelt, das Stadtzentrum reich geschmückt ist und der gotische Dom an die reiche Geschichte der Stadt erinnert, eignet sich gut für eine Reise nach Mailand, denn in dieser Jahreszeit ist die Stadt, die im letzten Jahr von 7,6 Millionen Menschen besucht wurde,  nicht ganz so überlaufen, wie zu manch anderer Gelegenheit.

Wer mit Laura Benitt durch die Straßen Mailands geht, erfährt viel über ihre Geschichte, aber auch über die Gegenwart. So weiß sie, dass die Steine für den Bau des Domes über einen eigens dafür angelegten Kanal nach Mailand gelangten. Mit ihren Gästen besucht die Stadtführerin kleine Kirchen, weist auf Besonderheiten hin und kennt die schnellsten Wege von A nach B. Das ist praktisch, denn gerade das Stadtzentrum ist Ziel vieler Besucher, die die Stadt und aktuell auch das Gemälde „L´Adorazione dei Magi“ von Perugino im Palazzo Marino sehen möchten.

Im nächsten Jahr feiert Mailand den 500. Todestag von Leonardo da Vinci. „Das letzte Abendmahl“ ist eine der Top-Sehenswürdigkeiten in Mailand. Das Gemälde von Leonardo da Vinci ist im Dominikanerkloster Santa Maria delle Grazie zu sehen. Entstanden ist das fast 40 m² große Werk im Auftrag des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza. Es gilt als Höhepunkt des malerischen Schaffens Leonardos und wurde von ihm in Seccotechnik auf die trockene Nordwand des Speisesaals des Klosters gemalt. Um das mehr als 500 Jahre alte Bild besser erhalten zu können, kann es aktuell nur von kleinen Besuchergruppen – für jeweils 15 Minuten – besichtigt werden. Nicht weit entfernt davon liegt „Da Vinci´s Vineyard“. Den kleinen Weingarten soll der Künstler von seinen Gönnern aus Dankbarkeit für sein Schaffen in der Stadt erhalten haben. Mit einem mehrsprachigen Audioguide kann man durch das Erdgeschoss des Palazzos gehen und sich im Garten und zwischen den Weinstöcken in die Welt vor 500 Jahren versetzen. Ab Mai 2019 wird auch der reich mit Wand- und Deckengemälden geschmückte „Sala delle Asse“ im Castello Sforzesco wieder zu sehen sein. Dazu gibt es zahlreiche Ausstellungen über Leonardos Leben und Schaffen.

Mailand ist eine Stadt der Kultur. Bemerkenswerte Ausstellungen zeigt das Museum der Fondazione Prada. In einem Turm sind auf sechs Etagen sehr unterschiedliche Werke von zeitgenössischen Künstlern und alten Meisten zu sehen. Auf einer Etage stehen drei rote Oldtimer, aus deren Scheiben verschieden geformte Stahlträger ragen. Auf einer anderen stehen verkohlte Möbel in einer gespenstischen Szene. Verstörend ist eine Installation, in der hunderte Fliegen ums Leben gekommen sind. Teil der Kunst wird man beim Gang durch einen stockdunklen Gang, an dessen Ende rot-weiße, überdimensionale Pilze von der Decke wachsen. Bis zum 25. Februar 2019 ist die Sonderausstellung “Sanguine. Luc Tuymans on Baroque” zu sehen. Die Ausstellung verbindet unter anderem Skulpturen toter Tiere, Videokunst und Glaskästen mit Szenen von Krieg und Tod zu einem düsteren Gesamteindruck. Architekt Rem Koolhaas hat auf dem Gelände einer ehemaligen Schnapsbrennerei eindrucksvolle Ausstellungsflächen geschaffen. Viel kleiner ist „Pomodoro´s Secret Labyrinth“ im Stadtzentrum. Zuerst glaubt man, in ein ganz normales Untergeschoss zu kommen, doch eine ungewöhnlich gestaltete Drehtür versetzt Besucher in die Welt von „Indiana Jones“. Hinter dem Portal ist mit viel Kunstfertigkeit eine künstliche Welt entstanden, die die Lust auf Abenteuer und Kreativität weckt.

Um Kreativität geht es auch in den Armani Silos. In dem modernen Bau sind Kunst und Mode aus dem Hause Armani ausgestellt. Wer mag kann stundenlang zwischen den ausgestellten Einzelstücken flanieren und sich die Werke des Designers aus den letzten Jahrzenten anschauen. An den verstorbenen Modemacher Gianfranco Ferré erinnert eine Stiftung, die seinen Namen trägt. Diese bewahrt seine Skizzenbücher, Einzelstücke aus seinen Kollektionen und von ihm gesammelte Möbel und Accessoires.

Genuss wird in Mailand großgeschrieben. Das gilt nicht nur für inzwischen 20 mit Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurants, sondern auch für das reiche gastronomische Angebot in allen Preisklassen. Im „Al Coniglio Bianco“ sitzt man an einem in der in der Vorweihnachtszeit reich beleuchteten Kanäle und kann traditionelle Gerichte der Lombardei genießen. Im „Al Fresco“ lohnt sich besonders der Blick auf die Tageskarte, die Spezialitäten wie Pasta mit frischem Trüffel beinhaltet. Und auch im „Setta Cucina Urbana“ kann man es sich gut gehen lassen. Wer es süß mag, ist in der Chocolate Academy genau richtig. Davide Comaschi, Schokoladendesigner und Direktor der Akademie, bietet mit seinem Team seit der Eröffnung im Sommer 2017 Seminare und Genussevents rund um die Schokolade an. Comaschi gilt als Schöpfer der pinken Schokolade – einer optisch reizvollen Variante der weißen Schokolade, die sich zu außergewöhnlichen Dekorationen verarbeiten lässt und für eine Charity-Aktion geschaffen wurde. Wer mag, kann im Foyer der Akademie Kunstwerke aus Schokolade bestaunen, den Chocolatiers bei der Arbeit zuschauen oder selbst die edlen Zutaten probieren. Mailand ist reich an Hotels. Zentral liegt zum Beispiel das Una-Hotel Cusani. Die Hotelgruppe legt Wert auf italienischen Lifestyle. Beim Frühstück gibt es zum Teil regionale Produkte und auch der Service steht für südeuropäische Gastfreundschaft.

Eine Stadt wie Mailand ist eine gute Plattform für Marken, um sich dort zu inszenieren. In diesem Jahr hat die Parfum-Marke „Chanel“ eine limitierte Edition ihres Duftes in einer roten Flasche auf den Markt gebracht. Um das zu feiern, hat man nicht nur die Lampen der „Galleria Vittorio Emanuele II“ rot eingefärbt und eine überdimensionale Parfumflasche auf den Platz „Piazza Della Scala“ gestellt, sondern auch eine ganze Straßenbahn gebrandet. Die „Red Tram“ ist bis Weihnachten immer von 15 bis 21 Uhr auf einem Rundkurs durch die Stadt unterwegs. Von der sieht man auf der Tour mit der historischen Straßenbahn nicht viel, denn die Fenster sind mit roten Folien abgeklebt. Dafür kann man im Inneren der Bahn Kosmetikprodukte ausprobieren und den Duft von „Chanel No 5“ erleben. Auch Swarovsky präsentiert sich in der „Galleria Vittorio Emanuele II“. Das österreichische Unternehmen hat einen im Zentrum der Galerie stehenden Weihnachtsbaum mit glitzerndem Kristallglas geschmückt.

Das Weihnachtsprogramm in Mailand endet erst in der ersten Januarwoche. Die Besucher der Stadt haben die Chance, einen Rekord aus dem letzten Jahr zu übertreffen, als in der „Galleria Vittorio Emanuele II.“ ein Weihnachtskuchen von 140 kg von Genusskünstler Davide Comaschi Stück für Stück an den Mann gebracht wurde. Auch die Beleuchtung und der Weihnachtsmarkt rund um den Mailänder Dom sind bis dahin geöffnet.

(ck)