21. Aug. 2019

Reisen

Wo die Weinbaugebiete Franken, Baden und Württemberg zusammentreffen, liegt die Urlaubsregion Taubertal. Die Ferienlandschaft strahlt eine besondere Ruhe aus – nicht nur aufgrund der vielen Funklöcher. Genussfreunde sind in der Region genauso willkommen wie aktive Urlauber, die zum Beispiel mit dem Rad unterwegs sind und die Natur- und Kulturlandschaft an den Ufern der Tauber entdecken. Eine besondere Verbindung hat die sanft-hügelige Region in der Nähe von Würzburg mit dem Wein, der hier seit Generationen kultiviert und genossen wird.

Einen guten Einstieg in die Welt des Weines bietet das Vintasticum in Lauda-Königshofen. Corinna Benz, einst Badische Weinkönigin und heute Inhaberin des Weingut Benz, führt durch die interaktive Erlebniswelt: „Wir werden den Wein nicht nur sehen und schmecken, sondern auch fühlen und sogar hören.“ Gemeinsam wird an Aromen geschnuppert, es wird probiert und geschmeckt und auch darüber hinaus wird es spannend. „Wie ändert sich die Geschmacksempfindung, wenn sich die Umgebung ändert?“, fragt Corina Benz und taucht das Licht im Vintasticum in verschiedene Farben. Grünes Licht: Der Riesling riecht nach Frühling und schmeckt frisch. Blaues Licht: Der Riesling sieht blass, fast wässrig aus. Er riecht kaum. Er schmeckt wie Wasser mit einer Säurenote. Rot: Die Farbe der Leidenschaft, der Liebe und der Sinnlichkeit. Der Riesling sieht in diesem Licht fast aus wie Rosé. Er riecht nach Himbeere. Die Säure ist sehr dezent. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass sich das Geschmacksempfinden mit der Umgebung ändert. Was wie vier verschiedene Weine geschmeckt hat, war doch ein und derselbe Riesling. Die Gastgeberin, seit 2002 auch Inhaberin eines Wein-Hotels am Ort ist genau wie wir begeistert. Im Laufe der einstündigen Tour geht es auch um die Entwicklung und das Wachstum der Weinstöcke, um die blubbernden Geräusche bei der Gärung des Weines und den Einfluss des Bodens auf den Geschmack des Weines.

„Wein ist Poesie in Flaschen“, behauptete schon Robert Louis Stevenson. Diese Poesie kann man in den Weinorten des Taubertals an vielen Stellen erleben. Wo früher fast jede Familie ihren eigenen Wein machte, gibt es auch heute noch zahlreiche Winzer. Die „Weinstraße Taubertal“ führt zum Beispiel durch die beschaulichen Weinorte Kembach und Wertheim-Dertingen. Im Gespräch mit den Winzern erfährt man nicht nur, wie neue Weinsorten entstehen, sondern auch worauf es bei der Arbeit im Weinberg ankommt. Neben Winzern gibt es in der Region auch Brenner. In der Edelobstbrennerei Dieter Braun entstehen aus 1.000 Liter Rohmaterial von den Streuobstwiesen rund 35 Liter reiner Alkohol. Dieser wird weiterverarbeitet zu den verschiedenen Produkten der Brennerei.

Elf Schlösser, acht Burgen und sechs Klöster gibt es in der Region. Eine davon ist die mächtige Feste Wertheim. Sie liegt oberhalb der historischen Altstadt und kann zu Fuß oder mit einem Burgbähnle erreicht werden. Wer gut zu Fuß ist, wagt vorher den Aufstieg auf den 36,5 Meter hohen Spitzen Turm, von dem man die an der Mündung der Tauber in den Main gelegene historische Stadt überblicken kann. Der Wachturm aus dem 13. Jahrhundert diente in der Geschichte als Gefängnis für „Trunkenbolde“ und „zänkische Weiber“. Der Weg zur Burg führt durch die mittelalterlichen Gassen der Altstadt. Heute ist die Staufische Burganlage beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt und Kulisse für Konzerte und Festivals. Die Burg ist von einem tiefen Schluchtgraben und umfangreichen Wehranlagen umgeben.

Wanderwege durch Flur, die Wälder und die Weinberge sowie 2.200 km Radwege machen die Region auch für aktive Urlauber interessant. Mit fünf Sternen ausgezeichnet wurde zum Beispiel der Radweg „Liebliches Taubertal - Der Klassiker“, die über 100 km von Rothenburg nach Wertheim führt. Hörstationen berichten den Radfahrern Hintergründe über das Taubertal. Am 4. August 2019 findet bereits zum 20. Mal ein autofreier Sonntag statt. Dann haben Radfahrer und Inliner auf der Strecke zwischen Tauberbischofsheim und Freudenberg am Main freie Bahn. Doch auch sonst kann man dem Straßenverkehr bei Radtouren ausweichen. Ein lohnendes Ziel für Radfahrer ist zum Beispiel Weikersheim. Auf dem Weg zum dortigen Schloss kommt man vorbei an Feldern, auf denen roter Klatschmohn blüht, an Wiesen und Weinbergen und an kleinen verschlafenen Orten. Das Renaissanceschloss gilt als das schönste der hohenlohischen Schlösser. Die ländliche Residenz verfügt über einen eindrucksvoll mit Jagdszenen gestalteten Rittersaal, eine Ausstellung mit historischen Möbeln und einen im ursprünglichen Grundriss erhaltenen Lustgarten. Im Garten stehen rund hundert barocke Figuren, darunter die 16 Weikersheimer Zwerge. Diese stellen Mitglieder des Hofstaats vom Brau- bis zum Wachtmeister dar. Interessant ist auch der neu entstandene Alchemie- und Hexengarten.  

(kk)