Der Charme bestens erhaltenen und teils Jahrhunderte alten Bausubstanz verbindet sich mit einem modernen Kulturangebot, einer fast autofreien Innenstadt und einem äußerst vielfältigen gastronomischen Angebot. Zur Weihnachtszeit sorgen verschiedene Weihnachtsmärkte und die Dekoration der Stadt mit Leuchtgirlanden für zusätzlichen Charme.
Die Klänge der Martinikerk
In anderen Städten haben die Kirchen sich dezent aus dem Alltag der Menschen zurückgezogen. In Groningen erlebt man bei der zentral gelegenen Martinikerk das Gegenteil. Eine privat organisierte Stiftung kümmert sich um die Vermietung der Räume und bringt immer wieder Leben in die Kirche. Die beeindruckt nicht nur durch ihren monumentalen Turm, sondern auch durch die Ausstattung. Über dem Altar hängt eine große Schnitger-Orgel aus dem 15. Jahrhundert mit ca. 3.500 Pfeifen. Die wahre Besonderheit der Martinikerk verbirgt sich hingegen in den Türmen. Dort hängen fast 50 Glocken, die von einem zentralen Raum angesteuert und als Glockenspiel genutzt werden können. Das Winter-Carillon-Konzert mit den jungen Glockenspielern Maurits Bunt und Bob van der Linde Mitte Dezember war eine Gelegenheit, sich von der Klangkraft der Glocken zu überzeugen – in der Kirche oder auf dem Marktplatz. So bleibt eine 500-jährige musikalische Tradition in Groningen quicklebendig.
Eine Stadt der Fußgänger und Radfahrer
Im Stadtzentrum von Groningen sind – mit Ausnahme von Taxis – seit Jahren keine Autos mehr zugelassen. Da es im Zentrum auch keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, gehören die Straßen den Fußgängern und den omnipräsenten Radfahrern. Die rasen kreuz und quer durch die Stadt und machen den Rundgang durch die Stadt zu einem Abenteuer, das fast immer gut ausgeht, da Fußgänger und Radfahrer Rücksicht aufeinander nehmen. Groningen zeigt zugleich, wie gut eine Verkehrswende gelingen kann, wenn ein Fünftel der Einwohner aus jungen und sportlichen Studenten besteht. Die nutzen auch die die Stadt umgebenden Kanäle, auf denen neben historischen Booten auch moderne Hausboote liegen, in denen Studierende günstig wohnen.
Eines der ältesten Gebäude der Stadt
Eines der ältesten Gebäude der Stadt ist der Prinsenhof. 1436 entstand zunächst ein Wohnhaus, das zu einer Kirche umgebaut wurde. 1569 wurde daraus ein Palast für den ersten Bischof von Groningen. Später zogen die Statthalter von Groningen ein, sodass das Gebäude zum Herrenhof wurde. Heute beinhaltet es ein Boutiquehotel mit Restaurant und Brasserie, in der man auch für einen kleinen Mittagssnack einkehren kann. Hinter dem Haus wurde im 17. Jahrhundert ein Hofgarten angelegt. Buchsbaumhecken, Laubengänge und Zäune geben dem tagsüber frei zugänglichen Garten einen besonderen Charme. Am Eingang ist eine historische Sonnenuhr zu sehen, an der eine Inschrift mahnt: „Vergangene Zeit ist nichts, zukünftige ist unsicher, gegenwärtige ist zerbrechlich. Verschwende nicht deine Zeit.“
Engagierte Unternehmen mit besonderen Konzepten
Die Aufenthaltsqualität einer Innenstadt hängt auch an den vorhandenen Geschäften und Gastronomien und am Engagement ihrer Besitzer. Wer mit offenen Augen durch Groningen geht, entdeckt eine Vielzahl besonderer Läden. Dazu gehört zum Beispiel das „Kokotoko“, eine Mischung aus Boutique und Deko-Laden mit der Besonderheit, dass fast alle Produkte nicht nur Bio-, sondern auch Fair-Trade-zertifiziert sind. Auch der Süßwarenladen „Smaakaron“, hat außer Macarons und Bonbons etwas Besonderes zu bieten. So kann man bei speziellen Workshops selbst zum Bonbon-Macher werden. Eine Vielzahl regionaler Produkte bündelt der Feinkostladen „De Kaaskop“. Neben Käse und Milchprodukten gibt es auch andere schmackhafte Produkte regionaler Produzenten. Die „Koffiestation“ bündelt ein Angebot von Kaffees aus aller Welt mit interessanten Büchern. Beim Blick in die Schaufenster und Auslagen entdeckt man immer wieder besondere Konzepte und Angebote.
Das moderne Zentrum der Stadt
Im November 2019 öffnete mit dem „Forum“ ein markantes Gebäude seine Türen. Das 45 Meter-Hochhaus am Rande des „Grote Markt“ beherbergt nicht nur die städtische Bibliothek und Gastronomie, sondern auch Co-Working-Spaces und ein Smartlab, in dem die Groninger Erfahrung mit virtueller Realität und 3D-Druck sammeln können. Eine Dachterrasse bietet einen spektakulären Blick über die Stadt. Im Gebäude gibt es zudem Kinosäle und Ausstellungsräume, in denen aktuell die „Tattoo Expo“, eine Ausstellung über die Kunst des Tätowierens, gezeigt wird.
Weihnachtsmärkte mit Charme
In der Stadt gibt es verschiedene Weihnachtsmärkte. Der zentrale liegt auf dem „Grote Markt“ im Stadtzentrum. Wie bei den meisten Weihnachtsmärkten stehen schmackhafte Speisen und Getränke im Mittelpunkt. Bei schlechtem Wetter lohnt sich auch ein Besuch des schwedischen Weihnachtsmarkts in der ehemaligen Zuckerfabrik. Der Indoor-Weihnachtsmarkt setzt mehr auf Kunsthandwerk und weihnachtliche Produkte und zieht seit Jahren ein begeistertes Publikum an. Natürlich kann man es sich auch einfach an anderen Orten gemütlich machen und einen heißen Glühwein trinken. Das Hotel „The Happy Traveler“ hat auf seiner Dachterrasse ein Zelt aufgebaut, kleine Feuerstellen eingerichtet und kann so die festlich dekorierte Winterterrasse als Treffpunkt anbieten. Sehenswert sind auch die Bar und die Räume im Hotel „Schimmelpenninck Huys“. Das reich im Kolonialstil dekorierte Haus hat in der Vorweihnachtszeit noch einiges an zusätzlicher Deko aufgefahren. Wer mehr Wert auf den Ausblick und die Gastronomie legt, ist beim Restaurant Wijck am „Grote Markt“ richtig, denn dort hat man einen Blick über den Weihnachtsmarkt, während man zum Beispiel einen leckeren Camembert mit frischem Brot genießt.
Fine Dining in Groningen
Auch im Bereich der gehobenen Gastronomie hat Groningen einiges zu bieten. Das „Diner Restaurant Tales“ zum Beispiel bietet ein saisonal wechselndes 5-Gang-Menü an, bei dem der Kellner zu jedem Gang interessante Geschichten präsentiert. Aktuell kann man zum Beispiel mit einer gefüllten Ravioli beginnen, sich mit einer Bier-Wurst- oder Kastanien-Suppe überraschen lassen und dann als Hauptgang auf den Punkt gegartes Reh genießen. Feigen- oder Quittenmus und schließlich ein Dessert schließen den Abend ab. Auf Wunsch gibt es dazu eine Wein-, Cocktail- oder Mocktailbegleitung. Auch durch die Geschichten zu den einzelnen Gängen erstreckt sich der Abend im „Diner Restaurant Tales“ über einige genussvolle Stunden. Eine Alternative für einen anderen Abend ist das Restaurant „De Betere Tijden“. Dort gibt es ein 3-, 4- oder 5-Gang-Menü aus der offenen Küche. Auch hier darf man reichlich Zeit mitbringen, um den Abend kulinarisch zu genießen. Hier stehen eine Pastinakensuppe mit Liebstöckelschaum, rohe Dorade mit Mandarinen-Escabeche und mexikanischen Aromen, Gebratene Jakobsmuschel mit Bulgogi-Creme, fermentiertem Kimchi und koreanischem Dumpling-Teig mit Limette und knusprig gebackene Glasnudeln auf dem Programm. Als Hauptgericht gibt es Rinderfilet in einer Tapenade mit Pfifferlingen, Hollandaise mit Steinpilzen, und eine Soße mit Trüffel und Entenleber. Als Dessert – nach der reichhaltigen Käseplatte folgen dann noch frische Apfelkompott, Zitronengelee, Mandelstreusel, Vanille-Panna-Cotta, sowie gelbes Sahneeis mit Boerenjongens zu gebackene Apfelstückchen. Groningen ist eben auch eine Stadt für Genießer.
(SMC)








